Launch-Party: Frierendes Szenevolk
Vor dem Berliner Hotel Adlon stehen Polizisten im Kampfanzug und frieren. Sie halten ebenfalls frierende Fußgänger auf - der russische Verteidigungsminister ist zu Gast und steigt gerade in seinen Wagen. "Ach deshalb stehen da hinten diese alten Chaika-Limousinen", folgert ein Passant - und irrt. Die schweren Sowjet-Wagen aus den Fünfzigern hat der japanische Videospiel-Hersteller Konami angemietet, als VIP-Vehikel. Denn im Hotel Adlon soll ein Produkt vorgestellt werden, von dem man sich in Europa gewaltigen Umsatz erhofft: "Metal Gear Solid 3 - Snake Eater", kurz MGS 3.
"Das Spiel ist in der Zeit des kalten Krieges angesiedelt", wird bei der Pressekonferenz unter Kristalllüstern erklärt. Deshalb also die ehemals geteilte Stadt Berlin, deshalb die russischen Limousinen - und deshalb ein "Launch-Event" in der aufgelassenen amerikanischen Abhörstation auf dem Berliner Teufelsberg. Von dort aus wurde einst mit riesigen Antennen bis zum Ural gehorcht.
Hotel Adlon: Limousinen aus Russland
Gamedesign mit Insektenspray im Rucksack
Pressekonferenz mit Spiel-Held: "Snake" unter Kristalllüstern
Dann kommt der große Knall, oder besser gesagt, er kommt nicht. Nachdem Kojima drei bis vier mal betont hat, "Snake Eater" sei der dritte und damit letzte Teil einer Trilogie, wird eine Folie mit einer riesigen Vier auf die Leinwand geworfen - aber die versammelten Journalisten, Fans und Mitarbeiter bleiben stumm.
Shuttle-Service: Busse ohne Winterreifen
Abends werden Journalisten und Mitarbeiter dann mit Bussen zu dem aus Kriegsschutt aufgetürmten Teufelsberg gefahren - und müssen erst mal unten warten, denn es liegt Schnee in Berlin, und die Busse schaffen die Steigung nicht. Schließlich findet sich ein kleineres Fahrzeug, die inzwischen reichlich ungeduldig gewordenen Gäste - einige haben sich schon zu Fuß auf den Weg gemacht - werden nach und nach zum Horchposten hinaufgefahren. Dort bietet sich ein gruseliges Bild: Grafittibedeckte Betonmauern, Tarnnetze, riesige, kugelförmige Antennengehäuse, die so genannten Radome, schimmern in bläulichem Scheinwerferlicht.
Gogo-Girls und maskierte Hünen im Kampfanzug
Event-Statist: Hünen mit Plastikwaffen
Das Szenevolk drängt sich ums glücklicherweise warme asiatische Buffet, hält Cocktailgläser in klammen Fingern - und friert. Die paar aufgestellten Heizlüfter haben keine Chance gegen die Kälte, die das riesige Gebäude fest im Griff hat. So bleiben die "Game Lounge" und die von zwei DJs beschallte Tanzfläche in einem der eisigen Radome weitgehend leer. Die Gäste drängen sich um die Heizlüfter und aneinander. Hauptgesprächsthemen sind die Temperatur und die Frage, was das alles wohl gekostet hat. Auch zwei Kampfkunst-Demonstrationen und eine einsame Gogo-Tänzerin können da nichts ausrichten. Nur der Alkohol hilft ein bisschen.
Tanzfläche in Abhörstation: Eisige Radome
© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH