200 PCs beschlagnahmt Weltweite Razzien gegen Raubkopierer

In einer von US-Ermittlern koordinierten Aktion wurden am Donnerstag weltweit 120 Hausdurchsuchungen gegen Raubkopierer durchgeführt. Neben den USA waren zehn weitere Länder betroffen, darunter auch Deutschland.


Warez-Website: Wettbewerb der "Top Release Groups"

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In verdeckten Ermittlungen sind nach Angaben des US-Justizministeriums in den USA und zehn weiteren Ländern mehr als hundert Personen ermittelt worden, die in den Diebstahl von Musik, Filmen und Software im Wert von 50 Millionen Dollar verwickelt sein sollen. Das US-Justizministerium bezeichnete das weltweit koordinierte Vorgehen als "die umfassendste und aggressivste Aktion", die je gegen Raubkopierer unternommen wurde.

In der so genannten Operation Fastlink habe es innerhalb von 24 Stunden mehr als 120 Hausdurchsuchungen gegeben, hieß es am Donnerstag. Mehr als 200 Computer seien beschlagnahmt worden. Darunter seien auch 30 Server, die als Verteilstationen für Tausende Raubkopien dienten. Auf einem Rechner in den USA seien 65.000 illegale Titel gefunden worden. Angaben zu Festnahmen wurden nicht gemacht.

Neben den USA gab es auch Durchsuchungen in Deutschland, Belgien, Frankreich, Dänemark, Ungarn, Israel, den Niederlanden, Singapur, Schweden und Großbritannien.

Nach Angaben des US-Justizministeriums zählen viele der identifizierten hundert Personen zu den führenden Köpfen verschiedener Einzelorganisationen aus der Raubkopiererszene. Die Ermittlungen konzentrierten sich auf so genannte "Warez Release Groups", die sich der Verteilung von Raubkopien im Internet verschrieben haben. Sie seien die Original-Quelle der meisten illegalen Kopien, hieß es.

Sobald ein Film, eine Musik-CD oder eine Software auf einem der besonders gesicherten Warez-Server liege, könnten ausgewählte User weltweit darauf zugreifen. Diese sorgten dann für die weitere Verteilung in Tauschbörsen, so die US-Ermittler.

Plakat gegen Piraterie: "Raubkopierer sind Verbrecher"
AP

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Die "Top Release Groups" seien hierarchisch organisiert, die führenden Köpfe kümmerten sich auch um die Rekrutierung neuer Mitglieder. Die verschiedenen Gruppierungen führten einen regelrechten Wettbewerb darum, neue Filme oder Programme noch vor deren offizieller Veröffentlichung als erste ins Netz zu stellen. Um nicht ins Visier von Strafverfolgern zu geraten, nutzten die Raubkopierer raffinierte technische Sicherheitsmaßnahmen.

Die weltweiten Razzien richteten sich gegen Gruppierungen wie Fairlight, Kalisto, Echelon, Class, Project X und APC.

Die Filmindustrie begrüßte den jüngsten Schlag gegen die Raubkopiererszene. "Heute ist ein guter Tag für kreative Künstler", sagte John Malcolm, Filmlobbyist bei der Motion Picture Association. Ohne Kopierschutzmaßnahmen und Strafverfolgung sei die Zukunft der amerikanischen Filmindustrie gefährdet.



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