28. Januar 2003, 16:25 Uhr

FBI-Modernisierung

Ende der Steinzeit nicht in Sicht

Nach den Fahndungspannen im Vorfeld des 11. September 2001 wollte die amerikanische Regierung die oberste US-Polizeibehörde mit modernster Technik ausstatten. Doch trotz kräftiger Geldspritzen gelingt es dem FBI nicht, Hardware und Software fit für das 21. Jahrhundert zu machen. Langsam wird der Kongress unwirsch.

Das FBI sammelt fleißig Daten, findet aber die Bedienungsanleitungen für seine veralteten Datenbanken nicht mehr

Das FBI sammelt fleißig Daten, findet aber die Bedienungsanleitungen für seine veralteten Datenbanken nicht mehr

"Es scheint, als müsste das FBI weiter mit Bauklötzen spielen, während alle anderen schon eine Playstation haben", schimpft Charles E. Grassley, Republikaner im Justizausschuss des Senats. Anlass für seinen Ausbruch ist der Bericht des Justizministeriums über den (Nicht-) Fortschritt bei Trilogy, dem Modernisierungsprogramm für die Bundespolizei.

Das Projekt liegt nach dem Bericht der internen Kostenprüfer deutlich hinter seinem Zeitplan und wird weit teuerer als geplant. Anstatt letzten Sommer wird die Hardware frühestens im März einsatzbereit sein. Die Vernetzung der fünf alten Datenbanken, die FBI-Agenten in der Strafverfolgung nutzen, zu einem einheitlichen Ermittlungstool wird mindestens bis 2004 dauern. Gerade fehlender Datenabgleich verursacht immer wieder FBI-Pannen.

458 Millionen Dollar wurden für Trilogy bereitgestellt. Extra Gelder waren nach dem 11. September locker gemacht worden, um den seit 2000 geplanten Aufbau zu beschleunigen. Das Justizministerium wirft der Behörde jetzt Verschwendung der Gelder vor. Die "Los Angeles Times" berichtet, dass die Ausgaben um 30 Prozent steigen werden. Grund dafür sei das unprofessionelle Managment des Projekts. Es fehle eine klare Koordination der Bedürfnisprüfung und der Neuanschaffungen.

Auch heute noch keinen Internet-Anschluss

Dem FBI ist es mittlerweile gelungen, neue Rechner zu kaufen. Als das Projekt vor drei Jahren angestoßen wurde, war die Hälfte der Computer im Haus älter als acht Jahre. Zum Problem wurde dann aber schon die Vernetzung der Rechner, die vollständig erneuert werden musste. Für das alte System gab es nicht mal mehr Ersatzteile.

Wegen der Schwierigkeiten mit der Vernetzung gibt es weiterhin FBI-Mitarbeiter, die weder auf E-Mail noch Internet Zugriff haben. Von den Datenbanken mit ermittlungsrelevanten Informationen ganz zu schweigen. Von den fünf alten Datensammlungen sind den polizeilichen Recherche-Profis die ursprünglichen Bedienungsanleitungen verloren gegangen, so dass die Neuordnung der Dateien zur Herkules-Aufgabe wird.

Der demokratische Senator Charles Schumer will die Trilogy-Pannen nicht akzeptieren. "Ich kann es nicht glauben, dass wir für die Sicherheit unserer Nation Trilogy nicht schneller abschließen können", sagt Schumer. Der Stand der Technik sei aus der Dinosaurier-Ära, daher sei die Modernisierung nicht auf Morgen zu verschieben: "Wir brauchen sie heute, eigentlich brauchten wir sie schon gestern."

Offen Datenbestände gefährden Informanten

Für Zurückhaltung bei der Fusion der Datenbestände wirbt der Republikaner Jeff Sessions: "Es gibt Menschen, die morgen tot wären, wenn Ermittlungsdaten zu offen zugänglich sind." Auch der verhaftete russische Maulwurf im FBI, Robert Hanssen, habe sich zu freizügig in den Behörden-Informationen bedienen können. Daher warnt Sessions davor, den Mitarbeitern zu weit gehende Zugriffsrechte einzuräumen.

Donnerstag letzter Woche hat der Kongress klar gestellt, dass er dem FBI nicht viel neues Geld für Technologie bereitstellen will. Der Senat hat 100 Millionen Dollar, die das FBI für High Tech-Projekte erwartet hatte, gestrichen. "Trilogy wurde zu einem Desaster", kommentierte der republikanische Senator Judd Gregg, "Der Zeitplan ist außer Kontrolle".

David Heimburger


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