23. November 2009, 13:36 Uhr

Zwitscherdienst

Twitter verliert Nutzer, will endlich Geld verdienen

Je höher man fliegt, desto tiefer fällt man auch. US-Marktstudien zufolge hat der hippe Kurznachrichtendienst Twitter mit einem massiven Rückgang der Nutzerzahlen zu kämpfen. Die Nachricht kommt Plänen des Unternehmens in die Quere, nun doch mit Werbung Geld zu machen.

Der Absturz könnte brutaler nicht sein. Nachdem die Marktforscher von Compete und ComScore in den letzten Monaten bereits einstellige Rückgänge bei der Twitternutzung gemeldet haben, schlägt die neueste Zahl wie ein Hammer ein: Um satte 27,8 Prozent sei Twitters Nutzerzahl von September bis Oktober eingebrochen, berichtet eMarketer. Die Daten selbst stammen von der Marktforschungsfirma Nielsen. Eine Google-AdPlaner-Auswertung, die dem Branchenmagazin Meedia vorliegt, bestätigt diese Zahlen.

Zum Teil lasse sich der dramatische Rückgang mit der zunehmenden Nutzung von Twitter-Software zum Lesen von Twitter-Nachrichten erklären, so eMarketer. Mittlerweile würden 43 Prozent der Twitter-User auf den Dienst über solche Software und nicht per Webbrowser zugreifen, wodurch sie aus der Zählung fallen. Weitere 19 Prozent lassen sich die Tweets genannten Kurznachrichten per SMS aufs Handy senden.

Eine weitere Fehlstelle in der Nutzerzählung soll zudem die rasant zunehmende Nutzung von Smartphones für den Web-Zugang, und damit auch die Twitter-Nutzung, sein. Laut Nielsen haben im dritten Quartal 2009 erstmals die Hälfte aller Internetnutzer in den USA über ein solches Mobilgerät auf das Internet zugegriffen.

Nicht thematisiert wird von den Marktforschern, das parallel ja auch ein anderer Twitter-Boom weitgehend beendet scheint: Im Sommer 2009 meldeten Nachrichtenagenturen und Medien jede noch so kleine Lapalie um den zu diesem Zeitpunkt stark gehypten Dienst. Inzwischen ist es ruhiger darum geworden - womit sich auch weniger Neugierige in die Zwitscher-Zone verirren dürften.

Zenit erreicht - Zeit fürs Geldverdienen?

Als schwerwiegender für die Zukunft des Zwitscherdienstes sehen diverse Hightech-Auguren Meedia zufolge allerdings den dramatische Anstieg von Spam-Tweets an. Einige Marketing-Spezialisten würden schon heute ihren Lebensunterhalt damit bestreiten, Werbebotschaften in ihre Tweets einzustreuen, wird Paul Carr vom Tech-Blog Techcrunch zitiert.

Da mag es nur Zufall sein oder aber auch schon der Versuch, in der Krise gegenzusteuern, wenn Twitter-Geschäftsführer Dick Costolo im Gespräch mit Techcrunch den Einstieg ins Werbegeschäft ankündigt. Wie das neue Reklamemodell genau aussehen soll, blieb unklar. Costolo raunte geheimnisvoll, es "wird faszinierend, nicht traditionell. Die Leute werden es lieben". Er ließ sich nur noch das Detail entlocken, das Ganze werde nicht mit der Retweet-Funktion verbunden werden. Die " Los Angeles Times" blickt derweil schon tiefer in die Kristallkugel und mutmaßt, ein mögliches Erlösmodell sei der kostenpflichtige Abruf der eigenen Twitterdaten.

mak/meu


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