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Präsentationen beim 31C3: Wenn Sie sich Ihren Glauben an Windows bewahren möchten, sollten Sie diesen Vortrag nicht sehen

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Mehr als 150 Präsentationen gibt es beim Jahrestreffen des Chaos Computer Clubs. Wir haben fünf Vorträge herausgepickt, die auch für Laien spannend sind - vorausgesetzt, man will die Wahrheit wirklich erfahren.

1) "Inside Field Station Berlin-Teufelsberg" (Vortrag vom 28. Dezember)
REUTERS

In dieser knapp einstündigen Präsentation erzählt der ehemalige NSA-Analyst Bill Scannell, wie es Mitte der Achtziger auf einem Außenposten des US-Geheimdienstes zuging: Scannell hat rund zwei Jahre in der Station auf dem Berliner Teufelsberg gearbeitet, dem wohl bekanntesten NSA-Posten der Bundesrepublik, der heute weitgehend verfallen ist.

Scannells Vortrag über seine "völlig zufällige und ungeplante Karriere" als Analyst ist mit Anekdoten gespickt und oft für ein Lächeln gut. Etwa wenn Scannell erzählt, wie das Verhältnis zu den britischen Spionagekollegen war: Diese "armen Cousins" waren angeblich so schlecht ausgestattet, dass sie selbst die Geräte interessierten, die der US-Geheimdienst entsorgt hatte. Zur NSA sagt Scannell: "Sie gab ihr Geld eher für Equipment aus als für Menschen."

Zum Vortragsvideo geht es hier.

2) "Mit Kunst die Gesellschaft hacken" (Vortrag vom 27. Dezember)
Patryk Witt / Zentrum für Politische Schönheit

Vor allem um Aktionskunst dreht sich die Präsentation des Berliner Kollektivs Zentrum für Politische Schönheit (ZPS). Philipp Ruch, der "künstlerische Leiter", und Stefan Pelzer, "Eskalationsbeauftagter", berichten rund eine Stunde lang von einigen ihrer Projekte. Anlässlich des 25. Jahrestag des Mauerfalls beispielsweise wurden die Mahnmale für die Mauertoten an der Spree geklaut und an die Grenzen Europas gebracht - eine Aktion, die tagelang Schlagzeilen machte.

Während ihres Vortrags geben Ruch und Pelzer nicht nur Einblicke in ihre Projektplanung. Sie verraten zum Beispiel auch, wie sie mit Interviewanfragen von Boulevardmedien umgehen. Interessant ist auch der SMS-Dialog mit einem CDU-Bundestagsabgeordneten, den die beiden Künstler zu Beginn der Präsentation dokumentieren.

Eine Vortragsaufzeichnung finden Sie hier.

3) "Preserving Arcade Games" (Vortrag vom 28. Dezember)
Getty Images

Wer gern Jahrzehnte alte Videospiele ausprobiert, den dürfte diese Präsentation von Ange Albertini interessieren. Der Softwareexperte erzählt in rund 50 Minuten, wie kompliziert es mitunter ist, Arcade-Games für die Nachwelt zu erhalten. Mit Arcade-Games sind Spiele gemeint, die auf Automaten in Spielhallen laufen und bei denen grundsätzlich für jede Spielrunde bezahlt werden muss.

Spannend an Albertinis launigem Vortrag ist einerseits die schiere Menge an Arcade-Games und Kopien (sogenannten Bootlegs), die vorgestellt werden. Anderseits erfährt man viel über die technischen Eigenheiten der Automaten, die es selbst Hackern schwer machen, die Spiele anderswo zum Laufen zu bekommen. "Aberwitzige Software-Piraterie führt zu aberwitzigen Kopierschutzmaßnahmen", sagt Albertini.

Hier finden Sie das Vortragsvideo.

4) "Vor Windows 8 wird gewarnt" (Vortrag vom 28. Dezember)
AFP

Sie sind Windows-Nutzer und wollen das Vertrauen in Ihr Betriebssystem behalten? Dann sollten Sie diesen Vortrag von Rüdiger Weis vielleicht lieber nicht ansehen. In einer temporeichen halben Stunde beschäftigt sich der Diplom-Mathematiker unter anderem mit Patchproblemen von Microsoft, die in den vergangenen Wochen Schlagzeilen machten. Weis dokumentiert die Probleme anhand von "Heise Online"-Zitaten.

