Von Johannes Sträter
"… denn zum Küssen sind sie da", USA 1997. Regie: Gary Fleder. Darsteller: Morgan Freeman, Ashley Judd. Format: 2,35:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. 3,90 Euro.
Mit dem Genreklassiker "Sieben" hatte Morgan Freeman 1995 seine Berufung zum gewieften Ermittler entdeckt – hier durfte er dieses Talent an der Seite von Ashley Judd ("Heat") erneut unter Beweis stellen. Produzent David Brown ("Der weiße Hai") landete damit einen stilechten Kassenschlager, der vier Jahre später in der Prequel "Im Netz der Spinne" seine noch um ein paar Millionen Dollar erfolgreichere Fortsetzung fand.
Bei der Kritik kam dieser zweite Streifen allerdings weniger gut weg - genau wie beim überkritischen Cineastenpublikum auf Rotten Tomatoes: Dort hielten 81 Prozent der Rezensenten das Machwerk für schwer matschig. Das gilt allerdings für die meisten Filme - die Tomatenwerfer sind bekanntlich auf Meckern spezialisiert.
An diesem Beileger-Film allerdings gibt es nur wenig auszusetzen. Die bekannten Strickmuster des Serienkiller-Thrillers werden zwar kaum abgewandelt, aber handwerklich so flüssig und geschickt umgesetzt, dass es eine wahre Freude ist. Statt expliziter Gewalt machen gruselige Kulissen und die atmosphärisch dichten Bilder des Kameramanns Aaron Schneider ("Murder One") daraus ein knackiges Stück Unterhaltung mit garantiert hohem Gänsehautfaktor.
Bis 2. Dezember im Handel
"Prey", USA 2007. Regie: Darrell Roodt. Darsteller: Bridget Moynahan, Peter Weller. Format: 2,35:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Preis 3,70 Euro.
Wer schon immer Länder mied, in denen er nicht selbst das Ende der Nahrungskette ist, wird sich nach diesem Film bestätigt zurücklehnen können. Denn auch wenn die Landschaft und die Tiere noch so klasse gefilmt sind, letztere zerfleischen mindestens ebenso klasse ihre Opfer, rütteln an den Türgriffen oder lauern im hohen Steppengras. Trotz gut aufspielender Action-Aktrice Bridget Moynahan ("I Robot") und Routinier Robert Weller ("Naked Lunch") sind die Löwen die eigentlichen Stars, wirken dabei nicht monsterhaft durchgedreht, sondern machen einfach nur ihren Job als Fleisch fressende Großkatzen. Und das allein reicht schon für 88 ziemlich nervenaufreibende Minuten Spannung.
Bis 23. November im Handel
"Spirit Trap", GB 2005. Regie: David Smith. Darsteller: Billie Piper, Sam Troughton. Format: 1,78:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Preis: 3,90 Euro
Der mit drei Millionen Dollar Budget relativ billig produzierte Streifen bietet leider nur einen altbackenen Plot mit stereotypen Rollen. Da weiß man bereits nach fünf Minuten, wer hier lebend wieder rauskommen wird – und langweilt sich dementsprechend ein wenig. An den fünf Jungdarstellern hat das sicherlich nicht gelegen, sie machen ihre Sache so gut es hier überhaupt geht.
Als kleine Überraschung entdecken Kenner des "Eurovision Song Contest" in der Crew die russische Popsängerin Alsou, die im Jahr 2000 mit ihrem Song "Solo" für Russland den zweiten Platz erreichte und hier ihr Filmdebut feierte. Hören kann man sie anschließend im Abspann mit dem Song "Teardrops". Die Horror-Schnulze mag für ihre Fans durchaus Grund genug sein, sich den Film doch einmal anzuschauen.
Bis 3. Dezember im Handel
"Chameli", IND 2004. Regie: Sudhir Mishra. Darsteller: Kareena Kapoor, Rahul Bose. Sprache: Hindi / Deutsch . FSK: 16 Jahre. Preis: 8,90 Euro
Zudem wird mit "Chameli" keine glamourüberladene Bollywood-Romanze gezeigt, sondern ein anfangs ziemlich dialoglastiges Drama um den deprimierten Finanzberater Aman (Rahul Bose) und die abgeklärte Prostituierte Chameli (Kareena Kapoor). Beide treffen in einer düsteren, verregneten Nacht zufällig aufeinander. Je näher sie sich dabei kommen, desto mehr verstricken sich ihre Geschichten ineinander und geben ihrem Leben eine unverhoffte Wendung.
