Firefox-Werbung: "Nur" im Web
Wer in diesen Tagen einen Blick auf die Marktanteile bei Internetbrowsern wirft, der sieht auf den ersten Blick, dass Firefox schon längst dem einstigen Underdog-Status entwachsen ist. Mittlerweile - so sagte es auch Chefentwickler Blake Ross vor einigen Wochen im SPIEGEL-ONLINE-Interview - spielt der alternative Browser "in der ganz großen Liga mit".
Ende vergangener Woche wurde zum Beispiel bekannt, dass IBM in Zukunft auf Firefox setzen will. Die Firma hat ihre Angestellten ermutigt, dem Internet Explorer von Microsoft den Rücken zu kehren und stattdessen den als sicherer und schneller geltenden Alternativ-Browser von den firmeninternen Servern herunter zu laden. Damit hat Firefox genau dort einen Achtungserfolg erzielt, wo das Programm bis jetzt kaum einen Fuß auf den Boden bekommen hatte: bei Geschäftskunden.
Muss es nach insgesamt rund 55 Millionen Downloads des Programms und langsam steigender Akzeptanz in der Business-Welt also heißen: Willkommen im Establishment, Firefox? Nicht ganz.
Allein die Werbeaktionen für den von zahlreichen Enthusiasten entwickelten Browser sind noch immer weit entfernt vom Durchschnitt der Softwarebranche. Nachdem im vergangenen Jahr von Unterstützern finanzierte großformatige Werbeanzeigen in der "New York Times" und der "FAZ" für Furore gesorgt hatten, machen zurzeit drei Werbefilmchen für den Firefox im Netz die Runde.
Das Rezept: Nur humorige Clips werden freiwillig herunter geladen
Die Kurzfilme zeigen einen Mann, der schreiend sein Büro verwüstet, eine Frau, die aus Versehen ihr Telefon aufisst, und einen Slacker, der plötzlich kopflos wird.
Die Idee zu den vergnüglichen und leicht absurden Spots hatte Tristan Nitot, 38, der Präsident von Mozilla Europe. "Das ist ein großartiger und kostengünstiger Weg, um Firefox zu promoten", sagt Nitot im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Wir wollten Videos, die Menschen auch dann verstehen können, wenn sie nicht besonders gut Englisch sprechen." Deswegen habe man zum Beispiel auf schwierige Dialoge verzichtet.
Das auf die wortlose Pointe reduzierte Konzept scheint aufzugehen: Weit mehr als eine Million Downloads der Filme hat Mozilla Europe bislang registriert. Genaues Nachzählen ist schwierig, da es neben der offiziellen Seite von "Funnyfox" noch zahlreiche andere Server gibt, auf denen das Video zu haben ist.
Kopfloser Slacker: Eine Million Downloads in wenigen Wochen
Wie viel die Spots genau gekostet haben, will Tristan Nitot nicht sagen: "Alles, was ich sagen kann, ist, dass die Kosten wegen der verwendeten Herstellungstechnik nur einen verschwindender Bruchteil von dem betragen, was eine reguläre Fernsehwerbung kosten würde."
Im regulären Fernsehen werden die Firefox-Filmchen wohl auch nie zu sehen sein. Seine Organisation, sagt Tristan Nitot, habe "wahrscheinlich noch nicht einmal das Budget für die erste Sekunde der TV-Übertragung".
Braucht sie ja auch nicht: Im Fernsehen zappen Millionen weg, im Web "zappen" sie freiwillig hin zur Werbung.
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