Von Felix Knoke
Die ORF-Futurezone berichtet von Plänen des taiwanesischen Handyherstellers HTC, gegen ein deutsches Patenturteil vorzugehen. Das Landgericht Mannheim hatte entschieden, dass HTC mit Mobilfunkkomponenten Schutzrechte des bayerischen Patentverwerters IPCom verletze. Der Patentstreit ist brisant, weil davon auch der frisch angelaufene Verkauf des T-Mobile G1 betroffen sein könnte.
Im G1 werden IPCom zufolge geschützte Komponenten verwendet. IPCom-Chef Bernhard Frohwitter fordert HTC auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren: "Anderenfalls halten wir uns die Option offen, das Urteil des Landgerichts Mannheim vollstrecken zu lassen und den Verkauf der betroffenen Geräte in Deutschland verbieten zu lassen."
Dass IPCom tatsächlich den Verkauf stoppt, ist nicht unbedingt zu erwarten - wahrscheinlich soll die Drohung den Druck erhöhen, schnell eine Einigung zu finden. Schließlich verdient IPCom kein Geld damit, den Verkauf von Produkten zu behindern.
Auch vom Streit betroffen: der finnische Handyhersteller Nokia. Behauptet IPCom doch, das finnische Unternehmen verletze die gleichen Schutzrechte wie HTC. Das Landgericht Mannheim hat in diesem Fall aber noch nicht entschieden. Derweil wehrt sich Nokia gegen die Forderungen der Firma aus Pullach bei München.
Das spezielle Patent sei nicht valid und werde von Nokia-Produkten nicht verletzt, sagte eine Unternehmenssprecherin zu ORF Futurezone. Die Klagen von IPCom seien lediglich ein Versuch, Nokia "in diskriminierende und unrealistische Lizenzbedingungen zu zwingen".
Die Beatles als "Rock Band"
Nach Jahren der digitalen Abwesenheit feiern die Beatles bald ein Comeback als Computerspiel: "The Beatles: Rock Band", im Oktober letzten Jahres angekündigt, erscheint laut PC World Anfang September für verschiedene Spielkonsolen und setzt die erfolgreiche "Rock Band"-Reihe fort. Darin greift der Spieler zum Mikrofon, zu Spielcontrollern in Form von Gitarre, Bass und Schlagzeug, und verkörpert damit John, Paul, George und Ringo.
Das ist nicht nur interessant, weil damit das Konzept Musikspiel auf eine neue Ebene gehoben wird, sondern auch, weil damit endlich die Beatles im digitalen Alltag anzukommen scheinen. Jahrelang sträubten sich die Beatles-Nachlassverwalter, die einst so erfolgreiche Musik übers Netz, zum Beispiel bei Apples Onlineshop iTunes zu verkaufen. Ob das der Gier oder eher der Angst geschuldet ist? Immerhin kennt die Generation iPod die Beatles im Normalfall allenfalls durch den Soundtrack des Films "Across the Universe": Da kommen die Songs allerdings in frischem, modernen Gewand daher.
Eine Verwertung als Spielmusik- und Spielkonzept erscheint nun als gelungener Dreh, nicht einfach nur irgendeine neue Band im Netz zu sein, sondern tatsächlich mit einem großen Sprung in der Gegenwart zu landen. All you need is love, eine gute Idee und willige Kooperationspartner.
Craigslist angeblich "Amerikas größter Zuhälter"
Ein Sheriff aus Chicago hat am Donnerstag Klage gegen die US-amerikanische Internet-Kleinanzeigenbörse Craigslist eingereicht. Craigslist sei die Hauptursache für Prostitution in den Vereinigten Staaten, zitiert der "Sydney Morning Herald" Sheriff Thomas Dart. Der Vorwurf, knackig zusammengefasst: Craigslist sei Amerikas größter Zuhälter.
Mit der Klage versucht der Sheriff nun, Craigslist zum Schließen der Erotik-Sparte zu zwingen und die Kosten der Verfolgung von Huren und Freiern, die Craigslist nutzen, zu tragen.
Mit den Vorwürfen ist der Sheriff nicht allein. Schon im August 2007 erhob Shirley Franklin, die Bürgermeisterin der US-Stadt Atlanta, schwere Vorwürfe gegen den Online-Anzeigendienst. Der Service würde Kinderprostitution fördern. "Die Kinder werden dort regelrecht vermarktet", so die Kommunalpolitikerin. Das Angebot sei damals für 85 Prozent der sexuellen Kontakte zwischen Erwachsenen und Kindern verantwortlich gewesen.
Vor vier Monaten hatte Craigslist, um ein Verfahren zu beenden, die Sparte "Erotische Dienstleistungen" eingeführt und versprochen, härter gegen Online-Prostitution auf den eigenen Seiten vorzugehen. Laut Sheriff Dart sei in den letzten vier Monaten aber die Zahl der Anzeigen in der Erotik-Sparte nicht zurückgegangen.
YouTube und Universal Music Group planen Allianz
Googles Videoservice YouTube und das Major-Musiklabel Universal Music Group (UMG) denken laut über ein gemeinsames Musikclip-Angebot nach. YouTube könnte dazu die Technik und das Werbe-Knowhow liefern, um die Musikclips von Universal und anderen Musik-Labels ins Netz zu bringen. Das "Wall Street Journal" sieht diese Überlegungen als Indiz dafür, dass YouTube mehr Premium-Partner ins Boot holen, ergo endlich richtig Geld mit dem supererfolgreichen Angebot machen will: Musikclips zählen zu den erfolgreichsten Inhalten von YouTube.
Das gemeinsame Projekt - Arbeitstitel Vevo - sei schon letztes Jahr auf die Schienen gesetzt worden und recht weit gediehen. Sprecher von YouTube und Universal wollten die angeblichen Pläne nicht kommentieren.
Mit 3,5 Milliarden Videodownloads bietet UMG bislang das erfolgreichste Musikclip-Angebot auf YouTube an und fährt damit angeblich achtstellige Dollarbeträge ein - für Hypebot.com böte eine fokussiertere Clip-Website dem Musiklabel noch höhere Einnahmen und könnte YouTubes Status als Top-Seite für Musikfans verbessern.
Aber angenommen, YouTube und UMG stampfen eine zentrale und supererfolgreiche Musikclip-Seite aus dem Boden, ein sine qua non für den Erfolg von Videoclips: Was bedeutet das für die unabhängigen Musiklabels, die keine großen Deals mit den Zentralagenturen der netzbasierten Unterhaltungskultur (YouTube, MySpace, iTunes) einrichten können? Hypebot fragt: Wird YouTube dem Credo der Mutterfirma Google gerecht werden und "Zuvorderst keinen Schaden anrichten" in der Indie-Musik-Szene?
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