Von Dirk Kunde
Vor knapp zehn Jahren hat Ebay das Auktionsverfahren als neue Verkaufsform im Online-Handel eingeführt. Es war purer Nervenkitzel, dem Zuschlag entgegenzufiebern. "Doch das hat sich etwas abgenutzt", meint zumindest Jens Kunath. Er ist Gründer und Geschäftsführer der aha.de Internet GmbH in Hamburg. Mit Rabattschlacht.de verbindet er Schnäppchenjagd und Spieltrieb.
Das geht so: Gegen Zahlung von 90 Cent kann man den aktuellen Preis eines Produktes aufdecken. In der neuen Version ab Mitte September kommt hinzu, dass der Preis nach dem Aufdecken fällt. In einer Slot-Maschine-Anzeige sinkt der Preis kontinuierlich. "Der Reiz besteht darin, zum richtigen Zeitpunkt zuzuschlagen", sagt Kunath. Auktionsprofis kennen das Grundprinzip als "holländische Versteigerung" - es gewinnt derjenige, der die Oberkante der Zahlungswilligkeit seiner Mitbieter richtig einschätzt.
Sobald der erste Kunde den Bestellknopf drückt, geht alles wieder von vorne los. Anfang Oktober startet Kunath Deals.de. Hier durchsucht eine Redaktion das Netz nach Schnäppchen, stellt Berichte und Tests zu den angebotenen Produkten zusammen. Vereinfacht gesagt: Er bündelt die Angebote von Online-Shop und Live-Shopping-Anbietern.
Beim Spaßeinkauf boomt das Segment der Live-Shopper am stärksten. Deren Konzept ist schnell erklärt: Ein Tag, ein Produkt. Das Vorbild kommt aus den USA. Woot.com steht aktuell auf der Liste des Magazins Inc. auf Platz eins der am schnellsten wachsenden Handelsunternehmen. Kein Wunder bei 5000 Prozent Umsatzwachstum innerhalb von drei Jahren. An einem einzigen Tag im August verkaufte Woot Flachbildfernseher im Wert von 1,9 Millionen Dollar.
Doch mit diesen Ansätzen ist die Phantasie der Spaß-Shopping-Anbieter noch lange nicht erschöpft. Den Kunden gefällt es, weil die Zock-Shop-Angebote nicht nur den Spieltrieb reizen, sondern den Kunden tatsächlich auch Vorteile bieten. Hier die Ideen im Überblick:
Live-Shopping - Neue Produkte um Mitternacht
Derzeit buhlen rund 40 Anbieter um Kunden in Deutschland und es werden täglich mehr. Das reicht von internationalen Größen wie Ibood.de, die in 18 Ländern vertreten sind, bis zu kleinen, spezialisieren Anbietern wie Berellion.de, der ausschließlich Klamotten für Skater und Surfer anbietet.
iBood: Schnelle Shopper machen den Schnitt
Die Käufer sollen möglichst schnell zuschlagen. Dabei wissen sie nicht, ob 10 oder 10.000 Stück des Produkts auf Lager sind. Da lassen sich die Anbieter nicht in die Karten schauen. Doch was sie wirklich fast alle schaffen: Sie sind an diesem Tag mit diesem Produkt der günstigste Anbieter.
Das lässt sich mit einem Blick in eine Preissuchmaschine schnell überprüfen. So ging es auch der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Bei deren Test in zehn Live-Shops mit jeweils zwei Produkten waren 19 der 20 Produkte preislich nicht zu schlagen. Im Durchschnitt lagen die Live-Shopping-Anbieter ein Fünftel unter der Konkurrenz.
Jagd nach Preisen - Recherche als Dienstleistung
Nun will man nicht immer 40 Webseiten nach dem absuchen, was man braucht. Darum bieten Myliveshopping.de und Liveshopping-aktuell.de Übersichten.
Meta-Suche: Solche Portale beobachten Schnäppchen-Seiten - und tragen Angebote zusammen
Ebenfalls menschliche Arbeit ist bei Dealjaeger.de gefragt. Hier suchen die Teilnehmer als lebende Suchmaschine nach den besten Angeboten. "Suchmaschinen erfassen nur ausgesuchte Shops und sortieren schon mal nach Eigeninteresse, sprich Provisionen", sagt Sven Schmidt, Geschäftsführer der Dealjaeger GmbH. Die Jäger erhalten Punkte für die besten Deals, die sie später in Prämien eintauschen können.
VIP-Clubs - Auf ein Wort mit dem Paten
Preise jagen und Countdown-Zähler verfolgen eher männliche Käufer. Für Frauen entwickeln sich Einkaufsclubs zum angesagten Einkaufsziel im Web. Hier muss man Mitglied werden, um die Angebote zu sehen. Das geht meist nur auf Einladung oder Empfehlung.
Shopping-Clubs für Damen: Kommen schon visuell aufwändiger daher
Männer wie Frauen spricht der Düsseldorfer Pate an. Mit Schutzgeld.de besetzt Peter Faisst die Humornische beim Entertainment-Shopping. Seine Seite ist aufgemacht wie ein Schreiben der Mafia. Hier gibt es "Heiße Ware" und "Erpressungsopfer".
...und schaffen den Schein von Exklusivität, indem sie den Kunden zum exklusiven Mitglied ernennen
Besonders bizarr: In regelmäßigen Abständen verscherbelt der Pate Überraschungspakete zwischen 20 und 30 Euro. Damit räumt Faisst sein Lager auf. Der Kunde weiß nicht, was ihn erwartet. Mit mehr als 1000 Bestellungen lief ein Paket besonders gut, das der Pate ausdrücklich mit "isse Reste" angekündigt hatte.
Da soll noch mal jemand sagen, die Deutschen verstehen keinen Spaß beim Einkaufen.
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