20 Jahre Internet Movie Database: Im Clubhaus der Kinojunkies

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Die größte Filmdatenbank der Welt wurde als Hobbyprojekt von ein paar Fans geschaffen, heute ist sie aus dem Netz so wenig wegzudenken wie Wikipedia oder Google. Seit zwanzig Jahren existiert die Internet Movie Database jetzt - und ihr Gründer ist noch immer an Bord.

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Internet Movie Database: Platz 38 der Weltrangliste

Von all den Segnungen, die das Internet uns gebracht hat, ist sie eine der schönsten - und doch wird sie unterschätzt. Als Nischen- und Spezialisten-Nachschlagewerk wird sie wohl immer im Schatten von Wikipedia stehen. Für Fans des bewegten Bildes aber ist sie die Erfüllung eines Traums: Das definitive und unverzichtbare Nachschlagewerk für alle, die unbedingt wissen müssen, wie die blaugesichtigen Alien-Indianer in "Avatar" eigentlich in Wirklichkeit aussehen oder in welcher Fernsehserie der krebskranke Chemielehrer/Drogenkoch/Familienvater aus "Breaking Bad" vorher mitgespielt hat (es war die Familien-Sitcom "Malcom mittendrin").

Die Internet Movie Database (anfangs hieß sie Combined List & Movie Ratings Report) ist nun schon seit 20 Jahren ein Ort, an dem Filmfans sich verlieren können, an dem man sich von Darsteller zu Darsteller, Regisseur zu Regisseur und Film zu Film durch die Geschichte der Bewegtbild-Unterhaltung hangeln kann. Sie wurde zu einem einfach zu bedienenden, fast immer fehlerfrei funktionierenden Werkzeug, das einem helfen konnte, das lästige "der Name liegt mir auf der Zunge"-Gefühl in Sekundenschnelle zu beseitigen. Und dabei unerwartete Zusatzinformationen zu liefern wie die, dass der Chemielehrer/Drogenkoch/Familienvater-Darsteller Bryan Cranston früher mal in "Seinfeld" und "Akte X" Nebenrollen spielen musste, und Mitte der Neunziger als Synchronsprecher für japanische Anime-Filme gearbeitet hat.

Von Nerds für Nerds

Gegründet hat die Datenbank einer, der genau zu der Sorte Kino-Nerd gehört, die sich ihr Leben ohne IMDb heute nicht mehr vorstellen kann. Der Brite Col Needham war Ende der Achtziger damit beschäftigt, sich so viele Filme wie möglich anzusehen - so viele, dass er langsam den Überblick darüber verlor, was er schon gesehen hatte und was nicht. Die langen Listen, die er daraufhin anzufertigen begann, waren eine Keimzelle dessen, was heute als die erfolgreichste Filmdatenbank der Welt gelten darf. Weil Needham für Hewlett Packard arbeitete und Zugang zu vernetzten Computern hatte, legte er seine Listen auf Rechnern ab, so dass auch seine ebenfalls filmverrückten Freunde darauf zugreifen konnten. "Das ist schrecklich geeky, aber am Ende ist ja alles gut gegangen", sagte Needham 2004 einer Reporterin von "L.A. Weekly".

Nachdem die Frühform der Filmdatenbank im Jahr 1990 - drei Jahre vor Veröffentlichung des ersten kommerziellen Web-Browsers - im damals noch reichlich obskuren, in erster Linie von Universitäten betriebenen Internet online gegangen war, entwickelten sich die Dinge zuerst langsam weiter. 1993, zwei Jahre nachdem Tim Berners-Lee in der Schweiz die erste Web-Seite livegeschaltet hatte, wurde aus der Datenbank ein WWW-Angebot, das noch immer ein reines Hobbyprojekt war.

Im Web blühte die Datenbank auf, die Nutzerzahlen wuchsen von Woche zu Woche. Bereits 1995 verdoppelte sich der Traffic wöchentlich. Längst hatte Needham das Angebot, von den bereits völlig überforderten Servern der Cardiff University in Wales auf Rechner überall in der Welt verteilt auszuweichen - Universitäten in verschiedensten Ländern steuerten ein bisschen Speicherplatz bei, von Korea bis Island, von Japan bis Deutschland. Irgendwann aber kam Needham die Idee, dass man das Ganze doch vielleicht auch kommerziell organisieren könnte.

