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04.05.2000
 

Streit um Raubkopien

Metallica sammelt 300.000 Usernamen

Metallica macht ernst: Die Band hat eine Liste mit über 300.000 Namen von Musikpiraten an die MP3-Softwarefirma Napster übergeben, mit der Aufforderung, die Raubkopierer von ihrem Service auszuschließen.

Seit einigen Wochen kämpft Metallica an der vordersten Front gegen MP3-Raubkopien. Am 14. April verklagte die Band Napster, deren gleichnamige Software den einfachen Austausch von Musikdateien ermöglicht. Der Vorwurf von Metallica und anderen Musikern: Napster trage zur rasanten Verbreitung von illegalen Kopien bei.

Die Firma Napster hat bisher argumentiert, sie stelle nur die Tauschsoftware bereit. Für die Überprüfung der getauschten Dateien sei sie nicht zuständig. Im Übrigen bräuchte sie Beweise von Verstößen, um gegen jemanden vorzugehen.

Sauer: Lars Ulrich, Schlagzeuger von Metallica
AP

Sauer: Lars Ulrich, Schlagzeuger von Metallica

Metallica nahm sie beim Wort: Schlagzeuger Lars Ulrich präsentierte am Mittwoch eine Liste mit Namen von 335.435 Internetnutzern, die illegale Kopien von Metallica-Songs besitzen. Die Band hatte die Onlinefirma NetPD mit der Suche beauftragt und schleppte jetzt die Ausbeute vor die Kameras: 13 Kartons mit Angaben zu Musikpiraten und über 1,4 Millionen Regelverstößen, eine erdrückende Menge an Beweisen.

Die Liste sei nicht gegen ihre Fans gerichtet, erklärte Ulrich. "Wir wollen nicht 335.000 Leute nervös machen" sagte er. "Napster hat uns das Angebot gemacht. Wir geben ihnen die Namen, sie lösen das Problem. Wir machen ein Statement."

Napster teilte mit, die Firma "werde die Namen so bald wie möglich überprüfen". Wenn die Behauptungen sich als wahr herausstellten, werde man den betreffenden Usern den Zugang sperren. Der 19-jährige Gründer von Napster, Shawn Fanning, erklärte: "Ich bin selber ein großer Metallica-Fan und daher sehr traurig, dass sie diesen Weg gewählt haben."

Letzten Monat hatte Metallica auch drei Universitäten, darunter die Elite-Uni Yale, dafür verklagt, dass sie ihre Studenten Napster benutzen lassen. Die Universitäten haben seither die Software vom Campus verbannt, und die Band hat die Klage fallen gelassen.

Metallica sind nicht die einzigen Musiker, denen das MP3-Phänomen zu groß und gefährlich wird. Rapper Dr. Dre hat ebenfalls eine Klage gegen Napster eingereicht. Und der Plattenindustrie war MP3 schon immer ein Dorn im Auge: Im Laufe ihres Kreuzzuges gegen MP3-Seiten hat die Recording Industry Association of America (RIAA) auch Napster wegen Copyrightverletzung im Dezember verklagt. Ein Urteil steht noch aus.

Auf der anderen Seite gibt es auch ausgesprochene MP3-Fans unter Künstlern: Rapper Chuck D. von Public Enemy hat sich wiederholt für MP3 stark gemacht, zuletzt am Wochenende mit einem Kommentar in der New York Times. "Firmen wie Napster schaffen neues Interesse bei den Fans, Musik zu kaufen", schrieb er. Klagen gegen Napster hingegen bewegen Fans höchstens dazu, sich von einer Band abzuwenden.

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