Eben jenes Fachmedium hat am Montag auch nochmal die wichtigsten Botschaften aus Weis' Vortrag dokumentiert: Konkret beunruhigt den Mathematiker etwa die Secure-Boot-Funktion von Windows 8. Der Titel der Präsentation spielt übrigens auf Medienberichte an, in denen es im Sommer 2013 hieß, das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) warne vor dem Betriebssystem.

Das Vortragsvideo steht hier online.

5) "Trau' keinem Scan, den du nicht selbst gefälscht hast" (Vortrag vom 28. Dezember)
Xerox Corporation

Und auch der einstündige Vortrag von David Kriesel hat das Potenzial, den Zuschauer an der Verlässlichkeit moderner Technik zweifeln zu lassen. Ausführlich berichtet der Informatiker von einem über Jahre unentdeckten Bug, auf den er 2013 aufmerksam wurde: Diverse Multifunktionsdrucker der Firma Xerox vertauschten beim Scannen immer wieder Zahlen - aus einer 6 wurde dabei zum Beispiel eine 8. Ein kleiner Fehler, der drastische Konsequenzen haben kann.

Kriesels Vortrag ist aber nicht nur wegen des eigentlichen Problems interessant. Der Informatiker erzählt, wie er seinerzeit mit der Entdeckung des Bugs umgegangen ist. Einer seiner Ratschläge: "Unfreundliches Twittern und Haten bringt nichts." Lieber solle man zunächst nicht-öffentlich Kontakt mit der betroffenen Firma aufnehmen. An bestimmten Stellen braucht man dann aber auch Selbstbewusstsein. Als Klammer für seinen Vortrag nutzt Kriesel eine Verschwörungstheorie um die Geburtsurkunde des US-Präsidenten Barack Obama.

Hier geht es zur Vortragsaufzeichnung.

Bis Dienstag abend sind beim 31C3 weitere Vorträge zu sehen. Sie lassen sich per Livestream verfolgen, eine Programmübersicht findet sich hier. Aufzeichnungen nahezu aller Vorträge kann man über die CCC-Seite abrufen.

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insgesamt 48 Beiträge
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1. Alles
ornitologe 29.12.2014
bekannt. Und dass sich unsere Freunde keinen Kopf über irgendwelchen gesetzlichen Schranken gemacht haben, ist auch kein Geheimnis. Insofern hätte man sich den Artikel sparen können....
2.
kdshp 29.12.2014
Glauben an Windows?! Habe ich und werde ich nie machen. Aber der der an was anderes glaubt und denkt es wäre besser JA der soll weiter glauben. "Wir" sollten uns bewußt werden/machen das das ganze so komplex ist das es nicht zu kontrolieren ist. Das ist wie bei einbrüchen. Mir hat da mal werr gesagt" Es gibts nichts einbruch sicheres NUR hemmendes" und das ist hier nicht anders.
3.
kurap1ka 29.12.2014
Ach ja, ad hominem gegen MS bei einem Thema das TPM erstmal nicht betrifft um dann gegen TPM zu reden. Dann Vorschlagen, dass TPM doch mit Smartcards ersetzt werden sollte, wobei doch TPM gerade gemacht wurde um SCs zu ersetzen... Mal schauen ob Rüdi nicht nächstes Jahr mal so einen Vortrag über Unix Systeme hält, gerade jetzt wo Unix doch das einzige mobile System (Android) ist, welches Security Probleme ohne Ende hat.
4. der Xerox scan fehler
Granata 29.12.2014
Ist mir schon länger bekannt als 2009. ich müsste jetzt mal meine alten Mails durchforsten, aber ich hatte zu dem Thema einen Support artikel gelesen. Am Ende haben wir eine neue Firmware auf die MFPs gespielt und fertig.
5. München und Limux
omguruji 29.12.2014
Der neue OB Reiter möchte die Verwaltung der Stadt München von Linux (Limux) wieder auf Windows umstellen...Mahlzeit. Microsoft sitzt ja hier um die Ecke in Unterschleißheim...
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