Von Konrad Lischka
Frankreich hat es vorgemacht: Wenn dort ein Internet-Provider zum dritten Mal einen Kunden beim Tauschen von Raubkopien im Web erwischt, wird der Übeltäter vom Netz abgeklemmt. So sieht es das Gesetz vor, das Präsident Nicolas Sarkozy für dieses Jahr angekündigt hat.
Abschreckung: Die Filmbranche fährt diese Angstkampagne
Ihr Weltverband IFPI stellt seinen aktuellen Jahresbericht 2008 ( PDF) unter dieses Motto: "2007 wurde die Provider-Verantwortlichkeit akzeptabel, 2008 muss sie Realität werden." Daran arbeiten die Anwälte und Lobbyisten der Musikindustrie gerade weltweit.
Aktuelle Beispiele der Kampagne für eine Kontrollpflicht der Provider:
Die japanischen Provider nehmen sich in ihrer Selbstverpflichtung den französischen Kontrollpakt zum Vorbild. Laut der Tageszeitung Yomiuri Shimbun haben die Provider ein entsprechendes Abkommen mit Rechteinhabern unterzeichnet. Der Mechanismus ist identisch: Eine gemeinsame Organisation von Rechteinhaber und Providern soll die IP-Adressen der in Tauschbörsen beim Upload von Raubkopien beobachten Nutzer an die jeweiligen Provider weiterleiten.
Die Provider ordnen den IP-Adressen Kunden zu und verschicken erst einmal eine Warn-E-Mail. Wer noch einmal beim Raubkopie-Tausch beobachtet wird, dem soll für eine kurze Zeit der Internetzugang gekappt werden. Wer dann noch weitertauscht, dem soll sein Provider den Vertrag kündigen.
Deutsche Provider wettern gegen Musikindustrie
In Deutschland gibt es noch keine konkreten Prozesse und Gesetzesvorschläge der Musikindustrie. Die droht den Providern nur vage. Dieter Gorny, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Musikindustrie, kommentiert: "Während die Internetprovider von der Musik- und Filmindustrie profitierten, entziehen sie sich beim Kampf gegen die Internetpiraterie aber der Verantwortung."
Darauf reagiert der eco-Verband, der auch Provider vertritt, scharf. Vorstand Oliver Süme sagte SPIEGEL ONLINE: " Provider sind keine Internetkontrolleure. Sie können und sie dürfen nicht entscheiden, wem welche Daten vorenthalten werden."
Vor allem ist die Filtertechnik bei weitem nicht perfekt. Von Tauschbörsen benutzte Ports zu sperren, dürfte nicht praktikabel sein. Denn zunehmend nutzen auch eindeutig legale Anbieter Dienste wie Bittorrent zur schnellen, günstigen Verbreitung von Dateien. Auch die Blockade einzelner Internetseiten - etwa der Verzeichnisse illegaler wie legaler Tauschbörseninhalte in Katalogen wie Piratebay - ist technisch anspruchsvoll (siehe Kasten unten).
Angesichts dieser technischen Herausforderungen ist der französische Weg aus Sicht der Rechteinhaber der wohl gangbarste: Statt per Software mühsam vorab zu filtern, überwacht man, wer was in Tauschbörsen tut und versucht dann anhand der IP-Adressen gegen die Personen vorzugehen. Nach diesem Prinzip läuft in Deutschland auch die Abmahnwelle gegen Tauschbörsen-Nutzer.
Extrem-Tauschbörsennutzer kosten Geld
Abzuwarten bleibt, wie fest die Provider-Front gegen Kundensperren bleibt, wenn die Musikindustrie den Druck erhöht. Schließlich sind Extrem-Tauschbörsennutzer nicht unbedingt die attraktivsten Kunden für Provider.
Laut dem IT-Onlinemagazin Heise.de, das auch eine große Datenbank mit Internetstörungen verwaltet, klagen Tauschbörsennutzer bei mehreren deutschen Providern über ausgebremste Download-Datenströme. Aktuell sollen Kunden von "Kabel Deutschland" betroffen sein. Der Anbieter 1&1 hat Kunden, die sehr große Datenmengen saugten, eine Zeit lang eine Prämie von 100 Euro angeboten, damit sie ihren Vertrag kündigen.
Extrem-Tauschbörsennutzer kosten die Provider ab einem bestimmten Datenaufkommen offenbar mehr als sie einbringen. Nun ist es auch nicht billig, die Überwachungs-Forderungen der Musikindustrie zu erfüllen. Aber vielleicht gibt es bei der Kostenfrage einmal eine gütliche Einigung zwischen Providern und Rechteinhabern.
Und wenn die Musikindustrie den Providern die Ermittlungsarbeit abnimmt, könnten die Ergebnisse für einige Anbieter vielleicht eine schöne Entschuldigung sein, ein paar teure Extrem-Nutzer loszuwerden.
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