Chaos Communication Congress Liebe Leserin, lieber Leser,

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Am Donnerstag beginnen in Leipzig die Feiertage: die für Hacker. Der Chaos Computer Club macht hoch die Tür zum 35. Jahreskongress, kurz 35c3. Bis einschließlich Sonntag wird es um IT-Unsicherheit, ein alternatives Internet, Netzpolitik, Wissenschaft und Kunst gehen. Das Motto der Veranstaltung lautet "Refreshing Memories", was so viel wie "Erinnerungen auffrischen" heißen kann, oder auch "Speicher aktualisieren". 15.000 "Kreaturen" wollen sich das nicht entgehen lassen.

Den ersten Vortrag wird der Wirtschaftswissenschaftler Guy Standing halten, der sich seit Jahrzehnten mit dem bedingungslosen Grundeinkommen beschäftigt. Sein Thema wird das moderne Prekariat sein. Klingt für einen Hackerkongress erst einmal unpassend, doch Standing will aufzeigen, wie sich Ungleichheit und Unsicherheit in der digitalen Gesellschaft möglicherweise verringern lassen. Und das ist sicherlich nicht der schlechteste Denkanstoß für die folgenden Tage.

Chaos Communication Congress in Leipzig
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Chaos Communication Congress in Leipzig

Potenzielle weitere Höhepunkte: Der Fachmann J. Alex Halderman will in einer Live-Demonstration zeigen, wie sich ein bis heute in den USA eingesetzter Wahlcomputer hacken lässt. Und der Biometrie-Experte Starbug alias Jan Krissler wird nach Fingerabdrucksensoren und Irisscannern nun auch die Venenerkennung für kaputt erklären.

Außerdem wird es um die Netzpolitik der AfD gehen, um Facebooks Umgang mit Nutzern und Nichtnutzern, selbst gebaute Smartphones und den Bordcomputer des Mars-Rovers Curiosity. Das ganze Programm findet sich hier, Videoaufzeichnungen der Vorträge werden hier zu sehen sein.

Was mich am CCC-Kongress jedoch am meisten beeindruckt, sind oft die Vorträge, die mit Hacking auf den ersten Blick nichts zu tun haben. Wenn zum Beispiel um 22 Uhr jemand mit vollem Einsatz versucht, Hunderten bestens gelaunten Zuhörern die Grundlagen der Quantenmechanik zu erklären, entsteht etwas, das irgendwie doch Hacken ist: der unbedingte Wille nämlich, etwas Kompliziertes zu verstehen, indem man es nach allen Regeln der Kunst auseinandernimmt.

Mein Kollege Markus Böhm und ich werden vor Ort sein und berichten - und nebenbei hoffentlich etwas Neues lernen, sei es über Chinas geplantes "Social Credit"-System, dunkle Materie und Neutrino-Detektoren oder Post-Quantenkryptografie.

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Seltsame Digitalwelt: Die paar CDs

Getty Images

Ich habe mir zu Weihnachten einen schicken Bluetooth-/WLAN-Lautsprecher gekauft, denn ich will endlich die steinalte Stereoanlage aus dem Wohnzimmer in den Keller verbannen. Vorher muss ich nur noch die paar CDs, die ich noch nicht in MP3-Alben umgewandelt hatte... Oh. Es sind mehr als ein paar. Könnte dreistellig werden.

Und ich muss einen Laptop entstauben, der noch ein CD-Laufwerk hat. Dann muss ich die ganze Musik auf meine externe Festplatte übertragen, weil der Speicher meines aktuellen Laptops aus irgendeinem Grund fast voll ist. Aber wenn ich die Festplatte schon rauskrame, könnte ich auch gleich mal wieder eine neue Sicherungskopie von den Laptopdaten machen.

Zum Glück habe ich ja jetzt drei Tage Zeit.


App der Woche: "This is the Police"
getestet von Tobias Kirchner

Handy Games

"This is the Police" ist ein komplexes Spiel mit einer so tiefgründigen wie düsteren Kriminalgeschichte rund um Macht und Korruption. Im Vordergrund steht eine Polizeisimulation. In dieser gilt es, Ressourcen zu managen, Verbrechen aufzuklären und Skandale zu vermeiden. Protagonist ist der Polizist Jack Boyd, der kurz vor dem Ruhestand noch ausreichend Geld verdienen muss. Dafür müssen immer wieder Entscheidungen getroffen werden, die den Verlauf der Geschichte beeinflussen. Das motiviert Spieler für viele Stunden.

