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Videotipps zum 32C3: Diese fünf Vorträge lohnen sich - auch wenn Sie kein Hacker sind

Noch bis heute Abend läuft der 32C3, das Jahrestreffen des Chaos Computer Clubs. Wir empfehlen fünf Vortragsvideos, die auch für Laien verständlich sind - und deutlich spannender sind, als ihre Titel erahnen lassen.

1) "Safe Harbor", Vortrag vom 29. Dezember

Worum geht's? Um die Frage, ob unsere Daten genauso sicher wie in Europa sind, wenn Konzerne wie Facebook und Google sie auf ihren Servern in den Vereinigten Staaten verarbeiten. Im Oktober hatte der Europäische Gerichtshof das sogenannte Safe-Harbor-Abkommen für ungültig erklärt, das den Datenaustausch zwischen den USA und der EU regelt. Ausgangspunkt der Entscheidung war eine Beschwerde des Österreichers Max Schrems. Er hatte sich an der Datenschutzpraxis von Facebook gestört, wobei das soziale Netzwerk auch stellvertretend für andere Dienste steht.

Warum ist das interessant? Die Geschichte von Schrems' Vorgehen gegen Facebook wird beim 32C3 von demjenigen erzählt, der sie am besten kennt: Max Schrems selbst. Dabei reflektiert er auch seine eigene Rolle und berichtet, wie seine Anhörungen zum Thema gelaufen sind - mitunter muten sie äußerst skurril an. Der Vortrag ist auf Englisch, aber gut verständlich, mit erinnerungswürdigen Sätzen wie "Da kämpfst du für Privatsphäre und plötzlich ist dein Name überall".

Hier geht es zum Vortragsvideo.

2) "Intelexit", Vortrag vom 29. Dezember

Worum geht's? Gloria Spindle stellt in gut verständlichem Englisch "Intelexit" vor, eine Kampagne, die Geheimdienst-Mitarbeitern einen Jobwechsel nahelegt. Obwohl das Projekt Flyer, ein Erklärvideo und eine eigene Website hat, ist das Angebot ein Fake, zumindest bislang. Dahinter steckt das Künstlerkollektiv Peng!, das für Medien-Hacks bekannt ist. Mittlerweile sollen sich trotzdem echte Geheimdienst-Mitarbeiter bei "Intelexit" gemeldet haben, die dann an andere Stellen weitervermittelt wurden.

Warum ist das interessant? Spindles Vortrag ist einerseits sehr unterhaltsam: Wie oft hat man zum Beispiel eine Drohne gesehen, die über dem deutschen US-Stützpunkt Dagger Complex Flugblätter abwirft? Anderseits wird hier ein abstraktes Thema konkret: Meistens geht es bei Geheimdienst-Berichterstattung um Strukturen, selten um die Menschen darin. "Intelexit" versucht dagegen, gezielt einzelne Mitarbeiter anzusprechen und einen Ausstieg als normale Handlungsoption zu etablieren. Denn auch abseits von Whistleblowern wie Edward Snowden muss es Wege geben, mit Gewissensbissen bei der Arbeit umzugehen.

Hier finden Sie das Vortragsvideo.

3) "The exhaust emissions scandal (Dieselgate)", Vortrag vom 27. Dezember

Worum geht's? Auch der VW-Abgasskandal war beim 32C3 ein Thema. Daniel Lange und Felix Domke geben auf Englisch sehr unterschiedliche Einblicke in die Affäre, deren Ende noch nicht absehbar ist. Lange analysiert, wie der VW-Vorstand mit seiner Verantwortung umgegangen ist (Spoiler: nicht so verantwortungsvoll). Und Domke, dessen VW Sharan selbst von der Manipulation betroffen war, hat ein Motorsteuergerät zerlegt und dabei im Code just jene Einstellung gefunden, die die Manipulation veranlasste.

Warum ist das interessant? Im Ergebnis deckt sich Domkes Tüftelei mit dem, was VW eingeräumt hat. Doch sein Ansatz, den Großskandal auf kleine Bestandteile des Codes herunterzubrechen, beeindruckt: Wie er sich bei Ebay ein Motorsteuergerät besorgt, um nicht sein eigenes Auto zerlegen zu müssen, bis hin zur Simulation der Abgastests. Am Ende war Domke erstaunt, dass die Manipulation in der Software nicht einmal verschleiert gewesen ist.

Hier geht's um Vortragsvideo.

4) "Crypto ist Abwehr, IFG ist Angriff!", Vortrag vom 29. Dezember

Worum geht's? In diesem Vortrag erfährt man, wo die Bundeswehr in Berlin gern plakatiert: offenbar in der Nähe von Gymnasien, Universitäten und Fitnessstudios. Wobei das natürlich nur eine von diversen Anekdoten ist. Im Kern erklärt Arne Semsrott von der Open Knowledge Foundation Deutschland, das sich hinter der Abkürzung IFG das "Informationsfreiheitsgesetz" verbirgt und das viel öfter Anfragen auf Basis dieses Gesetzes gestellt werden sollten - etwa über das Web-Portal "FragDenStaat".

