28. Mai 2009, 21:29 Uhr

Neue Suchmaschine

Microsoft macht Bing

Von Matthias Kremp

Schneller finden, was man wirklich sucht: Microsoft hat erstmals einen Einblick in seine künftige Suchmaschine gewährt. Die soll tatsächlich Bing heißen, ganz anders sein als die etablierte Konkurrenz - und vor allem helfen, schneller Entscheidungen zu treffen.

Der Windows-Konzern macht ernst: Am 3. Juni geht die neue Suchmaschine von Microsoft an den Start. Nebulöse Andeutungen über einen Web-Service, der Suchergebnisse "menschenlesbar" machen soll, geistern seit Monaten durchs Internet. Über den angeblich von Microsoft gewählten Namen gab es heftige Spekulationen.

Nun haben sich die Vermutungen bestätigt: Der Google-Gegner wurde Bing getauft - nicht Bong oder Bang.

Doch nicht nur der Name ist anders, auch die Art, wie Bing mit Suchanfragen und deren Ergebnissen umgeht, unterscheidet sich deutlich vom Gewohnten. Denn auch wenn Microsoft selbst Bing immer mal wieder als Suchmaschine bezeichnet, würde man den Dienst doch lieber als Entscheidungsmaschine sehen.

Wieso das eine viel treffendere Bezeichnung für Bing wäre, versucht Dorothee Ritz zu erklären, General Manager Consumer & Online bei Microsoft Deutschland. Viel zu häufig führten Web-Suchen heutzutage ins Leere - das ist das Ergebnis einer Comscore-Studie, die Microsoft in Auftrag gegeben hat und aus der Ritz zitiert: "Ein Drittel aller Suchanfragen werden unbefriedigt abgebrochen, zwei Drittel aller Suchen müssen in einem zweiten Schritt verfeinert werden." Zudem würden 66 Prozent der Endkunden Web-Suchen zur Entscheidungsfindung nutzen - und genau die soll Bing künftig vereinfachen.

Konkrete Antworten auf konkrete Fragen

Als Zielsetzung der neuen Microsoft-Suchmaschine bezeichnet Ritz es denn auch, schneller und informativer zur Entscheidungsfindung zu führen. Und das auch bei komplexen Suchanfragen. Im Idealfall soll man auf eine Suchanfrage eine konkrete Antwort bekommen, statt mit einer Linksammlung im Google-Stil abgespeist zu werden.

Eine Suchanfrage, die nur eine Flugnummer enthält, etwa LH1234, werde von Bing etwa mit aktuellen Informationen zu jenem Flug beantwortet. Die Eingabe von "Wetter München" führe zu einer Wettervorhersage der bayerischen Hauptstadt. Das erinnert an die erst vor kurzem eingeführte Suchmaschine Wolfram Alpha, die sich selbst als Antwortmaschine bezeichnet und in erster Linie auf wissenschaftliche Anfragen spezialisiert ist.

Ähnlich wie Wolfram Alpha bei manchen Anfragen beeindruckende Ergebnisse liefert, bei ihr unbekannten Themen aber versagt, kann Microsofts "Instant Answer" genannte Funktion nicht bei jeder beliebigen Anfrage funktionieren - schon gar nicht in Deutschland.

Während Microsoft nämlich in der kommenden Woche in den USA bereits die Endversion von Bing ins Netz stellt, die sich beispielsweise mit Flugauskünften, Aktienkursen und Sportergebnissen auskennt, kommt in Deutschland zunächst eine abgespeckte Version zum Einsatz.

Deren Spezialwissen wird von der Shopping-Website Ciao zugeliefert, die Microsoft erst vor kurzem gekauft hat und die insofern Entscheidungshilfen beisteuern kann, indem sie etwa Produktbewertungen und Preise bereithält.

Zunächst soll die Verlinkung von Seiten und eine Anpassung des Designs von Ciao eine "relativ durchgängige User-Experience" schaffen, sagt Ciao-Geschäftsführer Stephan Musikant.

Weitere Funktionalitäten sollen Stück für Stück in Bing eingebunden werden. Eine konkrete Timeline dafür gibt es aber ebenso wenig wie einen Termin, wann Bing in Deutschland aus der Beta-Phase entlassen werden soll.

Kunden, die wissen wollen, wie das Gesamtangebot von Bing aussieht, empfiehlt Microsoft-Managerin Ritz, nach der Einführung von Bing am 3. Juni einfach auf deren US-Version umzuschalten, was über einen Menüpunkt auf der Suchseite möglich sein soll. Außer zum Schnuppern werden solche Ausflüge aber nicht taugen. Bings Stärke sind schließlich gerade die auf das jeweilige Land angepassten Suchergebnisse.

