Von Frank Patalong
Es ist schon ziemlich selten, dass man, nach einer Bewertung eines Gerichtsurteils gefragt, diese in Form einer knappen Zahlenfolge abgeben kann: 500-80-12. Fünfhundert Milliarden Dollar verloren die Anleger von Nasdaq-Werten an einem Tag, 80 Milliarden die Microsoft-Eigner, 12 Milliarden Dollar allein Bill Gates. Was man daraus schließen kann? Dass man auf einem Bein nicht stehen kann.
Das Urteil gegen Microsoft hat weder für die Firma selbst, noch für den Verbraucher Konsequenzen. Bis es wirklich zu Sanktionen kommt, werden wahrscheinlich noch Jahre vergehen. Bis dahin - da darf man der geschäftstüchtigen Phantasie der Herren Gates und Ballmer blind vertrauen - macht Microsoft sein Geld woanders. Keine Sanktion - außer vielleicht einer erzwungenen Aufspaltung des Unternehmens - wird den Softwareriesen treffen können. Doch zu einer Spaltung wird es nicht kommen. Das ist der Grund, warum ein befragter Börsen-Analyst nur Minuten nach dem Urteilsspruch in einem CNN-Interview folgenden jovialen Ratschlag geben konnte: "Halten oder kaufen. Billiger kriegen Sie die Aktien nie wieder."
Und trotzdem bleibt ein für Anleger und Akteure am Markt bitterer Beigeschmack. Der Kursabsturz, den schon die Erwartung des Urteils verursachte, zeigte, dass diese ganze Industrie auf tönernen Füßen steht, zu abhängig vom Wohl und Wehe eines einzigen Key-Players, der 90 Prozent des Betriebssystem-Marktes monopolisiert. Microsoft wird sich erholen - und die Däumchen drücken aberwitzigerweise gerade die Unternehmen, die dem Softwareunternehmen eigentlich die Pest an den Hals wünschen. Denn ein Fall des Softwareriesen würde auch sie auf unbestimmte Zeit ins Kurstief reißen.
Doch all dies wird nicht geschehen. Der Markt wird sich erholen, die "neue Ökonomie" ist nicht aufzuhalten. Wenn das Microsoft-Urteil und der damit nun verbundene Börsencrash eines gezeigt hat, dann die Notwendigkeit für Vielfalt. Konsequenterweise gehörten vor allem Linux-Werte zu den Gewinnern des Börsentages. Auf einem Bein kann man nicht stehen, das dürfte der Markt schmerzlich begriffen haben. Bis das Urteil einer letzten Instanz greift, wird Microsoft ein anderes Unternehmen in einem stark veränderten Markt sein. Mehr als ein Tritt vors Schienbein kommt dann dabei nicht mehr heraus. Wenn auch ein Tritt der Stärke 500-80-12.
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