Für 7,99 Euro von Handy Games, ohne In-App-Käufe: Android, iOS


Fremdlink: Drei Longread-Tipps aus anderen Medien

  • "Four Days Trapped at Sea With Crypto's Nouveau Riche" (Englisch, 25 Leseminuten)
    Die Schriftstellerin Laurie Penny war auf einer mehrtägigen Mittelmeerkreuzfahrt für Investoren und Propheten der Kryptowährungsszene. Das Ergebnis ist ein kluger, bisweilen sehr lustiger Artikel, in dem sie sich nie über ihre Protagonisten lustig macht, auch wenn sie noch so große Knallchargen sein mögen.

  • "Jealousy List 2018" (Englisch, beliebig viele Leseminuten)
    Das ist jetzt eine Art Meta-Empfehlung: Die Redaktion von Bloombergs "BusinessWeek" hat wieder ihre Lieblingsstücke des Jahres aus anderen Medien gesammelt und kuratiert - "Artikel, von denen wir wünschten, wir wären zuerst darauf gekommen". In der bunten Mischung dürfte jeder, der des Englischen mächtig ist, mindestens eine überragende Geschichte für sich entdecken.

Ich wünsche Ihnen eine besinnliche Woche,

Patrick Beuth

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insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
Kurt-C. Hose 24.12.2018
1. Guter Kongress
Interessante Leute, interessante Vorträge. Hiesigen Lesern seineinbalternVortrag von David Kriesel: Spiegel-Online-Mining empfohlen...
5b- 26.12.2018
2. Sagen was ist: Biometrie
„Und der Biometrie-Experte Starbug alias Jan Krissler wird nach Fingerabdrucksensoren und Irisscannern nun auch die Venenerkennung für kaputt erklären.“ Es mag natürlich sein, dass Jan Krissler Venenerkennung für „kaputt“ erklären will. Falls er sie aber als „broken“ erklären möchte, erklärt er sie nicht für kaputt, sondern für angreifbar. Das Wort „kaputt“, hört sich so an als sei es ein leichtes so ein System zu umgehen, es wird dabei ausgeklammert, dass man meist vollen Zugriff auf das originale Merkmal hatte. Das Problem mit der biometrischen Sicherheitssystemen ist ein falsches Verständnis über die Art der Sicherheit, die sie gewähren. Man muss bedenken, das biometrische Merkmale nicht änderbar und potenziell angreifbar sind. Selbst wenn solche Systeme Fälschungen erkennen sollen, macht dies einen Angriff nur schwerer aber nicht unmöglich. Was man bedenken muss ist wie aufwändig ein Angriff sein muss und wie hoch die Wahrscheinlichkeit, dass er gelingt. Wenn Gesichts- oder Fingerabdruckscans lediglich das Telefon eines einfachen Bürgers, der dort keine Geschäfts- oder Staatsgeheimnisse aufbewahrt, sichern, sind solche Systeme sicherlich sicher genug. Wer es wirklich sicher braucht, muss weiterhin Schlüssel verwenden. Das können reguläre Schlüssel sein aber auch Passwörter und Hardwaretoken oder eine Kombination daraus. Wenn es um Angriffe auf Telefone geht, muss man sich bewusst machen, wer denn der wahrscheinliche Angreifer ist. Wenn es nämlich eine Person aus dem nächsten Umfeld ist, ist ein gutes Passwort oder PIN, das keinem verraten wird, wohl am sichersten. Wenn der Angreifer ein unbekannter Dieb oder Finder ist, sind biometrische Sicherheitssysteme definitiv sicher genug. Das waren aber auch schon PINs bei Telefonen, die nach und nach die Zeitintervalle zwischen den Eingabeversuchen erhöhen.
Konstruktohr 26.12.2018
3. 34C3, es kann nur besser werden.
Bleibt zu hoffen, dass die Stadt und ihre Infrastruktur über die Jahre endlich verbessert wird: - ÖPNV auch nach 22:30Uhr - Erschwingliche Unterkünfte in erreichbarer Nähe (also evtl. sogar
Paspill 27.12.2018
4. Mehr Masse als Klasse
Das Programm verspricht nur wenig Höhepunkte. Und einer davon (Sonneborn) zu nachtschlafender Zeit. Positiv: Viele Vorträge auf Englisch, da bleibt einem das grausame deutsche Gendersprech erspart.
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