Hackerkonferenz Defcon: Sex, Drogen und Technologie

Aus Las Vegas berichtet

Vorträge? Welche Vorträge? Die Hacker-Konferenz Defcon feiert in diesem Jahr Jubiläum - und wohl auch einen Besucherrekord. Das Lerntreffen einiger weniger Computerfreaks ist gewachsen wie die Szene selbst - und hat sich in einen riesigen Party-Moloch verwandelt.

Verspielt und verwirrend: Die Hacker-Konferenz Defcon Fotos
SPIEGEL ONLINE

Ob man als Mensch gilt oder nicht, legen die Organisatoren der Hacker-Konferenz Defcon schon an der Tür fest. Bei der Anmeldung teilt sich der Besucherstrom in zwei Kategorien auf: Als "human" gelten alle regulären Teilnehmer, während Helfer, Sprecher und auch die geduldeten Journalisten als "inhuman" gelten. Damit jeder gleich sieht, ob er es mit einem Menschen zu tun hat, gibt es je nach Funktion ein spezielles Teilnehmer-Badge in einer bestimmten Farbe. Nur damit kommt man herein in die wohl größte Hacker-Konferenz der Welt, die in diesem Jahr in Las Vegas ihren 20. Geburtstag feiert.

Einst hat sie klein angefangen: Der Hacker Jeff Moss (bekannt auch unter dem Spitznamen The Dark Tangent) plante die erste Defcon als Party für einen seiner Freunde, der dann aber doch nicht dabei sein konnte. Das Hacker-Treffen fand trotzdem statt, mit gut hundert Teilnehmern. Die waren Anfang der neunziger Jahre begeistert, die damals noch überschaubare Szene geballt an einem Ort zu treffen. Seitdem findet die Konferenz jährlich statt - und wächst stetig.

"Als ich diesen Wahnsinn vor langer Zeit gestartet habe, hätte ich nie gedacht, dass ich das 20 Jahre lang tun würde", schreibt Moss in einem Grußwort an seine Gäste. Damals habe er versucht, "die Wissenden mit den Neugierigen zusammenzubringen", es sollte ein Lerntreffen sein, wurde aber mit dem Wachstum der Hacker-Szene immer umfangreicher. "In diesem Jahr gibt es mehr von allem, nehmt mich beim Wort", so Moss. Vor allem gibt es mehr Menschen. Seit dem Anfang hat sich die Besucherzahl verhundertfacht: Für die diesjährige Auflage haben die Veranstalter allein 15.000 reguläre Teilnehmer-Badges herstellen lassen.

Stundenlang anstehen für Vorträge

Und die haben es in sich. Die elektronischen Badges sind kleine Technikkunstwerke und Teil eines großen verworrenen Rätsels. Um das zu lösen, braucht man Hardware- und Softwarebastler sowie hartgesottene Rätselfans. Die sollten Freude daran haben, das Rio-Hotel, in dem die Defcon stattfindet, nach Zahlencodes absuchen, die sich beispielsweise in den Kunstwerken, die in den Boden eingelassen sind, verstecken. Ein Clou: Die Badges können miteinander kommunizieren, wenn man sie aneinander hält. Um das Rätsel lösen zu können, muss man so viele Menschen wie möglich ansprechen und ihre Badges scannen - und kommt so schnell mit anderen Teilnehmern ins Gespräch.

Das Badges-Rätsel ist nur eines von vielen Spielen, und es passt zum Charakter der Konferenz. Zwar gibt es an den drei Tagen ein großes Vortragsprogramm - in den Sälen geht es um Near Field Communication (NFC), den Cyberkrieg, um Roboterbau oder darum, ob Megaupload nun zu verurteilen ist oder nicht. Doch da kommt nur ein Bruchteil der Besucher hinein. Die Konferenz ist so überlaufen, dass man für einen Vortrag mindestens eine Stunde anstehen muss - um dann womöglich trotzdem nicht reinzukommen.

Statt eines Computers lieber Met mitbringen

Viele stört das offenbar nicht. Denn in Wahrheit ist die Defcon eine riesige Party, mit Pool-Feten und Trinkspielen, mit einem Casino und dem ganzen Hotel als Spielplatz. "Die Defcon ist Chaos. Sie ist verrückt und ziemlich voll", sagt Dan Kaminsky, der als Sicherheitspezialist auch diesmal einen Vortrag hält. "Aber für viele Amerikaner ist das gleichzeitig ihr Jahresurlaub, da wollen sie es auch mal krachen lassen."

Wie das aussieht, ist in den Räumen drumherum zu beobachten: In einer Ecke lässt sich ein Teilnehmer nach dem anderen einen Irokesenschnitt verpassen, das Honorar der Friseurinnen wird gespendet. Andernorts wird abends Hacker-Jeopardy gespielt, ein berüchtigtes Quiz, bei dem die Teilnehmer nicht nur viel wissen, sondern auch viel trinken müssen - und bei dem jede Menge nackte Haut gezeigt wird.

Geschlafen wird wenig, gehackt dafür alles, deshalb hat ein Teil der Gemeinschaft den Rechner sowieso zu Hause gelassen. "Stattdessen habe ich aber vier Gallonen Met in meinem Auto mitgebracht", sagt ein Hacker aus Phoenix und zeigt stumm auf das bedruckte T-Shirt eines Vorbeigehenden, das die Veranstaltung recht präzise zusammenfasst: "Sex, Drogen und Technologie".

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1. VIPs wanted
MrStoneStupid 29.07.2012
Bedeutentere, wichtigere Veranstaltungen (Konferenzen, etc.) sollten einen größeren Anteil der Plätze für VIPs (http://de.wikipedia.org/wiki/V.I.P.) reservieren, z.B. 30% für Jornalisten, Staatsbeamte, Vertreter anerkannter Organisationen und 15% für sonstige Berühmtheiten, Reiche. Die VIPs zahlen i.a. mehr aber müssen dafür nicht warten, haben reservierte Plätze. Man kann noch zusätzliche 5% der Plätze mit VIP-Status billig über's Internet verteilen, in diesem Fall z.B. an berühmte Hacker, Programmierer, Blogger. Die VIP-Quote (in diesem Beispiel 50%) kann je nach Veranstaltung variabel sein aber 50% ist eigentlich schon gar nicht so blöd, denn man kann unbesetze VIP-Plätze auch mit Normalos auffüllen. Es macht Sinn, mutmaßliche/anerkannte Multiplikatoren vor irgendwelchen Partyfreaks und Möchtegerns zu bevorzugen. An der Defcon haben ca. 7 Milliarden Menschen nicht teilgenommen - also kein Problem, wenn in Zukunft ein paar Normalos den VIPs weichen müssen. (imho)
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