12. Juli 2009, 08:25 Uhr

E-Mail

"Sie haben Post - von Angela Merkel"

Von Christian Fuchs

Vor 25 Jahren wurde die erste E-Mail nach Deutschland verschickt, heute ist das Alltag - auch für vermeintliche Promis. Wir suchten E-Mail-Kontakt zu ihnen. Und erfuhren, dass Angela Merkel ein Mann ist, Kati Witt nur versehentlich so heißt und Daniel Brühl als Schauspieler gescheitert ist.

"Willkommen bei CSNET."

Mit dieser schnöden Nachricht begann die E-Mail-Zukunft in Deutschland. Der Informatiker Werner Zorn erhielt den Gruß am 2. August 1984 aus dem amerikanischen CSNET. Dieses Netz war ein Zusammenschluss einiger US-Universitäten und gilt heute als Vorläufer des InternetsD.

Deutsche Promis: E-Mail-Namensvetter im Web
AP; DDP; Getty Images

Deutsche Promis: E-Mail-Namensvetter im Web

Was Zorn, der an der Universität Karlsruhe forschte, damals noch nicht wusste: Er bekam die erste E-Mail in Deutschland. Seine Mailadresse lautete damals einfach zorn@germany - ohne Vorname und ohne Endung. Heute wäre diese Adresse undenkbar, bei den Millionen von E-Mail-Adressen.

Was einst als Infosystem unter Fachleuten begann, ist heute für viele ein Routineakt geworden. Manche Menschen sollen sogar süchtig nach immer neuen Mails sein. Aber es gibt vor allem Vorteile: Noch nie war es so einfach, anderen Briefe zu schreiben und die ersten Fotos des Babys an die verstreute Familie zu versenden. Für viele ist das Alltag. Vor allem Privatadressen werden gern komplett codiert, sie heißen beispielsweise gern schulz374@web.de, langschlaefer@yahoo.com oder auch ccddee@gmx.net.

Zum 25. Geburtstag der elektronischen Post in Deutschland wollte DAS MAGAZIN sie würdig feiern. Um etwas Glamour in unsere tägliche technische Kommunikation zu bringen, haben wir E-Mails versandt. Viele E-Mails. Genau genommen 300 Stück.

Aber nicht an irgendjemanden, sondern an Prominente. An Franz Beckenbauer und an Harald Schmidt, an Alice Schwarzer und an Sarah Wiener, an Eva Herman und an Gerhard Schröder. Denn wir wollten wissen: Wer hat die E-Mailadressen der Stars? Und vor allem: Bekommen sie Post, die eigentlich an die bekannten Namensgeber gehen sollte?

Dabei sind wir auf ein paar schöne Geschichten gestoßen. Wir wissen jetzt, warum ein Student aus Darmstadt Angela Merkel ist oder wie ein schwäbischer Werkzeugmacher zum Ehrentitel Armin Müller-Stahl kam. Am meisten verblüfft hat uns aber Boris Becker. Vor ein paar Jahren noch warb das ehemalige Tennisidol für den Mailadressen-Anbieter AOL. Als wir aus gegebenem Anlass versuchten, ihn unter Boris.Becker@aol.com zu erreichen, kam die Post zurück: nicht zustellbar.

Von Katarina.Witt@gmx.de

Mittlerweile ist es fast schon Routine für mich, dass ein Späßle gemacht wird, sobald mein Name fällt, oder ich meinen Ausweis zeigen muss: "Kannst du auch Schlittschuhlaufen?"

Katarina Witt, 19, Abiturientin aus Bietigheim-Bissingen

Katarina Witt, 19, Abiturientin aus Bietigheim-Bissingen

Wie originell!

Dabei kannten meine Eltern die Eiskunstläuferin gar nicht, als sie mir den Namen gaben - meine Familie kommt nämlich aus Kasachstan. Die E-Mailadresse habe ich seit fünf Jahren, aber bisher noch nie eine Mail für Kati Witt erhalten.

Von Daniel.Bruehl@t-online.de

Mit dem berühmten Schauspieler habe ich nur den Namen gemeinsam, obwohl ich es in der Schule auch mal mit Schauspielerei versucht habe. Aber unsere Theater AG ist nie irgendwo aufgetreten. Nach einem Jahr bin ich wieder ausgetreten und habe mich auf mein Interesse für Technik konzentriert.

