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20 Jahre Photoshop: Satte Farben, scharfe Kurven

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Der beste Freund der Pixelgestalter feiert Geburtstag: Im Februar 1990 kaufen die ersten Bildbearbeiter das Programm Photoshop. Die erste Version erscheint auf drei Disketten für den Mac. Entstanden ist es als Zeitvertreib während einer Doktorarbeit.

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Bildbearbeitung: 20 Jahre Photoshop

Thomas Knoll braucht dringend etwas Zerstreuung: Der Informatiker brütet im Herbst 1987 in Ann Arbor über seiner Doktorarbeit zur redigitalen Bildverarbeitung. Als Zeitvertreib entwirft er ein Programm für seinen Apple Macintosh Plus, das Graustufen-Bilddateien auf dem Schwarzweiß-Monitor des Macs anzeigt. Pragmatisch tauft er den Fotodarsteller Display.

Gut zwei Jahre später kommt eine aufgemotzte Display-Version als kommerzielle Software auf den Markt, unter einem Namen, der inzwischen zum Synonym für Bildbearbeitung geworden ist: Photoshop 1.0 erscheint im Februar 1990, vor 20 Jahren.

Bis dahin ist es ein langer Weg: Thomas Knoll wäre ohne seinen Bruder John nicht darauf gekommen, aus Display ein Geschäft zu machen. John Knoll arbeitet Ende der Achtziger in Kalifornien bei George Lucas Spezialeffekte-Firma Industrial Light & Magic (ILM). Er hat als Teenager viel fotografiert, die Filme in der Dunkelkammer des Vaters entwickelt und wie Thomas am Apple II+ und später dem Macintosh der Familie gearbeitet.

Einer der Photoshop-Entwickler schuftet für George Lucas

Bei ILM experimentiert John Knoll mit computergestützer Bildbearbeitung. Als sein Bruder ihm von dem kleinen Freizeitprojekt Display erzählt, drängt er ihn zum Ausbau. Das Programm soll auch Farbbilder darstellen, verschiedene Dateiformate lesen und schreiben, John besorgt sich einen der neuen Macintosh II Rechner (die haben einen Farbmonitor) und arbeitet parallel zu seinem Bruder an dem Programm. John programmiert Foto-Effekte, die Basis für die späteren Plug-Ins werden, sein Bruder ergänzt Display um Bearbeitungmöglichkeiten wie Farb- und Tonwerkorrektur.

John Knoll nutzte die Software immer wieder für die Arbeit bei ILM, notierte Schwächen der Software im Arbeitsalltag und drängte seinen Bruder zu Anpassungen oder programmierte sie gleich selbst. Bei ILM hat Knoll unter anderem bei der Arbeit an "The Abyss" mit Display gearbeitet. Rückblickend erzählt John Knoll heute im Interview mit Robert Scoble, wie sicher er sich damals war, dass mit Bildarbeitungssoftware ein Geschäft werden könnte: "Wir sollten das verkaufen, sagte ich Thomas."

Bildbearbeitung? Braucht doch keiner!

John Knoll sieht Ende 1987 in den Büros von Apple einen der ersten Scanner und digitalisiert dort den Abzug eines Fotos seiner Frau am Strand von Bora Bora. Diese Aufnahme bearbeitet er dann bei allen Display-Vorführungen. "Es war phantastisch, ich konnte zum Beispiel die Farbe des Wassers anpassen."

Bis zum Sommer 1988 führt John Knoll, manchmal unterstützt von seinem Bruder das Bildverarbeitungsprogramm bei vielen Unternehmen vor. Ein Scanner-Hersteller lizensiert eine frühe Programm-Version als Dreingabe für seine Geräte.

Anfangs nennen die Knoll-Brüder das Programm ImagePro, erwägen sogar den Namen PhotoHut. Auf den heute so bekannten Begriff Photoshop bringt sie bei einer der Produktvorführungen ein Firmenvertreter.

John Knoll verrät nicht, welche Software-Konzerne Photoshop begutachtet haben. Einige große Namen seien darunter gewesen, erzählt er im Gespräch mit Robert Scoble. Von einer Präsentation bei Electronic Arts - dem heutigen Spielekonzern - erzählt er aber dann doch: "Ich habe eineinhalb Stunden die Software vorgeführt, am Ende schaute mich der Manager an und fragte: 'Warum sollte das jemand kaufen? Es ist nicht so einfach zu nutzen wie Malprogramme.'"

Die damals auf Software für das Gestalten von Druckerzeugnissen spezialisierte Firma Adobe sagte dann im Herbst 1988 den Vertrieb zu und handelte ein Lizenzabkommen mit John und Thomas Knoll aus.

