Von Frank Patalong
Für Tech-Journalisten ist Opera so etwas wie ein geschätzter alter Bekannter, den man ab und zu sieht und jedes Mal überrascht ist, wie jung er geblieben ist. Bereits seit 1996 veröffentlicht das gleichnamige norwegische Unternehmen Web-Browser, die oft genug Trends setzten und Features einführten, die von Konkurrenten allzu oft erst Jahre später kopiert wurden. In vielerlei Hinsicht ist Opera seit langem wohl der innovativste Browser-Entwickler überhaupt - nur ausgezahlt hat sich das bisher nicht.
Denn zum einen besitzt Opera zwar eine Schar ganz besonders begeisterter Fans, die bei jedem Artikel über andere Browser E-Mail-Lawinen der Marke "Gibt's bei Opera schon!" oder "Das haben die geklaut!" auf den Weg schicken. Zum anderen nervt das nicht allzu sehr, weil man erstens weiß, dass das ja oft stimmt, zum anderen aber auch nicht allzu viele E-Mails ins Postfach rauschen: Wie auch, bei einem Marktanteil, der irgendwo zwischen 0,7 und 1,2 Prozent vor sich hin dümpelt?
Man muss sich fragen, womit die Norweger das verdient haben. Auch Opera 10 dokumentiert einmal mehr, dass sie ihr Handwerk verstehen. Die neue, am 1. September veröffentlichte Version bietet zwar keine Fülle an neuen Features, aber eindrucksvolle Verbesserungen im Detail. Der Aufbau des Browsers ist dabei so durchdacht, dass sich fast alles intuitiv erschließt.
Was zeichnet Opera 10 aus?
Das herausragende Merkmal des neuen Browsers ist Geschwindigkeit. Dafür sorgen zum einen Navigationselemente, die uns nicht nur Vor- und Zurückblättern lassen, sondern auch - so wie beim DVD-Player - ganz vor oder ganz zurück. Dafür sorgen der integrierte RSS- und Atom-Feed-Reader, dazu das Mailprogramm. Dafür sorgt aber offensichtlich auch eine Rendering-Engine, die es in sich hat: Opera baut Seiten merklich schneller auf als Internet Explorer oder Firefox, frisst dabei aber weniger Ressourcen. Während etwa Firefox nach 124.000 kb Ressource fragt, um die Startseite von SPIEGEL ONLINE darzustellen, begnügt sich Opera mit 52.000 kb.
Die einmal heruntergeladene Seite behandelt Opera dann fast, als wäre die eine Vektorgrafik: Man kann einfach über die Plus- und Minustaste hinein- und herauszoomen, ohne dass die dargestellte Grafik in dem Maße verpixelte, wie man das erwarten würde (siehe Bildergalerie oben). Außer man nutzt das neue Turbo-Feature.
Turbo: Schnellgrafik für lahme Leitungen
Mit dem Turbo lässt sich der Aufbau einer Web-Seite um den Faktor 3 beschleunigen. Gedacht ist das, um Menschen mit dürren Netzanbindungen per Modem, ISDN oder Mini-DSL das Leben zu erleichtern.
Klappt es? Natürlich tut es das: Opera verzichtet dabei einfach auf den Download und die Darstellung der Grafiken in ihrer vollen Qualität. Opera stellt also Seiten mit abgespeckten bildlichen Elementen dar und nennt das eine "Kompression". Doch wie kann das sein?
Ganz einfach: Das Turbo-Feature funktioniert mit Hilfe eines Proxy-Servers. Es ist also nicht der Browser, der die Grafikelemente herunterskaliert, sondern ein Server der Firma Opera, der dem Browser auf Anfrage abgespeckte Seiten zur Verfügung stellt. Ein nicht ganz unwichtiger Unterschied, weil das natürlich Vertrauen voraussetzt: Wer mit aktiviertem Turbo surft, hinterlässt eine Datenspur auf den Servern der Firma Opera in Oslo.
Unter normalen Umständen wird aber kaum jemand den Turbo nutzen. Der Browser ist so schnell, dass der Unterschied bei einer breitbandigen Verbindung mit dem Web gar nicht auffällt. Der Turbo lohnt sich, wenn man beispielsweise per Funk-Modemkarte und Laptop im Web unterwegs ist - denn natürlich schränkt er zugleich die übertragene Datenmenge ein, was sich in diesem Fall sogar preislich günstig niederschlägt.
Ansonsten hat Opera an zahlreichen Punkten gefeilt, die Navigation und Darstellung betreffen. Die wichtigsten Features haben wir in der Bildergalerie (siehe oben) zusammengefasst. Als erster Eindruck bleibt: Opera 10 ist ein schneller, übersichtlicher Browser mit schönen und nützlichen Features, der zumindest Internet Explorer und Firefox ein wenig blass aussehen lässt. Wie stabil er läuft, wird erst ein längerer Test zeigen. Den wagen heute, am Tag der Veröffentlichung, offenbar eine ganze Menge Leute: Zeitweilig herrschte Datenstau auf den Seiten von Opera.
Wenn man durchkommt, ist der Download allerdings schnell erledigt: Die Installationsdatei ist knapp über 8 MB klein, auch auf der Festplatte nimmt das installierte Programm später gerade einmal 21 Megabyte in Anspruch. Hut ab, Opera: Schlank bist du auch noch.
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