Pistole aus dem 3D-Drucker Cody Wilson verklagt US-Außenministerium

Eine Anleitung zum Pistolendruck machte Cody Wilson so berühmt wie berüchtigt. Auf Anweisung des Außenministeriums musste er den Bauplan wieder aus dem Netz nehmen. Jetzt kämpft Wilson vor Gericht dafür, die Informationen teilen zu dürfen.

Pistole aus dem 3D-Drucker: Ein Projekt, das seit Jahren in der Kritik steht
DPA / Austin American Statesman, Jay Janner

Pistole aus dem 3D-Drucker: Ein Projekt, das seit Jahren in der Kritik steht


Über Hunderttausend Mal - so oft wurde Cody Wilsons Bauplan für eine Pistole aus dem 3D-Drucker im Mai 2013 binnen zwei Wochen heruntergeladen. Bis heute kursiert das Dokument im Netz, nur auf der offiziellen Website von Defense Distributed findet man es nicht. Auf Anweisung des Außenministeriums hatte Wilson die Anleitung aus dem Netz nehmen müssen, wenige Tage, nachdem er auf einem Schießstand die Einsatzfähigkeit seiner Plastikpistole bewiesen hatte.

Noch hat Wilson aber nicht die Hoffnung aufgegeben, seine Anleitung online mit anderen Amerikanern und der ganzen Welt teilen zu dürfen. Wie die "New York Times" berichtet, hat sein Unternehmen Defense Distributed jetzt eine Klage gegen das Außenministerium eingereicht.

Dessen Anordnung zum Löschen der Druckanleitung habe sich letztlich nur auf einige Zeilen Computercode bezogen, heißt es aus Wilsons Umfeld. Damit stelle sie einen Verstoß gegen den Zusatzartikel zur Verfassung dar, der die freie Rede schützt.

Die "New York Times" kommentiert, mit seinem Vorstoß unternehme Wilson den originellen Versuch, den ersten Verfassungszusatz zur Durchsetzung des zweiten zu verwenden, der jedem US-Bürger den Gebrauch von Waffen zugesteht.

Eine ungewöhnliche Klage

Unter Verfassungsexperten wird Wilsons Vorstoß als ungewöhnlich angesehen. Die "New York Times" zitiert Floyd Abrams, einen Experten für den ersten Verfassungszusatz, mit der Einschätzung, es handele sich bei der Klage um eine ernsthafte Angelegenheit.

Wilson hofft wohl, dass ein Gericht seine grundsätzlichen Erwägungen für wichtiger hält als die Gründe, die die Regierung für ihre Löschverfügung angeführt hatte. In der Verfügung hieß es ihrerzeit, die Veröffentlichung der Bauanleitung verstoße gegen das Verbot, Militärdaten zu exportieren. Für den Fall, dass die Daten weiter online bleiben, wurden Wilson eine Gefängnisstrafe und hohe Geldbußen in Aussicht gestellt.

Wilson führt zur seiner Verteidigung an, seine Veröffentlichung der 3D-Druckpläne sei von den gesetzlichen Grundlagen, die die Regierung angeführt hatte, gar nicht berührt. Die Waffenkontrollabteilung im Außenministerium hatte sich auf das Regelungswerk zum internationalen Waffenhandel Itar bezogen. Es legt fest, ob und unter welchen Umständen Amerikaner Waffen ins Ausland verkaufen dürfen.

Was darf der Staat vorschreiben - und was nicht?

Das Tech-Magazin "Wired" schreibt, Wilsons Einwand sei auch deswegen von großer Bedeutung, weil das Itar-Regelwerk seit den Neunzigerjahren zur Bekämpfung unliebsamer Codes und Programme eingesetzt werde. In den sogenannten Crypto Wars war bestimmte Kryptografie zum illegalen Exportgut erklärt worden, Phil Zimmermann, der Entwickler des Verschlüsselungsstandards PGP, wurde sogar verklagt.

Matthew Goldstein von Wilsons Anwaltsteam sagt zum Streit um die Anleitung: "Man kann niemanden für seine Äußerungen bestrafen, nur weil jemand glaubt, diese Äußerungen könnten für schlechte Zwecke gebraucht werden."