Daniel Brühl, 26, Chemieingenieurwesen-Student aus Ibbenbüren bei Osnabrück

Daniel Brühl, 26, Chemieingenieurwesen-Student aus Ibbenbüren bei Osnabrück

An meine prominente E-Mailadresse habe ich erst zwei Anfragen in sechs Jahren für den anderen Daniel Brühl bekommen. Beide Male waren es Fans, die einfach mal probiert haben, ob ihr Star bei T-Online zu erreichen ist. Zum Glück ist Daniel Brühl kein Teenie-Idol, ansonsten würden mich die Hunderten Mails nerven. Aber so ist solch eine Anfrage eine lockere Abwechslung im Alltag.

Von Angela.Merkel@t-online.de

Mitten im langen hessischen Wahlkampf 2008/2009 war Politik ja ziemlich aktuell. Da habe ich mich mit ein paar Freunden gefragt, was Politiker wohl so für Post kriegen.

Angela Merkel alias Arnold Weißen, 24, Sportwissenschaftsstudent aus Darmstadt: Will nicht zeigen, wie die E-Mail-Kanzlerin aussieht

Angela Merkel alias Arnold Weißen, 24, Sportwissenschaftsstudent aus Darmstadt: Will nicht zeigen, wie die E-Mail-Kanzlerin aussieht

Um das herauszufinden, habe ich versucht, die E-Mailadresse von Angela Merkel zu bekommen. Das hat geklappt. Doch anscheinend schreiben viel mehr Leute an die richtige Adresse: Es kommt nämlich fast nur Spam.

Lediglich einmal habe ich eine wirkliche Anfrage erhalten: Vor kurzem bot mir ein Anwalt für Insolvenzrecht an, Angela Merkel im Falle eines Insolvenzverfahrens von Opel zu helfen.

Von ArminMuellerStahl@googlemail.com

Da ich auf Arbeit viel mit Stahlbearbeitung zu tun habe, wurde ich vor 15 Jahren von meinem Meister von Armin Müller in Armin Müller-Stahl umgetauft. Schon lange dachte ich mir, dass dies später einmal meine E-Mailadresse werden sollte.

Armin Müller, 39, Werkzeugmacher aus Sauldorf-Boll)

Armin Müller, 39, Werkzeugmacher aus Sauldorf-Boll)

Als ich mir vor zwei Jahren einen Laptop gekauft habe und online gegangen bin, waren alle Adressen mit Müller natürlich schon weg. Mit dem Namen Müller-Stahl hat es auf Anhieb geklappt mit der Adresse. Die Filme mit meinem Namensvetter mochte ich aber schon lange, bevor ich seine virtuelle Adresse hatte.

Von Veronica.Ferres@gmx.de

In den Pausen meines Informationstechnik-Studiums war mir immer langweilig. Darum probierte ich eines Tages im Rechenzentrum der Uni, welche Mailadressen von Prominenten noch frei sind. Überraschenderweise sind das einige gewesen - die habe ich mir dann sofort gesichert.

David Pittelkow, 31, Softwareentwickler aus Freiburg/Breisgau

David Pittelkow, 31, Softwareentwickler aus Freiburg/Breisgau

Heute besitze ich unter anderem die Adressen von Kevin Bacon, Kim Basinger, Whitney Houston und eben Veronica Ferres. Ich hatte aber auch die Adressen von fiktiven Figuren wie Biene Maja oder Knight Rider.

Nur einmal bekam ich eine Mail von einem Fan, der dachte, Veronica Ferres hätte wirklich eine GMX-Adresse. Wenn ich früher beim Weggehen Leute kennengelernt habe, mussten die schmunzeln, wenn ich ihnen die E-Mailadresse von Veronica Ferres gab. Aber jetzt nerven die vielen Adressen nur noch, weil ich alle auf meine echte Mailadresse umgeleitet habe und jede Woche 20 automatisch versandte Newsletter von GMX löschen muss. Ein bisschen stolz bin ich aber trotzdem noch, dass mir all die Promi-Adressen gehören.


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