Chaos Communication Congress: Tausende Hacker strömen nach Hamburg

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Die Hacker sind zurück: Der Chaos Computer Club erwartet Tausende Besucher zu seinem jährlichen Kongress, erstmals nach 14 Jahren findet das Treffen wieder in Hamburg statt. Auf dem 29C3 sollen neben Computern auch Kochtöpfe gehackt werden.

29C3 in Hamburg: Die Hacker-Rakete ist gelandet Fotos
Ole Reißmann

Hamburg - Eine bauchige, grüne Rakete mit drei Beinen steht vor dem Congress Center Hamburg (CCH), einem Betonklotz aus den siebziger Jahren. Der Name der Rakete ist "Fairydust", sie ist das Maskottchen des Chaos Computer Clubs. Die letzten Jahre stand sie um diese Jahreszeit in Berlin und kündete vom jährlichen Treffen der Hackervereinigung.

Dieses Jahr treffen sich die Hacker wieder in Hamburg. Mindestens 5000 Besucher werden von Donnerstag bis Sonntag zum 29C3, dem 29. Chaos Communication Congress, erwartet. Zum ersten Hackertreffen 1984 waren rund 150 Besucher ins Eidelstedter Bürgerhaus gekommen. Der damals drei Jahre alte Hackerclub war kurz vorher mit einem digitalen Bankraub bundesweit bekannt geworden: Über eine Sicherheitslücke im BTX-System hatten sie der Hamburger Sparkasse 135.000 Mark abgebucht - und später zurückgezahlt.

Aus dem gemütlichen Hackertreffen wurde mit den Jahren ein internationaler Kongress. 1998 folgte der Umzug nach Berlin, zunächst ins Haus am Köllnischen Park. Zuletzt platzte das Berliner Congress Center mit mehr als 3000 Besuchern aus allen Nähten. Binnen Minuten gingen die Tickets weg, die zu bestimmten Zeiten im Internet angeboten wurden. Viele Interessenten gingen leer aus.

Blickdichte Hacker-Kabine

In Hamburg ist nun mehr Platz. Allein 4500 Besucher können parallel in den drei Sälen Vorträge anhören. Seit Weihnachten sind freiwillige Helfer vor Ort, installieren W-Lan und verlegen Netzwerkkabel. Darauf sind die Veranstalter besonders stolz: "Wir haben keine Sponsoren und beauftragen keine Dienstleister. Alle hier arbeiten ehrenamtlich, alle zahlen den vollen Eintritt", sagt Michael Hirdes, im Club besser bekannt als Dodger. Er ist einer von acht Organisatoren des Kongresses.

Im obersten Stockwerk haben sie eine Lounge eingerichtet, mit Musikanlage und Sofas. "Zehn vorne" heißt sie, nach der Bar im Fernsehraumschiff Enterprise. An mehreren Orten sind Tische aufgebaut, damit Geeks ihre Projekte vorstellen können. Wer mehr Wert auf Diskretion legt, kann sich in eine Kabine zurückziehen, damit nur Auserwählte auf den Bildschirm gucken können. Und natürlich gibt es ein Bällebad, ein Becken, gefüllt mit bunten Plastikkugeln.

Auf dem Programm des 29C3: das Hacken von Industrieanlagen und Telefonen, außerdem politische Themen wie das Meldegesetz, faire Computer und Informationsfreiheit. Mehr als hundert Vortragende werden erwartet. Gehackt werden nicht nur Computer, es geht allgemein um die enthusiastische Beschäftigung mit einem Thema. Auch Politik kann gehackt werden - und Kochtöpfe. Am Freitag stellt der Schweizer Hacker Alexis Wiasmitinow intelligente Koch-Hardware vor.

"Nicht mein Fachgebiet"

Auch wenn der ICE aus Berlin direkt am Congress Center hält, gibt es vereinzelt Kritik am Umzug nach Hamburg. Eine Befürchtung: Der Kongress muss mehr Besucher anziehen, sich thematisch öffnen, damit am Ende überhaupt eine schwarze Null stehen kann. Zwar sind mehr als 4000 Karten im Vorverkauf weggegangen, trotzdem bleibt ein finanzielles Risiko. Nicht nur für den Club wird es teurer, auch für die Besucher. Weil Unterkünfte in Hamburg mehr kosten, können Gäste und Helfer auch in zwei Turnhallen übernachten.

Die Entscheidung für Hamburg soll aber langfristig sein: "Wir wollen uns hier häuslich einrichten", sagt Hirdes. Für eine schnelle Internetverbindung haben sie ein neues Kabel durch die Kellerräume des Congress Centers gebohrt. Mehr als 400 "Engel", wie die Kongresshelfer genannt werden, machen den 29C3 möglich. Neben viel Bandbreite stehen mehrere Paletten Mate-Brause für die nächsten Tage bereit.

Die Rakete am Eingang ist dieses Jahr auch eine Erinnerung: "Not My Department" ist das Motto der Veranstaltung. In einem Lied wird dieses Zitat dem Raketenbauer Wernher von Braun zugeschrieben. Er ist dafür zuständig, dass die Raketen starten. Wo sie wieder herunterkommen, ist nicht sein Fachgebiet.

Damit sollen die Hacker an ihre Verantwortung erinnert werden: Lässt sich die Technik, an der sie arbeiten, missbrauchen? Was für Folgen haben ihre Entwicklungen - und arbeiten sie womöglich für Unternehmen, die Geschäfte mit autoritären Regimen machen? Antworten darauf sollen noch bis Sonntag auf dem Kongress gefunden werden.

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insgesamt 18 Beiträge
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1. Topf Act
dasky 27.12.2012
Zitat von sysopDie Hacker sind zurück: Der Chaos Computer Club erwartet Tausende Besucher zu seinem jährlichen Kongress, erstmals nach 14 Jahren findet das Treffen wieder in Hamburg statt. Auf dem "29C3" sollen neben Computern auch Kochtöpfe gehackt werden. 29C3 Chaos Communication Congress in Hamburg - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/web/29c3-chaos-communication-congress-in-hamburg-a-874741.html)
Ah ja. Wahrscheinlich ist Julian Assange special guest.
2. Kochtöpfe hacken?
selberdenken! 27.12.2012
Was ist denn nun mit den gehackten Kochtöpfen?
3. CCC wird für mich zweifelhafter denn je
teutoniar 27.12.2012
Dass die Wau-Holland-Stiftung Spenden für Wikileaks einsammelt, finde ich schon nicht in Ordnung. Mir fehlt auch die klare Distanzierung von Anonymous. Insgesamt ist der CCC für mich zweifelhafter denn je geworden. "Hackerehre" ist anscheinend nur ein schöner Begriff. Von gestern.
4. Kritik
shatreng 27.12.2012
Zitat von teutoniarDass die Wau-Holland-Stiftung Spenden für Wikileaks einsammelt, finde ich schon nicht in Ordnung. Mir fehlt auch die klare Distanzierung von Anonymous. Insgesamt ist der CCC für mich zweifelhafter denn je geworden. "Hackerehre" ist anscheinend nur ein schöner Begriff. Von gestern.
Was genau sind denn ihre Kritikpunkte?
5. Wau Wau
dasky 27.12.2012
Zitat von shatrengWas genau sind denn ihre Kritikpunkte?
Der findet es wahrscheinlich albern, dass die da zum Kindergeburtstag mit Topfschlagen, Maumau und 'Mensch ärgere Dich nicht' strömen. Und Lanz will kochen, puuuh...
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