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Hackerkongress 31C3: "Wir können was tun, wir müssen was tun"

Rakete als Erkennungszeichen: Im Hamburger Congress Center läuft bis einschließlich Dienstag der Hackerkongress 31C3 Zur Großansicht
DPA

Rakete als Erkennungszeichen: Im Hamburger Congress Center läuft bis einschließlich Dienstag der Hackerkongress 31C3

Der Chaos Computer Club hat seinen Kampfgeist zurück: Das diesjährige CCC-Jahrestreffen dreht sich um Technik, Politik und Kunst - aber auch um Ideen, wie sich den Überwachern entgegentreten lässt. Und es gibt wieder ein Motto.

"Hacking is not a crime", "We come in peace", "Volldampf voraus!" - unter Mottos wie diesen hält der Chaos Computer Club (CCC) seit 1984 seine Jahrestreffen ab. Doch vergangenes Jahr fand nach vielen Jahren wieder eine Veranstaltung ohne Leitspruch statt, als Reaktion auf die Enthüllungen aus den Snowden-Dokumenten. "Wir sind sprachlos", erklärte der bekannte Podcaster Tim Pritlove damals in seiner Eröffnungsrede. "Wir sind aus einem Albtraum aufgewacht in eine Realität, die noch schlimmer ist. Wir müssen das Internet neu erfinden, wir müssen das Internet neu denken."

2014 scheint der CCC seine Gefühle nun wieder in Worte fassen zu können. Die Wut über die Geheimdienst-Spionage soll produktiv genutzt werden - gemeinsam mit Entwicklern aus aller Welt, die sich seit den Snowden-Enthüllungen bemühen, ihre Dienste sicherer zu machen. "A New Dawn", eine neue Morgendämmerung, heißt zu diesem Gedanken passend das Motto des 31. Chaos Communication Congress (31C3). "Wir haben den Schreck überwunden und jetzt ist der Zeitpunkt, uns zu überlegen, wie es weitergehen soll", sagt Falk Garbsch, ein CCC-Sprecher. "Wir können was tun, wir müssen was tun."

Mit rund 5700 zahlenden Mitgliedern zählt der CCC zu den wichtigsten Hackervereinigungen weltweit. Auch der Congress hat eine Strahlkraft über die Szene hinaus: 2013 gab es mit 9000 Teilnehmern einen Besucherrekord, dieses Jahr werden ähnlich viele Besucher erwartet. Zu den bekanntesten Sprechern des 31C3 zählen die Dokumentarfilmregisseurin und Snowden-Vertraute Laura Poitras und Alec Empire, der Frontmann des Musikerkollektivs Atari Teenage Riot, der am Samstagvormittag eine in erster Linie laute Keynote hielt.

Digitale Agenda und Tamagotchi-Treffen

Inhaltlich geht es auf dem 31C3 vor allem um Technik, etwa in Form von Vorträgen über Sicherheitslücken in weit verbreiteten Technologien, wie dem Mobilfunk. Doch auch politische Themen und die Kunst haben ihren festen Platz im Vortragsprogramm. Samstagmittag etwa widmet sich der Sprachwissenschaftler Martin Haase der Digitalen Agenda der Bundesregierung, "aus inhaltlicher, philologischer und linguistischer Perspektive". Im Anschluss erzählen Stefan Pelzer und Philipp Ruch vom Das Zentrum für politische Schönheit von ihren Kunstprojekten.

Weitere Themen sind zum Beispiel das Zerstören von Daten, der sichere Umgang mit Lasern und die kleinen und großen Hürden beim Kryptografie-Einsatz. Abseits der Vorträge gibt es unter anderem eine Whiskyprobe, DJ-Sets und ein Treffen von Tamagotchi-Hackern.

