Der berühmte Brolsma: Per Privat-Video zur Prominenz
Die Meinung darüber, wie gut diese Performance nun wirklich ist, gehen weit auseinander: Wenn Gary Brolsma, 19, Kopfhörer auf den Ohren und voll konzentriert, für Kamera, Web und Welt seinen Numa-Numa-Tanz aufführt, wackelt zumindest der Bildschirm - und zumeist auch das Zwerchfell. Das seltsame Filmchen, eine Art Home-made-Videoclip zum moldawischen Stampf-Hit "Dragostea Din Tei", verursacht hysterische Kicheranfälle und seltsame Reflexe.
Denn zumeist erfährt man per E-Mail von einer der zahlreichen Adressen, über die man das Filmchen abrufen kann, und verspürt sofort den unbändigen Drang, diese Perle des Web-Trashes sofort weiterzugeben. Mit viröser Geschwindigkeit verbreitete sich so Brolsmas Ruhm, der ihm selbst unerträglich peinlich ist, vielmillionenmal um den Globus.
Denn, man ahnt das schon beim ersten Ansehen, dieser kurze Film ist eine dieser im späteren Leben gern und lang bedauerten Untaten, auf die man verfällt, wenn hormonelle Gewitter für temporäre Enthirnung sorgen. Kurzum: eine pubertäre Schnapsidee.
Von denen hat es schon so einige gegeben, seit das Internet unsere medialen Möglichkeiten erweitert. Das wirklich Neue am ewigen "neuen Medium" scheint genau das zu sein: Die Möglichkeit, mit einer knackigen, originellen, lustigen oder einfach nur aberwitzigen Idee binnen weniger Tage zu einer Web-Berühmtheit zu werden, die dann schnell von den "Altmedien" adoptiert wird.
Beispiele für solche Karrieren waren "Star Wars Kid", der sich selbst Lichtschwert-schwingend als übergewichtigster und unbeholfenster Jedi-Ritter aller Zeiten verewigte oder der "Tourist-Guy", der sich den kranken Scherz erlaubte, ein manipuliertes Urlaubsbild zu verbreiten, das ihn auf dem WTC stehend zeigt, während eins der von Terroristen gekidnappten Flugzeuge gerade heranfliegt.
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Schnell, allzu schnell wird man also berühmt im und über das WWW.
Auch Brolsma fiel das schon auf, als kurz nach Veröffentlichung des Videos die amerikanischen Medien bei ihm Schlange standen. Nachdem die Webseite Newgrounds.com über Brolsmas Clip, den er über seine private Homepage veröffentlicht hatte, berichtete, trabten wie üblich die TV-Sender, immer auf der Suche nach "starken Bildern", hinterher. MTV und CNN schickten den Clip über den Äther - und alle Dämme brachen. Heute hat sich Gary Brolsma vollständig eingeigelt, beantwortet keine Fragen mehr, gibt keine Interviews, will nicht in Zeitung, Radio, Fernsehen. Will nicht berühmt sein. Will nicht mehr, dass man über ihn lacht.
Selbst seriöse Blätter wie die "New York Times" lauerten dem Großvater des Jungen beim Müllraustragen auf, um wenigstens Statements aus zweiter Hand zu bekommen. "Keine Ahnung, was mit dem los ist", ließ sich der Opa vernehmen und meinte damit, dass die Familie gar nicht so einverstanden ist, dass Gary seine offensichtlich einmalige Chance, berühmt - und reich? - zu werden, nicht beim Schopfe packt. Schüchtern ist er, schämt sich sehr. Teutonische Sitztänzer, da sind wir uns sicher, wären da weniger verklemmt.
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Schicken Sie uns Ihre kurzen Sitz-Dance-Videos als Flash, Mpg, Avi, Real-Datei oder Link auf eine bestehende (eigene) Seite. Aus den bis zum Montag, dem 7. März, eingehenden Einsendungen wählen wir die Perlen aus und stellen sie bei SPIEGEL ONLINE vor. Wäre doch gelacht, wenn wir so keine Web-Geschichte schrieben. E-Mail an netzwelt@spiegel.de genügt, Kennwort nicht vergessen: "Besser als Brolsma".
P.S.: Schicken Sie bitte nur eigene Produktionen ein! Eine Veröffentlichung einer Fremdproduktion unter ihrem Namen wäre eine Urheberrechtsverletzung, die vom eigentlichen Produzenten mit einer entsprechenden Klage beantwortet werden könnte.
Frank Patalong
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