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Computersicherheit: 18-Jähriger findet 190.000 ungeschützte Festplatten im Netz

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Ein Student kann sich ganz in Ruhe auf Festplatten rund um die Welt umsehen - weil sie völlig ungeschützt am Netz hängen. Auf den Rechnern findet er Erstaunliches: Passwörter, illegale Filmkopien, geheime Dokumente.

Weltkarte der offenen Netzspeicher: "Zum größten Teil einfach Fahrlässigkeit" Zur Großansicht
Pierre Tempel / Karte: Google

Weltkarte der offenen Netzspeicher: "Zum größten Teil einfach Fahrlässigkeit"

Auf dem Internetserver liegen Filme, die schon am Dateinamen offenkundig als illegale Kopien zu erkennen sind. Ein paar Hollywood-Klassiker sind dabei, überwiegend aber vergleichsweise neue Ware von sehr unterschiedlicher Qualität, angesammelt über einen Zeitraum von mindestens drei Jahren. Es sind Hunderte von Filmen, und im Ordner direkt daneben liegen ergänzend Tausende von MP3-Dateien, säuberlich in Ordner sortiert, von Abba bis The Offspring.

Solche Dateien offen ins Netz zu stellen, ist verboten, nach deutschem Recht gilt das als Verbreitung illegaler Kopien. Und doch hat Pierre Tempel nicht nur einen solchen Server mit Bergen illegaler Kopien gefunden. Sondern Tausende.

Der 18-jährige Informatikstudent hat ein Programm geschrieben, mit dem er das Internet nach offenstehenden Zugängen zu Dateispeichern durchsuchen kann. Dabei zeigte sich, dass sowohl Firmenserver als auch private Netzwerkfestplatten zu Zehntausenden völlig ungeschützt am Netz hängen. Insgesamt umfasst die Liste, die Tempels Software bislang zusammengestellt hat, mehr als 190.000 Einträge. Sie liegt SPIEGEL ONLINE vor. Die betroffenen Rechner und Festplatten sind rund um den Globus verteilt, allein in Deutschland stehen - der IP-Adresse nach zu urteilen - über Zehntausend davon. Auf einem davon fand Tempel zum Beispiel 1,2 Terabyte illegale Filmkopien. Die meisten betroffenen Netzwerkspeicher stehen demnach in den USA, aber auch in Kanada, China, Japan, Russland und in Deutschland stehen viele Laufwerke der ganzen Welt offen.

Auf einem Server, der der Tochter eines großen deutschen Automobilherstellers gehört, lagen sogar Konzeptpapiere und Bewerberunterlagen, völlig ungeschützt. "Es existierte nicht einmal ein Passwortdialog irgendeiner Art", sagt Tempel. "Jeder, der über die entsprechende Adresse verfügte, konnte nach Belieben die kompletten Dokumente herunterladen."

Ausprobieren kann schon reichen

"Zum größten Teil ist das einfach Fahrlässigkeit", sagt Tempel. So ein Netzwerkspeicher, auch Network Attached Storage (NAS) genannt, ist eine praktische Angelegenheit: Man kann damit beispielsweise im Heimnetzwerk Daten hin- und herschieben, Filme oder Musik von dort zum TV-Gerät oder der Stereoanlage streamen - und bei Bedarf auf die eigenen Daten auch aus der Ferne, über das Internet zugreifen. Viele Netzwerkfestplatten bieten dem Eigentümer nämlich die Möglichkeit, einen Fernzugang einzurichten.

Genau da aber liegt das Problem, sagt Tempel: "Die Hersteller müssten die Nutzer eigentlich zwingen, dabei ein Passwort einzurichten." Das aber täten viele augenscheinlich nicht - so dass die Netzlaufwerke einen anonymen Zugang aufweisen, der sich ohne Eingabe eines Passworts ausnutzen lässt. Man muss nur die IP-Adresse des Gerätes kennen - oder, so wie Tempels Software, durch Ausprobieren herausfinden.

