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20.09.2000
 

Sport und Satire

Olympische Websites

Die Sportler rennen, springen, schwimmen, kämpfen und reiten. Der Rest der Weltbevölkerung sitzt derweil am Computer und surft, surft, surft. Denn die Olympischen Spiele finden auch im Netz statt.

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Im weltweiten Web tummeln sich Sportfans wie Olympia-Gegner. Dementsprechend gibt es mehr oder weniger ernsthafte Sportberichterstattung für die einen, für die anderen Satire und Kritik rund um das Ereignis "Sydney 2000". Da das Ganze in Australien stattfindet, sind die Seiten allerdings am besten mit Kenntnis der englischen Sprache zu genießen. Abgesehen natürlich von der stets aktuellen Seite bei SPIEGEL ONLINE.

Olympics.com
Die offizielle Seite der olympischen Spiele in Sydney bietet Unübersichtlichkeit - aber andererseits auch alles, was wichtig ist. So zum Beispiel den Medaillenstand: Wer beim Zählen des vielen Goldes mal durcheinander kommt, kann sich hier korrekte Zahlen holen. Neben den Meldungen, die besonders gerne über die Heimsiege der "Aussies" berichten, gibt es auch Sportlerbiografien: Paddler Thomas Schmidt ist ledig, 1,73 Meter groß und studiert in Augsburg. Tausend Details, darunter auch viel Unwichtiges, bietet diese Seite - in einer Schriftgröße, die sehr gute Augen verlangt. Wer sich weder für Sport noch für Sportler interessiert, kann sich die Original-Olympia-Songs runterladen oder "olympisch shoppen" gehen.

Das Spiel zum Sport
Die komplette Version des "Video Game of the Olympic Games" gibt es nur zu kaufen, zum Runterladen aber immerhin drei Disziplinen - unter dem Titel "CyberGym". Sport ist Mord? Am Computer eigentlich nicht - doch Gewichtheben am Bildschirm ist trotzdem ziemlich öde. Muskeln bekommt Mann davon übrigens nicht.

www.Sydney2000fans.com
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www.Sydney2000fans.com

"Keeping you sane through the Games"
Wir bringen Sie heil durch die Olympischen Spiele! Die Methode: Möglichst keine ernste oder gewöhnliche Zeile an das Weltereignis verschwenden. Zum Thema Trampolinspringen heißt es: "Nur Frauen dürfen an diesem Wettbewerb teilnehmen. Denn Männer sehen beschissen aus, wenn sie durch die Luft fliegen." Andererseits wird der Bürgermeister des Olympischen Dorfes, Graham Richardson, vorgestellt, der "bei seinen Feinden als ‚der Bastard Richo' und bei seinen Freunden als ‚der Bastard Richo' bekannt ist". Kritische und satirische Betrachtungen allerorten. Unter "Wie man mit den Touristen umgehen muss" wird erklärt: "Verirrten Touristen weiterzuhelfen, fördert das internationale Ansehen unseres Landes. Aber es macht viel mehr Spaß, sie in die Irre zu führen."

Unolympics.com
Nicht "Sydney 2000", sondern "Shame 2000" heißt diese "Official Site of Australia's Unolympic Performance in Events that matter". Das Layout ist kopiert vom ernsthaften Pendant, die "Nachrichtenlage" ist mager, aber kritisch. Politiker werden hier gnadenlos auf die Schippe genommen - vor allem der australische Ministerpräsident John Howard, der "am Vorabend der Olympischen Spiele disqualifiziert wurde und das Gymnastik-Team verlassen musste." Howard hätte für seine Begabung, nur rhetorischen Unsinn zu reden, die Goldmedaille verdient, heißt es da. Aber es gab "Bedenken hinsichtlich seiner Schwächen in Bezug auf seine staatsmännische Würde". Dies sei bestätigt worden, als man sah, dass er "nicht in der Lage war, sich zu entschuldigen."

www.unolympics.com
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www.unolympics.com

Die beste deutsche Olympia-Seite
Nachrichten, Medaillenspiegel und Zeitplan werden durch einiges "Drumherum" ergänzt: Ein Fernsehprogramm stellt alle Sendezeiten von Sportsendungen zum Thema Olympia zusammen. Und die Zeit zwischen den Übertragungen lässt sich mit ein paar Online-Spielen vertrödeln.

"100 % Unofficial"
...doch trotzdem findet sich, was der Sportfan braucht. Es lassen sich Rekorde in sämtlichen Sportarten, die Gewinner aller Disziplinen seit den ersten Olympischen Spielen im Jahr 1896 und die olympische Geschichte eines jeden Landes abfragen. Die Elfenbeinküste beispielsweise, so lässt sich recherchieren, gewann im Jahr 1984 ihre erste und bisher einzige Medaille: Gabriel Tiacoh holte damals Silber auf 400 Meter.

Protest!
Die "Anti-Olympics Alliance" protestiert energisch gegen alle olympischen Missstände, die in Sydney in den letzten Wochen und Monaten aufgetaucht sind. Und sie hat sich selbstverständlich auch im Netz formiert. Für alle, die sich weniger für Sport interessieren, ist es zumindest spannend zu beobachten, wie am anderen Ende der Welt Demonstrationen gegen das Ereignis "Sydney 2000" organisiert werden.

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