Für die einer alten Bollywood-Dynastie entwachsene Schauspielerin Kareena Kapoor ("Refugee") war die Rolle der Hure "Chameli" ebenfalls eine Art Neuanfang nach mehreren misslungenen Filmprojekten. Die Kritiker begnadigten sie, und Kameramann Aseem Bajaj räumte für seine tolle Arbeit auch noch ein paar Preise ab. Doch es wäre kein Bollywood-Film, wenn nicht irgendwann auch gesungen und getanzt würde und wenn nicht doch am Ende so etwas wie ein romantischer Twist stehen würde, der die bösen Geister glücklich miteinander versöhnt. Fazit: ein kleiner Film für Kopf und Augen, der sich vor allem für Bollywood-Neueinsteiger anbietet.
Bis Anfang Dezember im Handel
"Copykill", USA 1995. Regie: Jon Amiel. Darsteller: Sigourney Weaver, Holly Hunter. Format: 2,35:1 (16:9). FSK: 16. Preis: 6,99 Euro.
Ein nervenzerrüttendes Spielchen beginnt, in dem sich die sonst so unerschütterliche Sigourney Weaver ("Alien") einmal erfrischend untypisch als Opfer zeigt, während Holly Hunter ("Das Piano") im Gegenzug absolut überzeugend den coolen, scharfzüngigen Cop raushängen lassen darf. Perfekte Bilder und ein toller Soundtrack geben dem Ganzen den letzten Schliff und garantieren einen kribbeligen Gänsehauteffekt.
Bis 4. Dezember im Handel
"Heat", USA 1995. Regie: Michael Mann. Darsteller: Al Pacino, Robert De Niro. Format: 2,35:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Preis: 6,99 Euro.
Michael Mann ("Miami Vice") hatte den Stoff zu "Heat" bereits 1989 in dem TV-Krimi "Showdown in L.A." verbraten, aber erst in der Kinoversion von 1995 mit seiner Traumbesetzung gezeigt, was daraus zu machen war: ein bis heute nur selten erreichtes Referenzwerk des Actionfilms, das man deshalb allerdings auch als vollwertige DVD mit Original-Tonspur, die hier wie üblich leider fehlt, für wenige Euro an jeder Ecke kaufen kann.
Bis 4. Dezember im Handel
"Halloween: Resurrection ", USA 2002. Regie: Rick Rosenthal. Darsteller: Bianca Kajlich, Busta Rhymes. Format: 1,78:1 (16:9). FSK: 16 Jahre (gekürzt). Preis: 3,40 Euro
Die Figur Michael Myers gehört zur Ursuppe des modernen Horrorfilmgenres und verkörpert das personifizierte Böse, weshalb er auch nie endgültig getötet werden kann. Er redet nicht, mordet vornehmlich mit einem riesigen Küchenmesser und trägt immer eine weiße, ausdruckslose Maske – für die sein Schöpfer John Carpenter 1978 aus Kostengründen übrigens eine billige Halloween-Captain-Kirk-Verkleidung verarbeitete. Nach dem gigantischen Erfolg des ersten Films wurden bis heute sieben Episoden und eine Neuverfilmung gedreht. Ende 2009 wird eine aktualisierte Version des zweiten Teils von 1981 erwartet.
Für alle Neueinsteiger ist die Story des hier vorliegende achten Teils deshalb kaum verständlich, protzt aber stattdessen mit illustren Namen wie dem Supermodel Tyra Banks, dem Rapper Busta Rhymes oder dem seit 1978 beteiligten Hollywoodstar Jamie Lee Curtis, die jedoch nur zu Beginn kurz (aber hart) auftritt. Wem das egal ist, dem bietet allerdings selbst die um zwei Minuten gekürzte, jugendfreie Version noch genug Slasher-Horror, um eine Ahnung vom Genre zu bekommen.
Bis 13. November im Handel
Kurz und knapp - was der Kiosk in diesem Monat noch zu bieten hat
AudioVideoFoto Bild Sonderheft
"Narc", USA 2002. Regie: Joe Carnahan. Darsteller: Ray Liotta, Jason Patric. Format: 1,85:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. 3,90 Euro
Bis Januar 2009 im Handel
"Big Bad Wolf", USA 2006. Regie: Lance W. Dreesen. Darsteller: Trevor Duke, Kimberly J. Brown. Format: 1,85:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Preis 7,90 Euro
Bis 18. November im Handel
"Ich küsse meinen Mörder", GB/USA 1996. Regie: David Richards. Darsteller: Rosie Rowell, Daniel Craig. Format: 1,33:1 (4:3). FSK: 12 Jahre und "Gunshy – Aus Leidenschaft zum Mörder", USA 1998. Regie: Jeff Celentano. Darsteller: William Petersen, Michael Wincott. Format: 1,33:1 (4:3). FSK: 16 Jahre. Preis 3,90 Euro
In einem feinen Psychokrimi aus Sherlock Holmes Heimatland sehen wir den damals 28-jährigen Daniel Craig ("Ein Quantum Trost") als jungen Kommissar Matt Kearny, dem das Leben übel mitspielt: Sein Chef will ihn rauswerfen, seine Freundin Jude (Rosie Rowell) hat ihn verlassen. Als sich eine läppische Vermisstenmeldung zum kapitalen Mordfall auswächst, wird ausgerechnet letztere als Lockvogel eingesetzt und verknallt sich auch noch in den Verdächtigen. Kein Wunder, dass Matt einen Fehler nach dem anderen macht und seinen Frust im Schnaps ertränkt – bis sein Partner ihn gerade noch rechtzeitig aus der Lethargie reißt.
