Erlebnisse in einem Online-Erotikspiel Übereinander, nebeneinander, hintereinander

Kennenlernen, Sex haben, Fremdgehen: "3DXChat" wirkt wie eine immerwährende Orgie. Für die Zeitschrift "WASD" war Jan Fischer in der seltsamen Welt des Onlinespiels für Erwachsene unterwegs.

Werbebild zu "3DXChat"

Werbebild zu "3DXChat"


Ein plastikartig glänzender Penis gleitet in die kahlrasierte Vagina einer nicht minder glänzenden Frau, die die Augen verdreht, offenbar vor Freude darüber. Große Mengen Sperma mit der Konsistenz von Wachs spritzen in das Plastikpuppengesicht einer anderen Frau. Dazwischen: Bilder von Avataren mit Model-Körpern, die leicht bekleidet Beachvolleyball spielen oder sich gleich komplett nackt mitten auf der Tanzfläche befinden - in diversen Interaktionsphasen irgendwo zwischen Tanzen und Vögeln.

Das Spiel "3DXChat", in dessen Werbetrailer diese Szenen auftauchen, wird als "Multiplayer 3D Online Sex Game" beworben. Hinter dem "Adult-MMORPG" steckt eine Firma namens SexGameDevil, die auch Singleplayer-Games mit Titeln wie "Juliet Sex Session", "Nemo's Whores" und "Anal Masters" im Angebot hat.

Zum Autor
    Jan Fischer lebt und schreibt in Hannover und war für diesen Artikel das erste Mal in einem Datingkontext als Frau unterwegs. Das Erlebnis hat er noch nicht ganz verarbeiten können.

Hannover, ein Gespräch vor dem Selbstversuch

Ich: Was würdest du sagen, was ist Betrügen in einer Beziehung?

M.: ...

Ich: Es ist für einen Artikel.

M.: Dem anderen etwas vorzuenthalten. Regeln verletzen. Den anderen damit zum Opfer machen.

Ich: Welche Regeln?

M.: Jede Beziehung hat doch Regeln, oder? Explizit oder implizit.

Ich spiele "3DXChat" mit einem weiblichen Avatar. Das gibt, denke ich, sicher die interessanteren Gespräche. Also, darf ich vorstellen: Kazoo, benannt nach dem Ersten, was ich auf meinem Schreibtisch gesehen habe, als ich einen Namen vergeben musste.

Sie hat rote, halblange Haare (Standard-Voreinstellung), ist ein wenig nerdy (randlose Brille), natürlich (so wenig Make-up wie möglich, keine absurd ornamentale Schamhaarfrisur), und hat einen Körper, der in seinen Maßen zumindest theoretisch möglich ist (keine aufgepumpten Plastikbrüste, Hüften, Hintern, Beine: nichts übertrieben dick oder dünn).

Sie ist aber auch ein wenig classy (schwarzes Kleid, weiße Unterwäsche) und etwas Rock'n'Roll (schwarze Stiefel, hochhackig, weil es keine Schuhe zu Auswahl gibt, die nicht hochhackig sind).

"3DXChat", ein Gespräch in einem virtuellen "Suck and Fuck House"

Lazar: Hi! Wie geht's?

Kazoo: Gut, danke.

Lazar: Schönes Kleid. Ich mag den tiefen Ausschnitt.

Kazoo: Danke. Das kam mit dem Spiel.

Lazar: Besser wäre es, wenn gar nichts damit käme.

Kazoo: ...

Lazar: Wollen wir zu mir gehen?

Nachdem ich herausgefunden habe, wie ich die Kamera bewegen kann, lasse ich sie um Kazoo rotieren. Ihre Augen scheinen mir die Welt mit einer recht gesunden Scheißegal-Einstellung zu betrachten. Das schwarze Kleid fällt genau richtig. Ihre Haut ist plastikglatt, ein wenig glänzend, kein Fältchen irgendwo, keine Hautunreinheit. Ihre Brustwarzen recken sich akkurat leicht nach oben. Nur - erstaunliches Detail - im Schritt hat sie ein paar Rasierpickel oder -stoppeln, dort, wo das Dreieck ihrer Schamhaare nach unten hin schmaler wird.