Was Bing besser kann - und was nicht

Aus Microsofts Sicht ist Bing eine vollkommen neuartige Herangehensweise an das Thema Internet-Suche. Die folgenden Punkte hebt das Unternehmen als jene Eigenschaften hervor, die das Stochern im Informationswust des WWW einfacher machen sollen:

Die Homepage
Schon die Tatsache, dass auf der Bing-Seite jeden Tag ein neues Hintergrundbild gezeigt wird, feiert der Konzern als Fortschritt. Auch dass man gezielt in Kategorien wie Bilder, Videos oder Landkarten suchen kann, feiert der Konzern als Innovation.

Autosuggest
Sobald man damit beginnt, einen Begriff in die Suchmaske einzugeben, versucht Bing zu erraten, was man wohl zu schreiben versucht und macht entsprechende Vorschläge, den Begriff zu vervollständigen. Das ist hübsch, wird aber beispielsweise von Google längst ebenso gemacht.

Best Match
Genau so wie Bing mit Autosuggest versucht zu erraten, was man einzugeben versucht, bemüht es sich, seine Suchergebnisse nach Relevanz zu sortieren, damit man schneller zu einem brauchbaren Ergebnis kommt. Funktionieren kann das natürlich nur, wenn Bing entsprechende Informationen in seiner Datenbank zur Verfügung stehen. In Deutschland dürfte sich Best Match vorläufig also auf Produktinformationen und Online-Shops beschränken.

Vorschaubilder
Sobald man mit dem Mauszeiger eines der Suchergebnisse ansteuert, wird ein Vorschaubild der dahinterliegenden Web-Seite angezeigt. Hört sich nach einer tollen Möglichkeit an, schon vor dem Klick auf einen Link zu entscheiden, ob das Ergebnis relevant ist. Abzuwarten bleibt, wie lange Bing braucht, um die Vorschaubilder zu erzeugen.

Einige Eigenschaften von Bing versprechen zudem die Möglichkeit, umfangreiche Suchergebnisse schnell eingrenzen zu können. Sucht man etwa nach einem bestimmten Flug, kann man in einer Seitenleiste Tag und Uhrzeit der Reise definieren oder die Suche auf bestimmte Fluggesellschaften eingrenzen. Eine "Quick Tabs" genannte Funktion stellt außerdem zusätzliche Suchergebnisse dar, die zu den eingegebenen Suchbegriffen passen könnten. Sucht man nach "München", könnten das beispielsweise "Wetter", Biergärten", "Hotels" oder "Karten" sein.

Ein Spezialist für Verbraucherfragen

Bis es so weit ist, dass sich all diese Möglichkeiten tatsächlich nutzen lassen, wird man in Deutschland freilich noch eine Weile warten müssen. Die Freigabe der Beta-Version für die Öffentlichkeit am kommenden Mittwoch jedenfalls wird nur einen kleinen Teil dessen preisgeben, was Bing tatsächlich zu leisten in der Lage ist.

Eben deshalb wird Bing hierzulande auch von einer deutlich bescheideneren Werbekampagne als in den USA begleitet werden. Insgesamt, so wird gemunkelt, wird der Konzern bis zu 100 Millionen Dollar in die Einführung seiner Entscheidungsmaschine investieren. In Deutschland werde es zum Launch zwar "eine ordentliche Kampagne" geben, so Ritz, deren Intensität wird sich aber an der Fortentwicklung der deutschen Version von Bing orientieren.

Hektisch scheint man das Thema Suchmaschine bei Microsoft aber ohnehin nicht angehen zu wollen. "Für uns ist das ein Langfristmarathon" erklärt Managerin Ritz. Microsoft meine es zwar sehr ernst mit Bing, sagt sie noch. Überstürzen will das Unternehmen aber offenbar nichts. So soll auch die Vermarktung der Suchmaschine von Yahoo übernommen werden, wie es schon mit anderen Microsoft-Web-Angeboten geschieht.

Langfristig könnte diese Strategie Microsofts Fußabdruck im Suchmaschinenmarkt tatsächlich vertiefen. Bing ist, ebenso wie Wolfram Alpha, zwar alles andere als ein Google-Killer, könnte aber, wenn es die Versprechen einlöst, eine ernstzunehmende Alternative werden, zumindest wenn es um typische Alltagsfragen geht. Vielleicht wird dann aus dem Bing-Ding so eine Art Wolfram Alpha für Verbraucherfragen.

Nächste Woche wissen wir mehr, wenn Bing seinen Dienst aufnimmt - und sei es nur als Beta-Version.


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