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meyerhth 07.05.2015
1. Naiv oder nur dreist?
Matthew Goldstein von Wilsons Anwaltsteam sagt zum Streit um die Anleitung: "Man kann niemanden für seine Äußerungen bestrafen, nur weil jemand glaubt, diese Äußerungen könnten für schlechte Zwecke gebraucht werden." Die Pläne für eine Pistole aus Plastik die jeder der einen 3D-Drucker hat herstellen könnte. Der Anwalt ist ganz schön dreist. Diese Waffe hat weder eine Registrierungsnummer noch ist sie zurück zu verfolgen und nach jedem Schuss verändert sich das Profil das der Lauf auf der Patrone hinterlässt. Nicht zu vergessen das kein Scanner eine Plastikwaffe erfasst. Zu denken, dass solch eine Waffe nicht missbraucht wird, grenzt schon an massive Unverfrorenheit.
wauz 07.05.2015
2. Weder noch
Zitat von meyerhthMatthew Goldstein von Wilsons Anwaltsteam sagt zum Streit um die Anleitung: "Man kann niemanden für seine Äußerungen bestrafen, nur weil jemand glaubt, diese Äußerungen könnten für schlechte Zwecke gebraucht werden." Die Pläne für eine Pistole aus Plastik die jeder der einen 3D-Drucker hat herstellen könnte. Der Anwalt ist ganz schön dreist. Diese Waffe hat weder eine Registrierungsnummer noch ist sie zurück zu verfolgen und nach jedem Schuss verändert sich das Profil das der Lauf auf der Patrone hinterlässt. Nicht zu vergessen das kein Scanner eine Plastikwaffe erfasst. Zu denken, dass solch eine Waffe nicht missbraucht wird, grenzt schon an massive Unverfrorenheit.
Es geht um die USA. Die haben eine andere Geschichte, als wir, eine andere Verfassung, eine andere Einstellung zur Verfassung und andere Waffengesetze. In den USA ist für niemanden ein Problem an Waffen zu kommen, auch an unregistrierte. Es werden auch keine Geschossproben hinterlegt, oder so etwas, woran man allein anhand eines Geschosses auf die individuelle Waffe schließen könnte. Deswegen ist die Problemlage eine andere. Niemand will in den USA verhindern, dass Bürger an Waffen kommen, außer ein paar Oppositionellen. Unter diesen Umständen ist das verbot, eine Bauanleitung zu veröffentlichen, fragwürdig. Und auf Grund der Verfassungsrechte in den USA erst recht. Man mag das nun gut finden, oder nicht, aber der Mann ist weder dumm, noch naiv, oder noch dreist.
limubei 07.05.2015
3. krankhafter Waffenwahn!
Seit in Mexiko der Krieg gegen Drogengangs gestartet wurde sind ca 100.000 Menschen getötet worden oder werden vermisst. In der gleichen Zeit kamen in den USA im täglichen normalen Bürgerkrieg, jährlich ca 30.000 Menschen durch Waffeneinwirkung ums Leben. Die Zahl der schwer verletzten und traumarisierten dürfte ein vielfaches sein. Im ersten Golfkrieg gab es offiziell weniger als 500 Gefallene. Davon noch viele durch Einwirkung von friendly fire! Für diese "Helden" gabs dann eine Siegesparade. In der gleichen Zeit kamen in den USA tausende im täglichen Bürgerkrieg ums Leben Einfach nur krankhaft. Die Anwälte geben sich für jeden Scheiss her und argumentieren wahnhaftes Zeug für ihre Mandanten.
Promethium 07.05.2015
4.
Zitat von limubeiSeit in Mexiko der Krieg gegen Drogengangs gestartet wurde sind ca 100.000 Menschen getötet worden oder werden vermisst. In der gleichen Zeit kamen in den USA im täglichen normalen Bürgerkrieg, jährlich ca 30.000 Menschen durch Waffeneinwirkung ums Leben. Die Zahl der schwer verletzten und traumarisierten dürfte ein vielfaches sein. Im ersten Golfkrieg gab es offiziell weniger als 500 Gefallene. Davon noch viele durch Einwirkung von friendly fire! Für diese "Helden" gabs dann eine Siegesparade. In der gleichen Zeit kamen in den USA tausende im täglichen Bürgerkrieg ums Leben Einfach nur krankhaft. Die Anwälte geben sich für jeden Scheiss her und argumentieren wahnhaftes Zeug für ihre Mandanten.
In Mexiko herrscht ein sehr strenges Waffengesetz. Tatsächlich gibt es in den USA 6 mal mal mehr Waffen pro Einwohner wie in Mexiko aber die Mordrate ist in Mexiko 4 mal so hoch wie in den USA! In den USA gibt es 10 mal mehr Waffen wie in Brasilien aber die Mordrate ist in Brasilien 5 mal höher! Und in der Schweiz gibt es sehr viel mehr Waffen pro Einwohner wie in Deutschland und trotzdem ist die Mordrate dort um 25% niedriger. Also zu glauben das viele Waffen viele Tote bedeuten würden ist total falsch. Wissenschaftliche Statistiken aus den USA zeigen das die Mordrate dort niedrig ist wo es mehr Waffen gibt. Die hohe Mordrate in Mexiko hat mit Drogen zu tun und in den USA werden die meisten Morde auch in Problemvierteln, in denen Drogen eine große Rolle spielen, verübt. http://en.wikipedia.org/wiki/Number_of_guns_per_capita_by_country
krak 09.05.2015
5.
Als ob diese Welt noch mehr Waffen bräuchte...
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