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09.05.2000
 

Douglas Adams in Berlin

Abtritt, Applaus, Ratlosigkeit im Publikum

Von Jörg Meyerhoff

Douglas Adams hat das Web entdeckt - und darin die Möglichkeit, das Grundprinzip seines "Hitchhiker's Guide to the Galaxy" in die virtuelle Realität zu übertragen. Grund genug, für seine Website "h2g2" werbend über Land zu ziehen. Mit Erfolg?

Douglas Adams
Digital Village / Douglas Adams

Douglas Adams

Der Meister gab sich die Ehre, und alle gingen hin. Auf Bierbänken, auf Blumendeckchen auf dem Boden und im Stehen erwarteten die rund 300 Fans von Douglas Adams den Kultautor im Kesselhaus der Berliner Kulturbrauerei.

Freudige Erwartung lag in der muffigen Luft. Bierflaschen kreisten, junge Männer rückten ihre Zöpfe zurecht. Eine Kamera von www.berlin.de übertrug Bilder von einem Stehpult und einem leeren Tisch live ins Internet. Die Lesungen des Mannes, der vor über zwanzig Jahren mit der Science-Fiction-Satire "Per Anhalter durch die Galaxis" einen internationalen Bestseller-Erfolg gelandet hatte, gelten als mindestens so amüsant wie seine Bücher.

Als Adams um 20.15 Uhr schließlich von seinem Tournee-Betreuer angekündigt wird, tost minutenlanger Applaus durch die Backsteinhalle. Ein blauer Lichtvorhang wird eingeschaltet, sonst passiert nichts. Dann ertönt, wie eine Boxer-Hymne, eine Toccata von Bach. Und dann federt er auf die Bühne. Schwarzes Polohemd, Ansteckmikro, Bluejeans, graue Haare, ein dickes silbernes Indianerarmband an einem Handgelenk, am anderen eine goldene Uhr, die er in den nächsten sechzig Minuten immer wieder möglichst unauffällig ablesen wird.

Adams, der sofort beginnt, nervös auf der Bühne auf und ab zu tigern, ist ein Profi des Erzählens. Er spricht ohne Manuskript, erklärt, dass er die Toccata ausgewählt hat, weil mit ihr auch sein Handy klingelt. Er macht sich charmant über die Engländer lustig, die keine Fremdsprachen lernen und ihr Land, wie er selbst "erst dann zum ersten Mal verlassen, wenn es zu spät ist".

Mit einer Anekdote über ein Keksessen rundet er die Einleitung ab. Dann kommt er auf seine Mission zu sprechen: Die Technik entwickelt sich viel zu langsam. Die Möglichkeiten des Computers werden nicht erkannt und ausgeschöpft. Früher habe man in Computern nur Rechenmaschinen gesehen, dann Schreibmaschinen, dann Fernseher, dann Buch- und Broschüren-Ersatz. In Wirklichkeit sei der Computer jedoch "alles, was wir uns vorstellen können".

Im Plauderton eines britischen Fünf-Uhr-Tee-Trinkers beschwört er die Möglichkeiten des Internet. Die Homepage von Amazon sei viel mehr, als ein Ort, um mit Bücher zu handeln: Sie ist ein Ort, an dem sich alle treffen, die sich für Bücher interessieren und die darüber diskutieren wollen. Amazon macht es mit seinen Diskussionsforen richtig. "Sie erlauben, dass etwas passiert." Dagegen sei die Homepage von BMW der Ort, wo man am wenigsten über BMWs erfahren könne, dafür aber am meisten darüber, wie sexy deren Autos bei bestimmten Lichtverhältnissen fotografiert werden könnten. Ergebnis: Öde.

Dann kommt er wieder auf sein eigentliches Anliegen zurück: h2g2.com. Das Kürzel steht für die zwei H und die zwei G aus "The Hitchhiker's Guide to the Galaxy" und soll eine Art interaktiver Reiseführer werden, ein virtuelles Joint Venture, an dem jeder mitschreibt, der den Reiseführer benutzt. Nur dass es nicht um "das Universum, das Leben und den ganzen Rest" geht, sondern um Städte, Länder, Gegenden.

"Technologie ist unser Wort für Dinge, die noch nicht funktionieren", zitiert er ironisch einen Freund und dreht dann noch einmal richtig pathetisch auf: "Die Menschen der Renaissance wussten nicht, dass sie in dieser Epoche lebten. Wir aber wissen, dass wir in einer Zeit des Umbruchs leben." Die beste Art, die Zukunft vorauszusagen, sei, sie zu gestalten.

Zum Beispiel, indem man sich eines Tages ein Wap-Handy kauft und damit über h2g2.com mit anderen Menschen kommuniziert. Jetzt hat er seine Message unters Volk gebracht. Er blickt aufs Handgelenk: 21.15 Uhr, Zeit für den letzten, aufrüttelnden Satz: "Es liegt in unserer Verantwortung."

Abtritt. Applaus. Ratlosigkeit im Publikum.

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