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Fusion GMD/Fraunhofer Red Card für die Grundlagenforschung?

Die umstrittene Forschungsfusion zwischen der GMD und der Fraunhofer Gesellschaft schlägt weiter Wellen: Während die Moderatoren auf einer Pressekonferenz eine "feindliche Übernahme" durch die Fraunhofer Gesellschaft bestritten, kochten unter GMD-Professoren die Emotionen hoch.

Wissenschaftler und Politik - ein enges Verhältnis hatten sie hierzulande noch nie. Pointierte Meinungen geben Wissenschaftler zwar gerne im kleinen Kreis ab, vor der Öffentlichkeit ist jedoch die Scheu vor deutlichen Worten groß. Bei GMD-Wissenschaftlern ist jedoch der Leidensdruck mittlerweise so groß, dass sie weit über ihren eigenen Schatten springen: Sie verteilten gestern vor den Türen der Bonner Wissenschafts-Pressekonferenz Pamphlete und stellten sich mit ihrem Bus unübersehbar vor den Eingang des Wissenschaftszentrums.

Nachdem Teile des Moderatorenkonzepts bereits aufgrund einer Veröffentlichung von SPIEGEL ONLINE bekannt wurden, ging das Forschungsministerium mit der Pressekonferenz in die Offensive. Die Moderatoren der GMD-Fraunhofer-Fusion, Tom Sommerlatte und Arnold Picot, sollten der Öffentlichkeit nun selbst ihren 350.000 Mark teuren Vorschlag vorstellen. Bemerkenswert dabei ist, dass das 80-seitige Moderatorenkonzept laut Sommerlatte "schon immer öffentlich" war - obwohl die Verträge GMD und FhG zu Vertraulichkeit verpflichtet hatten. Es kann nun jederzeit vom Ministerium angefordert werden.

Als "Affront" bezeichnete GMD-Professor Martin Reiser, dass die von GMD und Fraunhofer bezahlten Moderatoren auf Geheiß des Ministeriums anreisten. Aufgrund eines Terminkonfliktes musste deshalb sogar die für den selben Tag anberaumte Betriebsratsversammlung der GMD in Berlin abgesagt werden.

Doch nicht nur die Veranstaltung als solche war außergewöhnlich, sondern auch die dort vertretenen Positionen. Die Moderatoren seien, so Sommerlatte, von einer Beschäftigungszusage für alle Mitarbeiter ausgegangen. Dass ein Konzept für die mehreren hundert GMD-Verwaltungsmitarbeiter fehle, sei "ein Mißverständnis". Generell führte Sommerlatte die Vorbehalte der GMD-Mitarbeiter auf "nebulöse Ängste" zurück. Arnold Picot räumte pauschal Versäumnisse in der Kommunikation ein.

Wie intensiv die Kommunikation zwischen Institutsleitern und Moderatoren gewesen sein muss, zeigt folgendes Beispiel: Gegenüber SPIEGEL ONLINE wies der Leiter des Instituts für "Biomolekulare Informationsverarbeitung" (BioMIP) John McCascill darauf hin, dass sein Institut nicht wie im Moderatorenkonzept angegeben 0,4 Prozent, sondern 100 Prozent Drittmittel über ein BASF-Projekt erwirtschafte. Die Moderatoren hätten die Zahl des Vorjahres verwendet, eine Korrektur sei nicht möglich gewesen.

Sommerlatte vertrat die Auffassung, die GMD betreibe "zu viel Grundlagenforschung". Mit Hilfe eines Portfolioansatzes könne man gezielt über Zielvereinbarungen das Verhältnis von Drittmitteln und Grundfinanzierung in einzelnen Bereichen steuern. So sei im Bereich der Bio-Informatik die Grundforschung dominierend, im Bereich Internet und E-Commerce aber eher die Auftragsforschung.

Für Martin Reiser, der das IBM-Forschungslabor in Rüschlikon leitete, ist das eine "Frechheit". Er vertritt die Auffassung, dass die Grundlagenforschung frei sein, die Vorlaufforschung aber geplant werden müsse. Reiser gegenüber SPIEGEL ONLINE: "Damit haben wir zwei Nobelpreise gewonnen". Das geplante Finanzengineering genüge jedoch allein den Wünschen der Fraunhofer-Gesellschaft. Es führe in seinem Institut dazu, dass "sämtliche Ressourcen fremdbestimmt seien". Reiser: "Ein Rastertunnelmikroskop wäre von den Beamten nie genehmigt worden."

Der Auflösungsbeschluss, so Thomas Christaller, Sprecher der GMD-Institutsleiter, steht schon in wenigen Tagen an: Am 3. November soll im Aufsichtsrat über die Ablösung des Geschäftsführers abgestimmt werden. Laut Sommerlatte ist dies aber nicht gleichbedeutend mit der Auflösung der GMD - dazu seien zahlreiche Schritte notwendig. So sei es noch unklar, ob GmbH-Anteile der GMD an die Fraunhofer-Gesellschaft verkauft würden oder ob die GMD einzelne Institute an Fraunhofer verkaufen werde. Das Ergebnis ist jedoch das selbe: Mit dem Beschluss wird die GMD zur Abwicklungsgesellschaft. Die auf dem GMD-Pamphlet vorgebrachten Einwände bezeichnete Sommerlatte übrigens allesamt als "völlig falsch".

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