34,5 Millionen US-Dollar für Photoshop

Die Knoll-Brüder programmierten die erste Photoshop-Version, einen offiziellen Lizenznehmer-Vertrag unterzeichneten die Knolls und Adobe Anfang 1989 und ein Jahr später erschien Photoshop 1.0 - exklusiv für den Mac. 1995 kaufte Adobe den Brüdern die Photoshop-Rechte für 34,5 Millionen US-Dollar ab. In den ersten zehn Jahren verkaufte Adobe drei Millionen Photoshop-Lizenzen weltweit. Als Raubkopie dürfte die Software auf erheblich mehr Rechnern laufen.

Warum Photoshop den Markt für Bildbearbeitungssoftware so geprägt, ja eigentlich definiert hat? Es war wohl die glückliche Kombination aus einem nicht zu frühen Start (den Markt für digitale Bildbearbeitung musste Photoshop nicht erst schaffen), dem starken Vertriebspartner Adobe (bei digitalen Gestaltern damals für die Seitenbeschreibungssprache PostScript bekannt) und einer benutzerfreundlichen Software.

Die frühen Photoshop-Versionen profitierten davon, dass einer der Entwickler mit dem Programm tatsächlich arbeiten musste. John Knoll im Interview mit Robert Scoble: "Ich versuche es zu vermeiden, dass die Software einem Kreativen bei der Arbeit in die Quere kommt."

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 22 Beiträge
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1. .
kuchenbob, 10.02.2010
Sicher auch das meist geklaute Programm aller Zeiten.
2. Wie soll bitte...?
0815login 10.02.2010
Wie soll bitte Herr Knoll Photoshop 1.0 benutzen, wenn er auf dem einem Foto an einem Rechner mit Mac OS X sitzt? Ein Bild weiter zeigen Sie Photoshop, dass auf einem älterem Rechner mit Mac OS 9 läuft. Ich bezweifle stark eine seriöse Recherche.
3. Raubkopien machen den Markt kaputt
Acrylium 10.02.2010
Zitat von kuchenbobSicher auch das meist geklaute Programm aller Zeiten.
Bedauerlicherweise ja. Zum Nachteil aller, die es sich ehrlich und legal erworben haben nutzen etliche Menschen dieses Programm als Raubkopie beruflich und drücken mit diesen kriminellen Methoden die Preise auf dem Markt, da sie für die Anschaffung der Software ja keine Kosten kalkulieren müssen. Ich und etliche andere meiner Zunft wären heilfroh, wenn endlich ein funktionierender Kopierschutz für Photoshop entwickelt würde, der es all diesen kriminellen Konkurrenten erschweren würde, die Preise für Diensleistungen auf diese Weise zu drücken. Oder wenn öfters kontrolliert und dann endlich auch hart gegen diese Leute durchgegriffen würde.
4. Photo Shock? Kein Bedarf.
mulhollanddriver 10.02.2010
Ich arbeite im Bereich der Reportagefotgrafie, für renommierte nationale und internationale Organisationen, Verbände, Stiftungen, Botschaften usw... Photo Shock habe ich nie gebraucht. Beschnitten wird, bevor ich auf den Aulöser drücke. Die RAW-Daten kommen aus der D3, werden mit ViewNX oder CaptureNX leicht optimiert und in Jpegs umgewandelt. Das war es dann. Die Auftraggeber sind begeistert.
5. Die folgenden Fehler traten bei der Verarbeitung auf:
chrome_koran 10.02.2010
Zum Thema Photoshop 1 auf Mac OS X: es ist kein Problem, auf bestimmten Rechnern läuft Classic, darin (unter 9.2.2) habe ich selbst problemlos Photoshop 1.x gestartet - von Originaldisketten via externem USB-Floppy-Laufwerk. Zum Thema meistgeklaut: ich tippe da eher auf MS Word bzw. Office. Wie auch immer: ein perfekter Kopierschutz besteht darin, eine Software gar nicht erst zu veröffentlichen! Marketingabteilungen wissen: der Pirat von heute ist der Kunde von morgen. Deswegen wird der Kopierschutz vielerorts eher sogar zurückgebaut - bestes Beispiel ist Apple (Logic war zu emagic-Zeiten mit ziemlich wirksamem Hardware-Dongle geschützt, heute bei Apple mit simpler Seriennummer). Wird es zu umständlich geschützt, stimmen die Kunden bei erster Gelegenheit mit den Füßen ab. Siehe dazu QuarkXPress. DIe Kunst besteht eher darin, Software zu angemessenen Preisen anzubieten - dann wird sie auch gekauft! Auch von Privatleuten. Siehe dazu Microsoft: "Personal"- und HUP-Versionen von Office haben kaum bis keine Einschränkungen und kosten gerade mal zweistellige Summen. So etwas sollte Adobe anbieten, denn die Masse bringt Geld - das weiß z.B. Corel, schon seit Jahrzehnten.
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