Für Besucher, die zum ersten Mal auf einem CCC-Jahrestreffen sind, haben die sogenannten Chaospatinnen eine Schnitzeljagd auf dem weitläufigen Gelände des Congress Centrum organisiert. Neuen Besuchern und speziell Frauen soll es so einfacher gemacht werden, sich auf dem Hackertreffen zurechtzufinden. In diesem Jahr betreuen 30 Paten hundert Patenkinder, sagt Organisatorin Fiona Krakenbürger: "Wir wollen den Kongress öffnen." Was dort diskutiert werde, sei für viele Menschen interessant. "Unsere Themen sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen."

Die Vorträge des 31C3 lassen sich kostenlos im Livestream verfolgen, eine Programmübersicht findet sich hier. Die Veranstaltung läuft bis einschließlich Dienstag.

mbö/dpa

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insgesamt 36 Beiträge
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1. Taten statt Politik
bjbehr 27.12.2014
Der CCC leistet mehr, als es bisher noch jeder Digital-Minister - viele davon hatten wir bisher ja noch nicht - vermochte. Dabei wird es wohl auch bleiben. Eine einmalige Chance fuer den Club, Politik durch Taten zu ersetzen.
2. hm ...
Creedo! 27.12.2014
Schön, dann finden die ja vielelicht auch ein Rezept gegen "Hacker", die Firmennetzwerke lahmlegen und damit vielen Menschen Lebensqualität nehmen. Was die NSA tut ist vielleicht unmoralisch, aber sonst stört's eher wenig. Stören tun die, die ständig etwas lahm legen, Daten klauen und veröffentlichen. Ganz gleich ob es sich dabei um DDOS-Angriffe, Industriespionage oder mal eben geklaute Medieninhalte wie Filme oder Musiktitel handelt. Da hätte der CCC ein großes Betätigungsfeld. Aber dieses ewige Gejammer wegen des großen Lauschangriffs nervt einfach.
3. ich wünsche mir mehr Artikel
liberty_of_speech 27.12.2014
denn bis jetzt bin ich mir nicht so sicher auf welcher Seite diese Leute stehen. Meinten sie es ernst würde ich von denen nachvollziehbare Ratgeber in Buchform erwarten. Dort sollte man schonungslos darlegen wie die Realtität aussieht. Mit ständig kleinen Nachrichten bewirkt man nichts. Es gibt immer noch zu viele Menschen die denken ein gewisses Produkt sei sicher ..... weil deren Marketingabteilung das seit Jahrzehnten so verkündet. Diese Schlafwandler sind eine Gefahr. Die Leute müssend endlcih einmal richtig aufgeklärt werden.
4.
kdshp 27.12.2014
...aber auch um Ideen, wie sich den Überwachern entgegentreten lässt. Weiter sind die noch nicht?
5. Hacking is not a crime und we come in peace
see_it with_your_own_eyes 27.12.2014
Hehere Ziele. Wenn das wirklich so ist, wäre es sinnvoller statt Spielecomputer, Massenkommunikationsmittel usw. mit möglichst viel Brimborium und Medienecho zu knacken, dass die selbsternannten Robin Hoods der Neuzeit gegen Hacker, deren "Wirken" eben doch kriminell ist und die nicht in friedlicher Ansicht kommen zu jagen und mitzuhelfen sie dingfest zu machen. Bei aller Aufklährung (?) habe ich noch nicht feststellen können, dass das Netz und alles was damit zusammenhängt sicherer geworden ist. Und ich teile nicht die Meinung, dass dss an desinteressierten dummen Usern hängt. Eher an kriminellen Subjekten dann an Geschäftemacjern ohne Skrupel (also nochmals kriminelle Subjekte) und auch am Hackern, denen es wichtiger ist im "Rampenlicht" zu stehen, statt ihr wissen im Verborgenen mit gleichgesinnten einzusetzen um die erstgenannten beiden Gruppierungen unschädlich zu machen. Darum meine Aufforderung: Also los CCC und deren Sympathisanten Volldampf voraus... eure Gegner kochen doch auch nur mit "Wasser" welches ist nun aber heißer? Ich selbst will nur das Internet nutzen. für Bildung/Information, Kurzweil und zur Kommunikation - Wettstreite wer schützt sich besten gehört nicht zu dem was auf meiner "Fahne" steht.
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