Schamlippen, Klitoris, Vagina - auch das sieht alles glatt aus, glatt wie in Hartplastik gegossen, so detailliert, dass man es auch im Sexualkundeunterricht als Modell verwenden könnte. Ich klicke Kazoo einen Penis an den Körper. Er ist nicht übertrieben groß, aber doch stattlich und reckt seinen Kopf dorthin, wohin sich auch Kazoos Brüste recken. Alles ist sauber rasiert, auch hier: Hoden, Vorhaut, Hodenansatz, alles detailliert modelliert.

Die Firma SexGameDevil behauptet, die Animationen der verschiedenen Stellungen und der Körper seien mithilfe von Schauspielern und einem Motion-Capture-Verfahren angefertigt worden. Das Spiel bekommt dafür und für die Grafik regelmäßig Preise von irgendwelchen vielleicht mittelseriösen Pornospiel-Testseiten.

"3DXChat", ein Gespräch im Amsterdam Red Light District

Anowerth: Wie geht's?

Kazoo: Ich bin neu hier. Was kann ich tun, damit es interessant wird?

Anowerth: Füll dein Profil aus. Such dir ein paar Freunde, mit denen du herumlaufen kannst. Alleine wird es hier schnell langweilig.

Kazoo: Das klingt vernünftig.

Anowerth: Warum bist du hier? Wegen des Sex? Oder um Leute kennenzulernen?

Es gibt in "3DXChat" nur wenige Orte, die die Entwickler errichtet haben: einen Strand, einen Saloon, eine Yacht, eine Insel, drei Clubs. Den Rest der wechselnden Welten - es stehen immer um die 20 zur Auswahl - haben Nutzer erbaut. Beliebt sind bei ihnen Privathäuser, Strände oder irgendwelche Formen von Tanzvergnügen. Seltener sind Gebäude wie Hotels, noch seltener ganze Viertel oder Straßenzüge.

Volleyball am Strand in "3DXChat"

Volleyball am Strand in "3DXChat"

Ein wenig erinnern diese Welten beim Durchstreifen an "Second Life". Manche sind krude zusammengestoppelt, es gibt Häuser mit zu schmalen Treppen und merkwürdigen toten Ecken. Andere Orte wie ein Café, in dem 15 Avatare auf Barhockern rumlümmeln und sich im Gruppenchat unterhalten, wirken seltsam fehl am Platz. Und wieder andere sind mühevoll angelegt, wie zum Beispiel Strandhäuser, in denen ununterbrochen Musik läuft und in denen eine nie endende Party stattfindet.

Und, ach ja, der Sex. Eine geradezu irritierend große Auswahl an durchanimierten Bewegungen: masturbierende Frauen und Männer, Körperflüssigkeiten, die umherspritzen, Streicheln, Küssen, Oral-, Anal- und sonstiger Verkehr. Umschnalldildos und Penisse wirbeln in Körperöffnungen hinein und wieder hinaus.

Sex gibt es auf der Tanzfläche, in den Separees, im Sand, auf den Betten, auf den Liegen. Nackt, halbnackt, übereinander, nebeneinander, hintereinander. Dazu der allgemeine Chat, in dem Subs Doms suchen oder umgekehrt, in denen schlüpfrige Witze und eindeutige Angebote gemacht werden, und wo manchmal die Musikauswahl gelobt wird.

Gefunden in

Ich ziehe mit Kazoo durch diese eigenartige Mischung aus leicht kaputter Welt und immerwährender Orgie. Sie bewegt sich elegant auf ihren hochhackigen Stiefeln, genau wie alle anderen. Kazoo kommt an: Ständig ploppt irgendein privates Chatfenster auf, ständig will irgendjemand sie einer Freundesliste hinzufügen, ein paar Mal bekommt sie auch ein Geschenk.

Die meisten dieser Unterhaltungen beginnen mit irgendeiner Variante von "Hallo, wie geht's", auf Englisch, Deutsch und Französisch - das sind die drei Sprachen, die ich laut Kazoos Profil spreche. Ich beantworte die wenigsten davon, für den Rest lege ich mir Standardgesprächseinstiege zurecht. "Ich bin neu hier. Hast du Tipps für mich?" ist der eine, "Warum bist du hier?" der andere.

Die erste Frage generiert oft lange Antworten von Nutzern, die mit männlichen Avataren unterwegs sind. Die zweite hat manchmal sehr knappe, eindeutige Antworten zur Folge - was ich denn glaubte, es sei ja schließlich ein Sexspiel -, manchmal aber auch überraschende.