Warum ist das interessant? Es ist wichtig, dass die Arbeit von Behörden nicht im Geheimen stattfindet. Dieser Vortrag räumt mit dem Irrglauben auf, dass es super aufwendig und kompliziert wäre, sich als Bürger Einblicke in bislang nicht-öffentliche Dokumente zu verschaffen. Die deutschsprachige Präsentation eignet sich sogar für die Mittagspause, schon nach 15 Minuten geht sie in eine Frage- und Antwortrunde über. So bleibt genug Zeit, via "FragDenStaat" eine erste Anfrage zu starten. Und für den Fall, dass diese erfolglos bleibt, hat die Open Knowledge Foundation mit "VerklagDenStaat" gerade noch ein neues Portal gestartet.

Hier finden Sie das Vortragsvideo.

5) "NSA-Untersuchungsausschuss: Zwischen Aufklärungswillen und Mauern aus Schweigen", Vortrag vom 27. Dezember

Worum geht's? An vielen Donnerstagen des Jahres tagt in Berlin der NSA-Untersuchungsausschuss - meistens ohne große Medienresonanz. Darüber, wie dort über Überwachungsmaßnahmen und deren Hintergründe diskutiert wird, informiert regelmäßig das Live-Blog von Netzpolitik.org. Netzpolitik-Autorin Anna Biselli fasst in diesem Vortrag auf Deutsch die bisherigen Erkenntnisse, aber auch die größten Hürden der Ausschussarbeit zusammen.

Warum ist das interessant? Wenn man nie im Ausschuss vor Ort war, kann man sich kaum vorzustellen, was sich dort für denkwürdige Szenen abspielen. "Die Abgeordneten und ihre Mitarbeiter müssen unter widrigen Bedingungen mit Unmengen an eingestuften Papierakten arbeiten und bekommen wichtige Informationen vorenthalten", heißt es in einer Zusammenfassung des Vortrags. "Die Gedächtnislücken vieler Zeugen sind bemerkenswert, ebenso wie die eigenartigen Rechtsauffassungen der Spione, die zutage treten." Biselli macht die Arbeit mit ihren Beobachtungen um einiges verständlicher.

Hier finden Sie das Vortragsvideo. Einige denkwürdige Momente aus dem Ausschuss sind übrigens in einem zweiten Vortrag am Dienstagabend noch einmal nachgesprochen worden. Das Video zu "Grundrechte gelten nicht im Weltall" finden Sie hier.

Hinweis: Per Klick kommen Sie zum jeweils nächsten Tipp. Die Aufzeichnungen nahezu aller Vorträge vom 32C3 lassen sich hier über die CCC-Seite abrufen.

Von Sonntag bis Mittwoch wird im Congress Center Hamburg gebastelt, gelernt, diskutiert und gefeiert. 12.000 Besucher hat der Chaos Computer Club zur diesjährigen Jahreskonferenz (32C3) erwartet.

Lichtkunst: Besucher vor einer Kunstinstallation aus erleuchteten Plastikboxen.

Feierzone: Am Vorabend des 32C3 sind die meisten Bars noch geschlossen. In den folgenden Tagen kann der ein oder andere IT-Spezialist nach diesem Jahr aber wohl einen starken Drink gebrauchen.

Kabelbaum: Die Treffen der Hacker sind bekannt für ihre ausgefallenen Kunstwerke und Beleuchtungskonzepte. Diesmal ist es ziemlich grün im Hamburger Congress-Centrum: Bäume und Pflanzen machen das große Tagungsgebäude zum Garten - oder zum Dschungel?

Vorträge, Vorträge, Vorträge: Zeitgleich erklären in mehreren Sälen parallel die Experten, woran sie das Jahr über gearbeitet haben. Hier zu sehen ist der Sicherheitsforscher Sergey Gordeychik, der sprich über mögliche Angriffe im Schienenverkehr.

Viele Diskokugeln: Es blinkt und funkelt im Congress Centrum. Mit jedem Tag kommen mehr Lichter und Kunstprojekte hinzu.

Hier wird nachts gefeiert. Diesmal haben die Veranstalter einen futuristischen Campingplatz aufgebaut, mit Wohnwagen und Wohnmobilen. Das erinnert nicht nur an den Film "Spaceballs", sondern manchen Partygast vielleicht auch an das Hacker-Camp, das ebenfalls in diesem Jahr stattgefunden hat.

Ab geht die Post: Wie in den Vorjahren gibt es auf dem Gelände ein Rohrpostsystem, das unter dem Namen Seidenstraße bekannt ist.

