Von Richard Meusers
Das Imageboard 4Chan hat es hierzulande spätestens im Rahmen der Internet-Zensur-Debatte zu einigem Ruhm gebracht. In den USA ist der anarchische Netz-Club schon seit Jahren in aller Munde, weil von dort einerseits langlebige Meme wie die "Lolcatz" oder "Rickrolling" herrühren, andererseits immer wieder Attacken oder doch wenigstens böse Streiche gegen Web-Seiten, Berühmtheiten oder Organisationen angezettelt werden. Mehrere Seiten berichten nun , der amerikanische Telefonriese AT&T habe zumindest in Südkalifornien seinen DSL-Kunden den Zugang zu dem Anarcho-Portal gesperrt .
4Chan-Gründer "moot" schreibt im hauseigenen Status-Blog, AT&T habe bislang nicht erklärt, warum das geschehen sei. Inzwischen soll das Forum aber verschiedenen Berichten zufolge auch für AT&T-Kunden wieder erreichbar sein.
www.4chan.org
Allerdings gibt es Hinweise, dass die Sperrung ihre Ursache in einer heftigen DDos-Attacke haben könnte, der 4Chan bereits seit längerer Zeit ausgesetzt ist. Zumindest legt dies eine Mitteilung von Merit Network nahe, einem Non-Profit-Dienstleister für die US-Regierung und gemeinnützige Angebote. Vor einigen Stunden informierte ein verantwortlicher Techniker über entsprechende Vorfälle. Außerdem vermutete er, die notwendig gewordene Sperrung der angegriffenen IP-Adresse (eben die von 4Chan) bis zum Ende der Attacke sei " sehr wahrscheinlich aus demselben Grund auch von AT&T" vorgenommen worden. Dann müsste AT&T das nur noch mitteilen. Andernorts ist inzwischen aber zu lesen, AT&T habe die Sperrungen bestätigt und mit "Hauspolitik" begründet. Man wird sehen, wie die Sache ausgeht. Für AT&T jedenfalls droht die Sache zum PR-Gau zu werden.
Die Betreiber des deutschen 4Chan-Klons "Krautchan" versuchen derweil, auch ein bisschen von dem Wirbel zu profitieren: Auf der Krautchan-Startseite prangt derzeit ein "Stopp"-Schild, das jenem nachempfunden ist, das dem Sperrgesetz gegen kinderpornografische Inhalte zufolge künftig Surfer sehen sollen, die Kinderporno-Angebote aufrufen wollen. Es handelt sich bei dem Krautchan-Schild aber offenkundig um eine Fälschung.
Offenes W-Lan: SEK stürmt Wohnung
Gebetsmühlenartig wiederholen Internet-Experten, W-Lan-User sollten ihren Anschluss verschlüsseln, um unbekannten Dritten den Zugriff zu versagen. Damit erspart man sich nicht nur Datendiebstahl, sondern auch eine Polizeirazzia.
Diese Erfahrung machte dieser Tage ein 38-jähriger Mann aus Recklinghausen, dessen Wohnung von einem SEK gestürmt worden war. Über seine IP-Adresse waren in einem Chat Drohungen ausgestoßen worden, die die Polizei offensichtlich ernst genommen hatte. Bloß hatte der 38-jährige weder gechattet noch Drohungen formuliert. Das war der Nachbar, der über den ungesicherten W-Lan-Zugang online gegangen war.
Nun versucht der W-Lan-Besitzer, zumindest eine Kostenerstattung für seine vom SEK eingetretene Wohnungstür zu bekommen. Die Polizei aber denkt gar nicht daran. Sie gab dem Anwalt des Recklinghauseners kühl zur Antwort: "Durch den Betrieb einer ungesicherten W-Lan-Verbindung hat der Betroffene einen Schadensersatzanspruch verwirkt."
Schon wieder Kreditkarten-Hack
Schon wieder ist es Hackern gelungen, an eine große Menge von Kreditkartennummern zu gelangen. Diesmal war es Network Solutions, dessen Server das Ziel der Cyberattacke wurden.
Dort waren die Daten von gewerblichen Kunden gespeichert, die ein Hacker durch ein heimlich installiertes Schnüffelprogramm ausspähen konnte. Über ein Vierteljahr lang konnte er so Transaktionen von knapp 600.000 Kreditkartenbesitzern mitverfolgen. Zumeist sind kleine Selbständige wie Betreiber von Tante-Emma-Läden betroffen. Network Solutions entschuldigte sich umgehend und versprach, jedem Betroffenen die Kosten für eine zwölfmonatige Transaktionsüberwachung zu erstatten, um mögliche missbräuchliche Abhebungen auszuschließen.
Chinesische Hacker legen australische Filmfestival-Website lahm
Nicht aus Profitgier, sondern wohl in regierungsoffiziellem Auftrag - oder aus nationalistischem Eifer - waren Hacker unterwegs, die die Web-Seite von Australiens größtem Filmfestival vorübergehend lahmlegten. Auf der Veranstaltung sollte ursprünglich eine Dokumentation über Uiguren gezeigt werden. Wer die Seite des Festival aufrief, bekam zwischenzeitlich nur die chinesische Flagge zu Gesicht sowie Beschimpfungen der in den USA lebende Uiguren-Anführerin Rebiya Kadeer.
Kippt Frankreich US-Zugriff auf EU-Bankdaten?
Gegen die Bereitwilligkeit der EU, Daten über europainterne Finanztransaktionen auch an US-Behörden weiterzuleiten, hat sich schnell umfassender Protest gebildet. Allerdings könnte die Angelegenheit ohnehin noch eine Weile auf Eis liegen, auch wenn heute die EU-Außenminister der EU-Kommission ein entsprechendes Verhandlungsmandat erteilen wollen. Wie "Futurezone" berichtet, hat Frankreich das Projekt unter Parlamentsvorbehalt gestellt. So lange also die Nationalversammlung in Paris dem Ansinnen nicht entspricht, bleibt wenigstens bis zum Ende der Sommerpause alles beim alten.
Kritische Sicherheitslücke: Sonderflicken für Internet Explorer
Ganz außer der Reihe überrascht der Software-Riese aus Redmond seine Gemeinde mit einem Security Patch. Das Sicherheitsflicken scheint wirklich so nötig zu sein, dass ihn Microsoft außerhalb des üblichen Rhythmus noch vor dem 28. Juli herausgibt. Wie das Security Bulletin informiert, weist der Internet Explorer der Versionen 5-8 eine kritische Sicherheitslücke auf.
Keine Zeit: Mädchen spielen weniger als Jungen
Mädchen lieben rosa und sind verspielt. Kann sein, aber das gilt nicht für die digitale Welt. Das sagt jedenfalls eine Studie der Michigan State University. Zumindest junge Studentinnen verbringen weniger Zeit mit Videospielen als ihre männlichen Kommilitonen. Was kein Wunder ist, denn die jungen Frauen wenden durchschnittlich 16 Stunden pro Woche mehr für Lernen und Jobs auf als männliche Studenten. Bei der Befragung von 276 Probanden gaben die Männer an, mit neun Stunden am Tag im Vergleich zu Frauen über mehr als doppelt so viel Freizeit zu verfügen.
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