Der "New York Times" (NYT) sagte er einmal: "Wir haben uns nicht hingesetzt und uns überlegt: 'Wie verdient man im Internet am besten Geld?'" Die Datenbank sei ihm und seinen Mitstreitern einfach eine Herzensangelegenheit gewesen: "Als wir die Firma gründeten, gab es noch keine kommerzielle Nutzung des Internets." 1996 hatte Needham entschieden, die Herzensangelegenheit mit einem Geschäftsmodell auszustatten: Er startete IMDb.com als kommerzielle Web-Seite und warb einen ersten Werbekunden an.

Besuch vom Amazon-Gründer

Anfang 1998 war IMDb.com bereits eine der populärsten Websites der Welt, mit 18 Millionen Besuchern im Monat. Da nahm Amazon-Gründer Jeff Bezos mit Needham Kontakt auf. Der Gründer des Internet-Buchhändlers, der damals tatsächlich hauptsächlich Bücher verkaufte, plante eine Erweiterung des Sortiments um DVDs und Videokassetten. Da kam ihm die inzwischen auf 400.000 Filmeinträge angewachsene Datenbank von Fans für Fans gerade recht. Bezos kaufte IMDb.com im April 1998.

Der Rest von Needhams inzwischen auf viele Dutzend Mitarbeiter (die genaue Zahl verrät er nicht) angewachsene Mannschaft ist rund um den Globus verteilt. Kommuniziert wird über Telefon, E-Mail und Instant Messaging. Der NYT sagte Needham: "Unsere Firmenzentrale ist im Internet."

Tatsächlich ist die Mannschaft, die diese Datenbank pflegt und ständig erweitert, viel größer. Die meisten Mitarbeiter sitzen an Rechnern in aller Welt, in Universitätsbibliotheken, Internet-Cafés oder zu Hause am Schreibtisch: Filmfans, die eigene Kurzkritiken, Informationsschnipsel über Filme, Schauspieler, Regisseure beitragen, sogenannte Trivia, und mit ihren Ein-Klick-Bewertungen das bis heute höchst umstrittene Rating-System der Datenbank füttern. Kann "Die Verurteilten" ("The Shawshank Redemption"), der Gefängnisfilm mit Tim Robbins und Morgan Freeman, wirklich als bester Film aller Zeiten gelten?

Aber genau die subjektive, erratische Natur des Angebotes (eine Zeitlang war Disneys Animationsfilm "Wall-E" auf Platz sechs der "Top 250", heute liegt er auf Platz 48) macht einen Teil seines Charmes aus. IMDb ist ein bisschen wie das Internet selbst: Voller Information, aber auch chaotisch, umkämpft, durcheinander. Auch wenn der Geburtstags-Relaunch zum Zwanzigsten das Design ein bisschen weiter in die Gegenwart geholt hat.

Geld verdient wird mit dem Dienst längst - nicht nur, weil Jeff Bezos angeblich Millionen Dollar in Amazon-Aktien dafür bezahlt hat. Die Seite ist voller Werbung, es werden Fotos verkauft, Inhalte an andere Anbieter lizenziert, man kann über IMDb Kinokarten kaufen, und der Dienst IMDb Pro mit zusätzlichen Informationen etwa über Budgets und Details zu Filmproduktionen kostet 16 Dollar im Monat. Die Links zu Amazon, wo man selbstverständlich zu fast jedem Film und jeder Serie die passende DVD bestellen kann, sind immer noch angenehm diskret.

Heute ist IMDb mit 25,6 Millionen Unique Users im Monat die meistgenutzte Film-Site in den USA, vor Yahoo mit 24,3 und Fandango mit 13,4 Millionen Besuchern, wie die Marktforschungsfirma comScore für den Monat August ermittelte. Auf der Rangliste des Marktforschungsunternehmens Alexa mit den meistgenutzten Websites der Welt liegt die Filmdatenbank im Oktober 2010 auf Platz 38.

