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02.10.2000
 

Icann-Wahlen

Grandioser Fehlstart

Von Harald Schumann

Die globalen Online-Wahlen von fünf Direktoren der Internet-Selbstverwaltung Icann begannen mit einem grandiosen Fehlstart. Der Wahlrechner der beauftragten Firma election.com wies zahlreiche Wähler mit unverständlichen Fehlermeldungen ab.

"We are sorry, but we are unable to process your request at this time" - diese ärgerliche Nachricht lasen zahlreiche registrierte Mitglieder der Internet-Selbstverwaltung Icann in den vergangenen anderthalb Tagen auf ihren Bildschirmen, nachdem sie versucht hatten, von ihrem Wahlrecht für die Besetzung von fünf der 19 Icann-Direktoren-Posten Gebrauch zu machen. Weil damit vermutlich viele potenzielle Wählerstimmen verloren gehen, gerät der amtierende Icann-Vorstand erneut ins Kreuzfeuer der Kritik. Der Verlauf der ersten beiden Wahltage bezeuge "wieder einmal den furchtbaren Dilettantismus", mit dem der Icann-Stab die Wahlen betreibe, konstatiert die Berliner Politikwissenschaftlerin Jeanette Hofmann, eine der drei deutschen Kandidaten.

Screenshot: Der Wahlversuch wird mit einer Fehlermeldung abgebrochen
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Screenshot: Der Wahlversuch wird mit einer Fehlermeldung abgebrochen

Die seit Monaten vorbereitete und vielfach umstrittene Wahl, angesetzt vom 1. bis zum 10. Oktober, soll den Nutzern des Internet erstmals ein Mitspracherecht bei der Gestaltung der technischen und rechtlichen Architektur des Internet einräumen. Weil es bereits bei der Wählerregistrierung sowie den Vorwahlen für die Bestimmung der Kandidaten zu gravierenden Ungereimtheiten gekommen war, hatte das amtierende Icann-Direktorium erst am 21. September die US-Firma election.com mit der Durchführung der eigentlichen Wahl beauftragt. Diese habe eine "beeindruckende Bilanz" erfolgreicher Projekte sowie "internationale Erfahrung" vorzuweisen, begründete Esther Dyson, die Noch-Vorsitzende des Gremiums, die Auftragsvergabe.

Doch kaum hatte die Icann-Zentrale im kalifornischen Marina de Rey am vergangenen Sonntag per Rundsendung die rund 75.000 Mitglieder an die virtuelle Urne gerufen, stellte sich heraus, dass die Firma die notwendige Software nicht im Griff hat. Mal scheiterten die Möchtegern-Wähler schon beim Einloggen auf die Wahlseite, weil sie - um sicher zu gehen - die komplizierten Zahlen- und Buchstabenfolgen aus Mitgliedsnummer, Passwort und PIN-Code nicht manuell eingaben sondern per "copy-" und "paste-"Funktion. Dann wieder verweigerte der Wahlrechner die Annahme des Votums, weil laut Fehlermeldung trotz erfolgreichen Einloggens die PIN- und Passwort-Kombinationen nicht erkannt wurden. Gleichzeitig war weder die Hotline des Unternehmens besetzt, noch wurden eingehende E-Mails beantwortet.

Mittlerweile seien alle Mailing-Listen rund um die Icann-Wahl voll von Berichten über vergebliche Wahlversuche, berichtet Hofmann und forderte alle Icann-Mitglieder auf, es erneut zu versuchen. Brett Forset, einer der frustrierten Möchtegern-Wähler aus den USA, wollte es dabei aber nicht belassen. Um das Versagen von Icann und election.com zu dokumentieren eröffnete er eigens eine Website, auf der alle fünf Schritte seines Fehlversuchs als Screenshot abrufbar sind.

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