Hacker-Halle: In diesem Jahr ist das Congress Center besonders gut besucht und restlos ausverkauft. Nicht jeder, der ein Ticket wollte, hat auch eins bekommen.

Zu sehen gibt es auch Pixelkunst - in diesem Fall passen sich die Pixel dem Geschehen vor dem Bildschirm an. "Zeig mir deine Farben und Lichter. Ich mache Farben und Lichter draus", steht auf dem Zettel hinter der Apparatur, die aus einer Kamera, Papierröhren und einem Fernseher besteht.

Willkommen im Internetkurort: Als neuer Besucher kann man sich im Congress Center leicht verirren, das Gebäude ist recht weitläufig.

Raumschiff-Optik: Ein Verbindungsgang im Erdgeschoss.

Holzhütte mit Projektion: Vom lärmenden elektronischen Weihnachtsmann bis zum Wildschweinkopf ist beim 32C3 fast jedes Accessoire erlaubt.

Etwas zum Anfassen und Anschauen: Die Kinder der Hacker können auf dem Gelände mit Sand spielen, der mit mehreren Farben angestrahlt wird. Ebenso gibt es ein Bällebad.

Jahresrückblick des Chaos Computer Clubs: Frank Rieger, Constanze Kurz, Erdgeist, Nexus und Linus Neumann (v.l.) blicken auf die vergangenen zwölf Monate zurück.

Aus CCH wird CCC: Jedes Jahr machen die Hacker schon am Gebäudenamen deutlich, wer dort gerade zu Gast ist.

Und Sonntagabend wird sogar das benachbarte Radisson-Hotel genutzt, um auf den 32C3 aufmerksam zu machen. Dass auf unseren Bilder keine Menschen zu sehen, ist übrigens kein Zufall: Die Hacker haben relativ strikte Regeln, wenn es ums Fotografieren im Congress Centrum geht.

Hacker-Spielzeug: Die Besucher haben alles mögliche mitgebracht, das sie vor Ort den anderen vorstellen und an dem sie gemeinsam herumbasteln können.

Schattenspiele: Hier spielen Besucher mit ihrem digitalem Spiegelbild, das die von einer Kamera aufgenommenen Umrisse der Spieler in Steuerbefehlen für Computer darstellt.

Saal 1: Der größte Vortragsraum wird regelmäßig rappelvoll, nicht nur zur Eröffnungsveranstaltung wie hier.

Tüfteln: Der Congress ist aufgeteilt in verschiedene Bereiche und Nischen, in denen die Gruppen sich zum Teil mit ganz bestimmten Themen auseinandersetzen. Es wird an Hardware gelötet oder Code geschrieben, über Netzpolitik diskutiert oder Bier getrunken.

Spaß am Gerät: Congress-Besucher beim Flippern.

Held der Hacker: Teilnehmer haben mit einem 3D-Drucker eine Büste des Whistleblowers Edward Snowden ausgedruckt.

Kreatives Chaos: Auf einem Tisch im CCH liegen Lötkolben, Netzstecker, Computerkabel und Leuchtkabel herum.

mbö/fab

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insgesamt 9 Beiträge
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1. Ironie?
WolfImSchafsPelz 30.12.2015
Oberhalb des Beitrag der Facebook kritisch hinterfragt 2 soziale Buttons von US-Megakonzernen Facebook und Twitter. Auch Die Teilnahme via Facebook seitens der Veranstalter an der CCC habe ich als sehr störend empfunden.
2. Danke SPON
d15 30.12.2015
Hab im Internet auch noch ein Vortrag über Politikfloskeln geschaut auch empfehlenswert
3.
udolf 30.12.2015
Fnord Jahresrückblick 2015
4. Security Nightmares ..
schumbitrus 30.12.2015
Security Nightmares ist auch jedes Jahr eine sichere Bank für große Lacher ;-) Allerdings schon etwas geekiger und läuft zum Zeitpunkt des Postings.
5.
derpif 31.12.2015
Gute Links, wie wäre es das nächste Mal mit englischen Untertiteln statt "Synchron"sprechern wäre meine Frage an die Macher? Habe erst den letzten Beitrag über den NSA Untersuchungausschuss in voller Länge gesehen, und das hat echt genervt. Nicht das Englisch per se, aber es war halt viel zu lückenhaft das man es unnötig schwer hatte zu folgen hin und wieder. Ist natürlich toll das sich jemand die Mühe macht, aber man muss sich auch eingestehen wenn man mit der Aufgabe vollkommen überfordert ist. Untertitel wären perfekt, muss ja nicht live ins Netz gestellt werden. Viele aufwändiger ist das ja nun auch nicht. Trotzdem Danke das auch an die Menschen gedacht wird die nicht vor Ort sein konnten.
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