Needham leitet die Website immer noch von Bristol aus, einmal im Monat fliegt er in die USA zu Amazon nach Seattle. Und dann wieder zurück in sein Traumhaus in einem Vorort von Bristol - wo seine Sammlung von vielen Tausend DVDs auf ihn wartet.

Material von dapd

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 26 Beiträge
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1. Das Bewertungssystem vom IMDB...
karsten112 09.10.2010
... ist bis auf wenige Ausnahmen sehr gut ( Der Pate Triologie ??? ). Filme mit einer Bewertung unter 5,5 braucht man sich meistens nicht anzuschauen ( mal nach den Dr.Uwe Boll Filmen schauen :-) ).Inception ist auf 4, das wird sich aber wieder geben, genau wie Toystory 3 sich nicht lange oben halten wird. Am Ende werden immer solide Klassiker die Wertung anführen. Es gibt auch eine German IMDB, der Hinweis hat gefehlt. Und... natürlich ist "Die Verurteilten " einer der besten Filme aller Zeiten...
2. Herzlichen Glückwunsch an IMDB!
robocop 09.10.2010
Ich kann mich noch daran erinnern (irgendwann Anfang der 90er), als man noch Abfragen zu einem Film per Email absetzen konnte und dann eine Antwort-Email bekam. Damals hatten wir in der Firma nur Email aber kein Web. Heute bin ich fast jeden Tag auf IMDB. Schade ist, dass der gesammelte Datenbestand nicht unter GPL lizenziert ist. Allerdings kann man die Rohdaten (TXT-Format) für private Zwecke herunterladen und z. B. mit eigenen Skripten verarbeiten. Immerhin etwas. Außerdem war eine der Bedingungen für den Verkauf an Amazon, dass die Daten für die Internetgemeinde auch in Zukunft kostenlos bereitgestellt werden müssen.
3. ...
Celegorm 09.10.2010
Die Frage ist wie die ganzen Diskussionen über die Rangliste auf IMDB im Endeffekt unsinnig. Das Ganze ist ja wie jede Form von Bewertung logischerweise rein subjektiv und die Position Ergebnis des Systems. Die Nummer eins ist deswegen auch nicht "der beste Film aller Zeiten", schon nur weil es sowas offenkundig nicht gibt, sondern halt der Film auf der ersten Position im IMDB-Ranking. Was darum auch nicht "richtig" oder "falsch" sein kann, jede Debatte darüber ist so sinnlos wie absurd..
4. Happy Birthday^^
pwndius_pilatus 09.10.2010
Wow...ja die beste Anlaufstelle für Film und alles drumherum im Internet. Und ich muss sagen, es hat sich (zum Glück) über die Jahre nicht wirklich viel geändert.
5. Firefox Add-On
Solfegietto 09.10.2010
Ich nutze imdb seit locker 10 jahren. Das neueste default design hat mich bisher nicht überzeugt, weshalb ich in "site preferences ---> Show previous title and name page design (reference view)" den Haken setzte. Übrigens gibt es für Firefox eine Erweiterung für das (ohnehin vorhandene) kleine Suchfenster rechts oben - also bloß keine neue Leiste oder ähnlicher Müll. Inzwischen muss man aber auch Wikipedia als sinnvolle Ergänzung zu imdb betrachten, gerade was Inhaltsangaben angeht. Kritik: Etwas merkwürdig finde ich, dass ich zB bei einer Titelsuche auch immer den deutschen Titel mit angezeigt bekomme und das obwohl ich mich auf imdb.com (!) bewege. Das ist wohl als Unterstützung gut gemeint, aber ein Trend, den ich häufig auf anderen Seiten beobachte: irgendwie werden da wohl die DNS-Server oder was weiß ich, den Ländern zugeordnet. Habe dieses "Problem" umgangen, indem ich in meinem IMDB-Account wahrheitswidrig einen US-Wohnort angab. Wenn ich schon die .com-Domain wähle, will ich nicht mit der deutschen Sicht bevormundet werden. Logisch, oder?
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