Steven Spielberg: "Bei Level 17 geweint"
Die drei Titel werden bei Electronic Arts (EA) erscheinen. Die exklusive Vereinbarung zwischen Regisseur und Publisher erstrecke sich über mehrere Jahre. EA-Vizepräsident Neil Young sagte, Spielberg und die Entwickler von EA wollten Titel schaffen, die die technologischen Möglichkeiten kommender Spielkonsolen ausnutzten. Von einer neuen Art von Spiel und Unterhaltung war die Rede. "Welche Person könnte das besser anpacken als Steven Spielberg?", fragte Young rethorisch.
EA wird die Rechte an den Spielen halten, Spielberg bekommt dafür das Vorkaufsrecht für Umsetzungen der Game-Geschichten als Film oder Fernsehserie. Er soll Seite an Seite mit den Entwicklern arbeiten und auch ein Büro im EA-Entwicklungsstudio bekommen. Worum es in den Spielberg-Spielen gehen wird, wurde nicht mitgeteilt. Es werde einige Jahre dauern, bevor das erste der drei interaktiven Werke des Regisseurs tatsächlich auf den Markt kommen werde.
"Emotionaler Durchbruch"
Spielberg gilt als Videospielfan. Seine Firma Dreamworks stellte eine Zeit lang Videospiele her - bis EA Dreamworks Interactive im Jahr 2000 aufkaufte. Bei einer Diskussion zum Thema mit seinem Kollegen Robert Zemeckis ("Zurück in die Zukunft") philosophierte der Regisseur von "Schindlers Liste", "Minority Report" und "Der Soldat James Ryan" schon im vergangenen Jahr über das Zusammenwachsen von Spiel und Film. Bislang lieferten Spiele "die gesamte Geschichte im Vorlauf zum eigentlichen Spielen", sagte er damals. "Sie sehen einen Film, und Sie sollen sich merken, was die Figuren antreibt." Das müsse sich ändern. Was Spielberg da forderte, versuchen allerdings inzwischen eine ganze Reihe von Videospielen - zuletzt das von vielen gelobte Fahrenheit.
Der "nächste emotionale Durchbruch" werde sein, sagte der Regisseur damals, wenn Spiele "eine Geschichte erzählen, die durchgehend konsistent ist. Wenn das Spiel 15 Level hat, muss das sein wie die 15 Kapitel einer Geschichte", so Spielberg bei der Veranstaltung, die an der University of Southern California stattfand. Er hoffe, dass Menschen eines Tages "eingestehen, dass sie bei Level 17 geweint haben".
Die Entscheidung des Regisseurs, sich im Game-Geschäft zu engagieren, kommt in einer Phase, in der das Zusammenwachsen von Hollywood und Spieleindustrie mit großen Schritten voranschreitet. Microsoft etwa teilte erst kürzlich mit, dass "Herr der Ringe"-Regisseur Peter Jackson die Verfilmung der Spieleserie "Halo" produzieren werde. Das Drehbuch hatte Microsoft von "The Beach"-Autor Alex Garland schreiben lassen.
© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH