"...and the winner is", schallt es bei Preisverleihungen normalerweise freudig durch den Saal. Bei den Big-Brother-Awards zieht dagegen so mancher den Kopf ein: Wer hier gewinnt, hat verloren. Wir stellen die Verlierer dieses Jahres vor.
[M] DPA
Wir werden alle überwacht: Die Big-Brother-Awards haben sich vorgenommen, allzu eifrige Schnüffler und Sammler zu outen
Um 16 Uhr begann am Freitag in Bielefeld die Verleihung der diesjährigen Big-Brother-Awards, denen so mancher entgegen gefiebert haben dürfte: Die einen, weil sie den Preis, der seine Träger brandmarkt, statt sie auszuzeichnen, zunehmend für ein so publikumswirksames wie wichtiges Mittel halten, die "Daten-Kraken" im Lande outen; Die anderen, weil sie vielleicht mit eingezogenem Kopf hofften, nicht "erwischt" zu werden.
Acht Unternehmen, Institutionen, Personen hat es auch in diesem Jahr wieder erwischt, und ausführlich begründen die Mitglieder der Jury, warum sie die so Exponierten für preiswürdig halten. Wer mehr wissen will, als den Kurzbegründungen zu entnehmen ist, findet per Klick zu Auszügen aus der "Laudatio": Die Jury-Urteile sind durch detaillierte Recherchen begründet. Die vollständigen Texte werden nach Ende der Veranstaltung in Bielefeld auf der Website der Big-Brother-Awards veröffentlicht.
Die diesjährigen Preisträger im Einzelnen:
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Microsoft AG (Kategorie: Lifetime-Award)
Die Auszeichnung erfolge wegen der Summierung von Privacy-Problemen. Registrierungspflichten, Passport, XP-Service-Pack 1, Palladium, .net mit Schwerpunkt wegen der Realisierung von DRM (Digital Rights Management) durch die Hintertür (Windows Media Player).
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Bayer Aktiengesellschaft (Kategorie: Arbeitswelt)
Den BigBrotherAward erhält das Unternehmen für die "demütigende Praxis, Auszubildende vor der Einstellung einem so genannten Drogentest zu unterziehen".
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NRW-Minister Behrens (Kategorie: Regionalpreis)
Behrend erhält den BigBrotherAward für den Versuch, eine Änderung des Polizeigesetzes durchzusetzen, um Videoüberwachung an öffentlichen Plätzen durchführen zu dürfen. Der Pilotversuch in Bielefeld wird als Erfolg verkauft - obgleich es weder durch die Zahlen der Polizei, noch durch eine objektive Betrachtung aller Rahmenbedingungen dieses Pilotprojekts zu begründen ist. Laut den Zahlen der Polizei war ein Anstieg der Straftaten mit erheblicher Bedeutung um 50 Prozent seit Montage der Videoüberwachung festzustellen.
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Deutsche Post AG (Kategorie: Verbraucherschutz)
Die Preisvergabe erfolgt wegen des datenschutzwidrigen Umgangs mit Daten aus den Post-Nachsendeanträgen (erzwungenes Doppeltes Opt-Out).
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Hessischer Innenminister Volker Bouffier (Kategorie: Politik)
Der BigBrotherAward wird Bouffier zuerkannt, weil er im Land Hessen die vom Gericht verbotene Rasterfahndung per Gesetzesnovellierung quasi durch die Hintertür wieder eingeführt habe.
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Deutscher Bundesrat (Kategorie: Kommunikation)
Der BigBrotherAward wird an den Bundesrat verliehen für den Beschluss, Telekommunikations(dienste)anbieter zu verpflichten, die Verbindungsdaten von Nutzenden für eine nicht festgelegte Dauer für Zwecke von Polizei und Geheimdienste auf Vorrat zu speichern.
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Toll Collect GmbH (Kategorie: Technik)
Die Toll Collect erhält den BigBrotherAward, da mit der satellitengestützen Erhebung und zentralen Verarbeitung der Bewegungsdaten von Kraftfahrzeugen eine neue Dimension der Beobachtung von Verkehrsteilnehmern möglich werde. Die Zusicherung der Betreiber, dem Datenschutz zu genügen, erschien der Jury bei der Größenordnung der Erfassung und den Möglichkeiten der Auswertung nicht angemessen.
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Bundeskriminalamt, BKA (Kategorie: Behörden + Verwaltung)
Der Preis wird verliehen wegen der Einführung der drei Präventivdateien LIMO (Gewalttäter Links) REMO (Gewalttäter Rechts) und AUMO (politisch motivierte Ausländerkriminalität).