Die Fahrlässigkeit von Privatnutzern und Firmen-Administratoren höre aber bei der Einrichtung solcher Zugänge nicht auf, so der Student: "Man darf natürlich auch keine Passwörter im Klartext auf einem Server ablegen." Genau das aber tun sehr viele Menschen offenbar. Da war zum Beispiel der deutsche Elektrohandwerksbetrieb, dessen Netzwerkadministrator eine Liste mit den E-Mail-Nutzernamen und Passwörtern der eigenen Mitarbeiter in einem Textdokument gesichert hat - in einem offen am Netz hängenden Netzlaufwerk. Das Beispiel ist nur eins von sehr vielen.

Auch Login-Daten und Passwörter für weitere Cloud-Speicher wie Dropbox oder Google Drive fand Tempels Suchprogramm im Netz, "etwa 15.000 Zugänge", sagt Tempel.

Für Besitzer solcher Netzwerkspeicher gibt es einen einfachen Ratschlag: Bei der Einrichtung eines Web-Zugangs unbedingt sicherstellen, dass der mit einem entsprechend schwer zu knackenden Passwort ausgestattet ist - und kein weiterer, anonymer Zugang ohne Passwortschutz besteht. Geheim ist die Tatsache, dass diese simple Lücke existiert, nicht, beim Hackerkongress 31C3 zum Jahreswechsel in Hamburg etwa war sie bereits Thema.

Tempel warnt: "Ich bin nicht der Einzige, der das macht. Und andere haben womöglich die Absicht, das zu missbrauchen."

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insgesamt 77 Beiträge
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1. Und derweil rattern..
gott777 20.02.2015
...die Festplatten von Spiegel Online und saugen soviel sie können ;-) Könnte ja journalistisch interessantes brisantes Material dabei sein, oder der nächste Film für den Heimkinoabend... Auf gut Deutsch also ein kleines Bruteforce-Programm das einfach alle möglichen IP-Adressen durchgeht, alle öffenbare abspeichert und evtl. einen Verzeichnisbaum gleich mitspeichert, damit man sieht ob sich das reinschauen lohnt?
2. 18-Jähriger findet 190.000 ungeschützte Festplatten
SebastianRunge 20.02.2015
Setzt man die 2.000.000.000 Internetnutzer dem entgegen, sind doch tatsächlich 0.0095 % bedroht .... Das stimmt glücklich. Die eigentliche Frage ist doch, ob der Student den § 202a StGB kennt (Das Ausspähen von Daten, also die Erlangung des Zugangs zu fremden Daten, [...] wird mit Haftstrafe bis zu drei Jahren [...] bestraft.)
3.
bismarck_utopia 20.02.2015
Das ist doch nichts Neues, und um solche offenen Scheunentore zu finden, braucht man auch kein Informatikstudent zu sein. Mit "gnoom.de" (Downloads > "Versteckte Dateien"), oder mit ein paar Kniffen auch manuell per Google, kann jeder 7-jährige auf die weltweite Suche derartigem Material gehen.
4. Schon immer
disi123 20.02.2015
Das war schon immer so. Es gibt genuegend ftp-scanner, da haetter er nicht noch einen eigenen schreiben muessen im Rahmen seines Schulprojects? Im IRC werden auch heute noch ungeschuetzte ftp Zugaenge fuer file sharing genutzt.
5.
timoborriss1 20.02.2015
Zitat von SebastianRungeSetzt man die 2.000.000.000 Internetnutzer dem entgegen, sind doch tatsächlich 0.0095 % bedroht .... Das stimmt glücklich. Die eigentliche Frage ist doch, ob der Student den § 202a StGB kennt (Das Ausspähen von Daten, also die Erlangung des Zugangs zu fremden Daten, [...] wird mit Haftstrafe bis zu drei Jahren [...] bestraft.)
Die Frage ist, ob Sie den Paragrafen, den Sie hier unvollständig zitieren überhaupt selbst kennen... "(1) Wer unbefugt sich oder einem anderen Zugang zu Daten, die nicht für ihn bestimmt und die gegen unberechtigten Zugang besonders gesichert sind, unter Überwindung der Zugangssicherung verschafft, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft." Ich hebe es auch gerne hervor "(...) und die gegen unberechtigten Zugang besonders gesichert sind, unter Überwindung der Zugangssicherung verschafft (...)"
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Schad- und Spähsoftware
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Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potenziell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.


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