03. November 2009, 12:23 Uhr

Pay-TV per Internet

Apple plant angeblich TV-Abos

Jetzt soll Apple auch noch das Bezahlfernsehen umkrempeln. Bereits in wenigen Monaten könnte das Unternehmen Pay-TV per iTunes-Abo anbieten, berichtet ein US-Experte. Zuvor müssen allerdings die TV-Sender überzeugt werden - die sind von der Idee nicht unbedingt begeistert.

Mit dem Abo-Angebot wolle Apple herkömmliches Bezahlfernsehen nicht ersetzen, sondern ergänzen, schreibt Technik-Autor Peter Kafka bei All Things Digital. Mehrere Quellen hätten ihm bestätigt, dass Mitarbeiter des kalifornischen Unternehmens derzeit bei US-Fernsehsendern hausieren gehen, um diese als Partner für das geplante Angebot zu werben. Die Einführung des neuen TV-Dienstes sei für Anfang 2010 geplant, derzeit werde ein Monatspreis von 30 Dollar angepeilt.

Ein möglicher Partner für die Einführung des Angebots könnte demnach der Disney-Konzern sein. Das liegt nahe, da Apple-Chef Steve Jobs Disneys größter Anteilseigner ist. Wohl nicht nur deshalb war Disney der erste Konzern, der Filme zum Kauf via iTunes anbot.

Die naheliegende Vermutung, ein TV-Angebot wie Apple es Kafka zufolge plant, würde an die Settop-Box Apple TV gebunden, bestätigt der Bericht aber nicht. Stattdessen soll offenbar Apples Mediensoftware iTunes als Dreh- und Angelpunkt des Angebots fungieren. Auf diese Weise könnten Kunden des Abo-Dienstes die abonnierten TV-Programme auf verschiedenen Geräten, wie etwa einem PC, einem iPod und einer Settop-Box, nutzen.

Vom Grundsatz sind ähnliche Szenarien zumindest eingeschränkt schon jetzt realisierbar. So bietet Apple im iTunes Store nicht nur einzelne Folgen von TV-Serien, sondern auch sogenannte Season Passes an, die letztlich nichts anderes als Abos darstellen, die allerdings auf jeweils eine TV-Serie beschränkt sind. Neue Folgen der abonnierten Serien bekommen Käufer eines Season Pass automatisch überspielt, sobald diese im TV gesendet werden.

Wer würde für ein iTunes-TV zahlen?

Im Unterschied zu diesem sehr selektiven Modell soll das geplante iTunes-TV-Abo offenbar das gesamte Programm verschiedener Sender umfassen. Mit einem solchen Angebot stelle sich der iPhone-Konzern in direkte Konkurrenz zu den Kabelnetzbetreibern, die mit Pay TV fette Gewinne einfahren. Anders als in Deutschland ist Bezahlfernsehen in den USA ein gewinnbringendes Geschäftsmodell. Für Amerikaner ist es ganz normal, für Premium-Programme zu bezahlen.

Darüber, wie viele Kunden Apple mit einem TV-Abo erreichen könnte, gibt es allerdings keine verlässlichen Zahlen. Kafka verweist darauf, dass Apple bereits 100 Millionen iTunes-Kunden gewonnen hat. Dabei lässt er außer acht, dass die nicht alle in den USA leben, sondern über den ganzen Globus verteilt sind. Apples TV-Abo jedoch wäre vorerst auf die Vereinigten Staaten beschränkt.

Die rund 41,5 Millionen Kabelhaushalte in den USA davon zu überzeugen, zusätzlich oder anstelle ihrer Pay-TV-Abos ein TV-Abo via iTunes zu beziehen, dürfte schwierig werden. Schließlich gilt Kabelfernsehen und vor allem Pay-TV in den USA durchaus als Statussymbol.

Die Anbieter sind nicht begeistert

Zudem könnte ein zusätzliche Vertriebskanal iTunes für die Programmanbieter negative Auswirkungen haben. Denn deren Erlöse aus Werbung verhalten sich proportional zu ihren Einschaltquoten. Diese für den TV-Werbemarkt ausschlaggebende Messgröße könnte durch ein erfolgreiches Online-TV-Abo beeinflusst werden, da Zuschauer, die Fernsehsendungen online schauen, von den üblichen Messsystemen nicht erfasst werden. Eben deshalb dürften TV-Sender sich einem möglichen iTunes-TV gegenüber vorerst zurückhaltend verhalten.

Allzu lange sollten die jedoch nicht abwarten, denn mit der Idee eines Online-Bezahlfernsehens steht Apple nicht allein da. So arbeitet der US-Videodienst Hulu offenbar ebenfalls an einem Geschäftsmodell, das neben Leih- und Kauffilmen auch Abonnements umfassen soll, und auch YouTube hat bereits einen Online-Videoverleih in den Startlöchern. Mit einem vorzeigbaren Angebot kann aber noch kein Anbieter glänzen, Apple könnte hier noch den Vorreiter spielen.

Ob sich Kafkas Prognosen aber tatsächlich bewahrheiten, steht in den Sternen. Nicht nur wegen der Zurückhaltung der Programmanbieter, sondern auch wegen Apples Informationspolitik. Bislang hat sich das Unternehmen zu Kafkas Prognosen nicht geäußert, wird das wohl auch kaum tun. Über ungelegte Eier, das ist Firmenpolitik, wird nicht geredet.

mak


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