21. November 2007, 16:33 Uhr

Netzwelt-Ticker

Yahoo spielt Sony-Musik

Von Richard Meusers

Musikriese Sony BMG schließt einen Vertrag mit dem Internet-Konzern Yahoo. Nun dürfen Yahoo-Kunden sorglos mit Sony-Musik im Netz herumspielen. Außerden im Nachrichten-Überblick: Facebook hat Probleme mit dem Datenschutz, die EU verteilt mal wieder Knöllchen.

Der Suchmaschinenbetreiber aus dem kalifornischen Sunnyvale fasst endlich Fuß im Geschäft mit großen Musiklabels: Yahoo verkündet stolz die Zusammenarbeit mit Sony BMG Music Entertainment. Das Plattenlabel hat unter anderem Britney Spears, Bruce Springsteen und Slayer unter Vertrag. Nutzer von Yahoo-Diensten dürfen nun bedenkenlos Videoclips und Songs mit Material von Song-BMG-Künstlern bei Yahoos Mitmach-Diensten hochladen und eigene Filmchen und Klangschnipsel aus dem Sony-Archiv verschönern.

Sängerin Amy Lee: Die Musikerin trat in Los Angeles bei einem Exklusiv-Konzert für Yahoos Musikportal auf
AP

Sängerin Amy Lee: Die Musikerin trat in Los Angeles bei einem Exklusiv-Konzert für Yahoos Musikportal auf

Über finanzielle Details schweigen sich die Beteiligten aus. Es ist nur bekannt, dass Sony an Yahoos Werbeeinnahmen beteiligt werden soll - in welcher Höhe, ist unklar. Einen vergleichbaren Vertrag hat Sony BMG bereits mit Google - und der Google-Tochter YouTube geschlossen.

Außerdem sollen auch Musikvideos aus dem Sony-Angebot über Yahoo bzw. den Yahoo-Player vermarktet werden. Damit keine urheberrechtsgeschützten Inhalte auf den Yahoo-Seiten auftauchen, arbeiten Techniker derzeit an einer Identifikations- und Filtertechnologie, die ab Anfang nächsten Jahres eingesetzt werden soll.

"Zapp" und "Extra 3" frei Haus

Ab heute wagt sich der NDR in die große, weite On-Demand-Welt und stellt Beiträge des Magazins "Zapp" und der Satiresendung "Extra 3" im Internet zum Herunterladen bereit. Das Material wird dabei unter der Creative-Commons-Lizenz (CC) zur privaten Nutzung veröffentlicht, der strengsten CC-Lizenzversion. Wer einen der Clips auf seiner Webseite einbaut oder in seinem Blog zeigt, muss den NDR als Quelle nennen, darf nichts verändern oder gar kommerziell nutzen.

Dabei sind die Senderverantwortlichen noch unsicher, wie sich das Projekt entwickeln wird und wie weit die Ansprache neuer Zielgruppen gelingt. Die heftig umworbene Zielgruppe unter 40 Jahren hat man in Hamburg allerdings fest im Blick, wie Intendant Jobst Plog klarmacht: "Weil wir über das Internet speziell junge Zielgruppen erreichen, ist der Einsatz von Creative-Commons-Lizenzen für uns besonders interessant. Auf diese Weise tragen wir veränderten Nutzungsgewohnheiten Rechnung." Und auch das Gratisangebot sei kein Problem, denn die Sendungen "haben unsere Zuschauer über die Rundfunkgebühr bereits bezahlt".

Facebooks Probleme mit dem Datenschutz

Der britische Datenschutzbeauftragte wird gegen die Internetplattform Facebook eine Untersuchung wegen des möglicherweise fragwürdigen Umgangs mit den Daten gelöschter Nutzer-Accounts durchführen. Der Grund: Der Brite Alan Burlison hatte versucht, seinen Facebook-Account zu deaktivieren, scheiterte aber daran, die in den Tiefen der Server verborgenen persönlichen Informationen über sich selbst zu löschen.

Üblicherweise kann ein Nutzer sein Profil zwar deaktivieren, die dahinterliegenden Daten bleiben aber erhalten, was möglicherweise einen Verstoß gegen das Datenschutzgesetz bedeutet. Das schreibt nämlich vor, Daten nur für den Zeitraum aufzubewahren, in dem sie auch tatsächlich benötigt werden. Im englischen Fernsehen, auf Channel 4 meinte ein Sprecher des Datenschutzbeauftragten: "Viele Leute laden persönliche Daten auf soziale Netzwerke hoch, ohne über die elektronischen Spuren nachzudenken, die sie dabei hinterlassen. Es ist wichtig, dass der Einzelne sich dessen bewusst ist, wenn er Informationen online stellt. Es ist allerdings genauso wichtig, dass die Webseiten Verantwortung an den Tag legen und sicherstellen, dass persönliche Daten nicht länger als nötig aufbewahrt werden. Ganz besonders, wenn es Daten von jemandem sind, der die Seite nicht mehr nutzt."

75 Millionen Knöllchen nach Japan

Jahrelang haben Fernsehstationen und TV-Produzenten für Videobänder überhöhte Preise bezahlt, die zuvor von den japanischen Herstellern Sony, Fuji und Maxell in geheimen Absprachen festgelegt worden waren. Dieser Kartellrechtsverstoß kommt die Unternehmen nun teuer zu stehen: Die EU-Kommission verteilte an die Sünder saftige Knöllchen, das dickste mit 47,2 Millionen Euro an Sony, Maxell kommt mit 14,4 Millionen Euro und Fuji mit 13,2 Millionen Euro vergleichsweise glimpflich davon.

Für Sony wurde die Angelegenheit auch deshalb wesentlich teurer, weil sich das Unternehmen im Unterschied zu den beiden anderen weigerte, mit den EU-Ermittlern zu kooperieren und sogar belastendes Material vernichtet hatte. Die Preisabsprachen, die sich auf den Zeitraum 1999 bis 2002 erstrecken, richteten deshalb so großen Schaden an, weil die Beteiligten damals 85 Prozent des Marktes für Profivideobänder beherrschten.

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