Nicht ganz so überzeugend zeigt sich bis zur ersten Halbzeit der Fernsehthrillers "Gunshy". In der schön gefilmten, aber etwas zäh anlaufenden Dreiecksgeschichte gerät der gescheiterte Star-Journalisten Jake Bridges (William Petersen) aus unerfindlichen Gründen in die Obhut des brutalen, aber an sich selbst zweifelnden Geldeintreibers Frankie (Michael Wincott). Zum Dank dafür macht er sich an dessen Freundin Melissa (Diana Lane) ran. Was als misslungener Film Noir beginnt, nimmt nach einem überraschenden Twist in der zweiten Hälfte unverhofft Fahrt auf und wird dann noch einmal richtig spannend.
Insgesamt findet sich in dem günstigen Filmpäckchen damit ein unterhaltsames Krimi-Doppel, mit dem man einen grauen Novembertag locker übersteht.
Erscheint am 29. Oktober im Handel
"Schneeweißchen und Rosenrot", DDR 1979. Regie: Siegfried Hartmann. Darsteller: Julie Juristová, Katrin Martin. Format: 1,33:1 (4:3). FSK: ohne Altersbeschränkung. Preis 2,99 Euro
Vom 6. bis 12. November im Handel
"avant*garde", D 2008. Regie & Moderation: Fabian Hübner und "Visiting Uwe", D 2008. Regie & Moderation: Fabian Hübner und "Conan. Der Abenteurer", D/USA 1998 (2. Episode der TV-Serie). Regie: Martin Denning u. a.. Darsteller: Ralf Möller, Danny Woodburn. Format: 1,33:1 (4:3). FSK: 12 Jahre. Preis: 9,99 Euro
In diesem Quartal liegt der Premium-Ausgabe der "Widescreen Vision" aus dem Computec-Verlag kein abendfüllender Spielfilm bei, sondern die DVD-Version des verlagseigenen Online-Filmmagazins "avant*garde" (www.ws-avantgarde.de) mit einer Sammlung kleiner, aber feiner Kurzdokus über innovative Regisseure wie Ingmar Bergmann oder Wong Kar-wai.
Wer darüber hinaus immer schon mal wissen wollte, was Werbefilm- und Trash-Regisseur Dr. Uwe Boll ("House of the Dead") im Keller seines Hauses lagert und was er über die Filmbranche im Allgemeinen und einige seiner Kollegen im Besonderen denkt, findet in der ebenfalls von Hübner produzierten Doku "Visiting Uwe" genau das Richtige.
Irgendwie passend gibt’s dazu noch eine barbarische Episode der Fantasy-Billig-Produktion "Conan" mit Aushilfs-Schwarzenegger Ralf Möller, der in den letzten Jahren mehrfach für Boll vor der Kamera aufgespießt wurde ("Seed", "Postal", "Far Cry"). Als muskelbepackter Sozialarbeiter mit Breitschwert kann Möller hier einmal mehr andeuten, warum es für ihn zum großen Durchbruch doch so ganz nie gereicht hat: Nebenrollen in diversen US-Filmen machten ihn immerhin zum immer wieder gern genommenen Hauptverdächtigen für deutsche Trash-Produktionen wie das leider unvergessene "Megalodon – Hai-Alarm auf Mallorca".
Bis 2. Dezember im Handel
"Bloody Numbers", CDN/USA 2001. Regie: Jeff Probst. Darsteller: Erik Palladino, James Earl Jones. Format: 1,78:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Preis: 7,99 Euro
Alles dreht sich um ein gefundenes Lotterielos, das von seinem Besitzer (James Earl Jones) mitsamt der Brieftasche beim ehrlichen Finder (Eric Palladino) abgeholt werden soll. Doch als dieser feststellt, dass er mit dem Los sechs Millionen Dollar kassieren könnte, versucht er, den Gewinn selbst einzustreichen. Allerdings hat er keine Ahnung, was seine Kumpels oder gar der Eigentümer bereits wissen. Und so beginnt ein verzwicktes Katz-und-Maus-Spiel, in dem jede Kleinigkeit zählt.
Bis Mitte Dezember im Handel
Der volle Überblick - Die Tabelle mit allen DVD-Beilegern bis Mitte November
Die DVD-Beileger der ersten Novemberhälfte
Der nächste DVD-Überblick erscheint in der übernächsten Woche
© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH