"Nicht denkbar" sei es, sagte AFP-Chef Emmanuel Hoog in einem Interview mit der französischen Zeitung "Le Monde", dass AFP nur zusehe, während etwa AP und Reuters Applikationen für den französischen Medienmarkt anböten. Hoog meint damit den Einstieg in den direkten Vertrieb von Nachrichten an News-Konsumenten - bisher durchaus keine Selbstverständlichkeit für eine Nachrichtenagentur.
Denn in der klassischen Verwertungskette sind es Agenturen, die Redaktionen mit der Rohware Nachricht beliefern und dafür bezahlt werden. Erst in den letzten Jahren begannen Nachrichtenagenturen damit, auch über eigene Web-Portale zumindest eine Nachrichtenauswahl zugänglich zu machen. Einige suchten Kooperationen mit neuen Marktteilnehmern, wie beispielsweise die AP, die Google News direkt befüttert - und diesen offenbar vorteilhaften Vertrag soeben verlängerte.
Solche Deals sind es, die dann Agenturmaterial an den klassischen Verbreitungswegen der Medien vorbei direkt zum Leser oder Zuschauer bringen - was man dann auch direkt machen könnte, meint offenbar Hoog. Dabei könne er sich vorstellen, dass Nachrichtenagenturen sich künftig auf einen Mix aus kostenpflichtigen Dienstleistungen und für den Leser kostenfrei vertriebenen News refinanzieren würden. Vor allem die Nachrichtenbelieferung von Mobilgeräten erscheint dem AFP-Chef vielversprechend.
Die Suche nach erweiterten Geschäftskonzepten und direkteren Vertriebsformen liegt nicht zufällig im Trend: Die Agenturen geraten als Nachrichtenlieferanten zunehmend unter Druck. Journalisten stehen heute mehr Quellen zur Verfügung als jemals zuvor, ihren Unternehmen aber immer weniger Geld. Sowohl in den USA als auch in Deutschland häufen sich die Fälle, in denen den Agenturen Kunden wegbrechen - sei es dadurch, dass die Medienunternehmen selbst aufgeben, sei es, dass sie versuchen, Gelder einzusparen, indem sie die Zahl ihrer Agentur-Abonnements verkleinern.
pat
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