Kazoo lässt sich von einem weiblichen Avatar an den Strand führen, die beiden sitzen dort und schauen aufs Wasser. Sie sei hier, erklärt sie, weil sie im echten Leben einen Motorradunfall hatte, sich nun ein paar Wochen nicht aus dem Bett bewegen konnte und irgendwie raus musste. Sie fände schön, sagt sie, wie kreativ die Welten gestaltet seien und wie viele lange und intensive Gespräche sie schon in "3DXChat" gehabt hätte. Gegen den Sex hätte sie auch nichts.

Online-Forum zum Spiel, Thema: Cybersex

_MrRob_ (Gast): "Du kannst mehrere Menschen lieben, und das ist nichts, wofür man sich schämen müsste. Cybersex und Cyberlove sind nur ein kleiner Teil der wachsenden Bandbreite an möglichen Interaktionen. Fast alle Gefühle, die vorher die physische Präsenz eines anderen Menschen erforderten, können jetzt Menschen an unterschiedlichen Enden der Welt miteinander herstellen. Sie müssen sich dafür noch nicht einmal sehen oder hören. Was ist in einer Beziehung akzeptabel und was nicht? Ich würde sagen, es ist unmöglich, dass zwei Menschen sich darüber komplett einig sind."

In den Foren von "3DXChat" gibt es eine große Diskussion über einen nur im Tor-Browser laufenden Service namens "Pandora 3DX", der es erlaubt, die Profile von Spielern zu sehen, ohne selbst das Spiel zu spielen. Wer also innerhalb (oder außerhalb) des Spieles eine Beziehung mit jemandem führt, der es spielt, kann sehen, ob der oder die andere ihn betrügt, wann der- oder diejenige online war oder ob jemand möglicherweise mit mehreren Avataren spielt. Ebenso erfährt man, wer von wem Geschenke empfangen hat und noch ein paar Daten mehr.

Disco in "3DXChat"

Disco in "3DXChat"

Es werden Stimmen laut, die Spieler, die "Pandora 3DX" nutzen, aus dem Spiel zu werfen. Es geht nicht darum, dass mit "Pandora 3DX" Daten sichtbar wären, die nicht für alle, die das Spiel spielen, auch sichtbar wären.

Im Spiel selbst kann jeder diese Profile aufrufen - das Einzige, was nicht sichtbar ist, ist, ob der Nutzer noch mit einem Zweitavatar spielt. Aber der Rest, die Geschenke, die Freundesliste, die Onlinezeiten: Es ist im Spiel alles mit einem Klick verfügbar. Dennoch wird "Pandora 3DX" als ein Vertrauensbruch gehandelt, egal, in was für einem Beziehungsmodell die Betreffenden leben.

Und Beziehungen gibt es tatsächlich: Es gibt Paare in "3DXChat", die seit mehreren Jahren zusammen sind und auch solche, die innerhalb des Spiels groß angelegte Hochzeiten feiern. Es gibt Homo-, Poly-, platonische und alle sonstigen vorstellbaren Verbandelungen. Es gibt in den Profilen der Spieler lange, von Emojis gespickte Liebes- und Treuebekundungen an andere Spieler.

In den Foren des Spiels finden sich essayartige Beiträge darüber, ob es Sex und Liebe ohne Körperlichkeit geben kann, dazu Diskussionen über Theorie und logistische Praxis von Polyamorie, flammende Verteidigungsreden der Monogamie - und selbstverständlich Debatten über die Frage, was Betrügen ist.

Nicht, dass diese mäandernden Forendiskussionen jemals zu einem Ergebnis kämen - aber dass sie existieren, zeigt zumindest, dass ein paar der Spieler von "3DXChat" das Spiel nicht nur als Sex-Simulator verwenden, sondern dort Beziehungen leben oder zumindest äußerst ernsthaft simulieren.

Andererseits: Das Spiel ist so gebaut, dass es sich einhändig steuern lässt. Es kennt für weibliche Avatare keine andere Kleidung als knappe, für männliche keine anderen Penisse als steife.

"3DXChat", ein Gespräch in einem "Suck and Fuck House"

XMrBlueIceX: Du siehst aus, als wärst du auf Beobachtungsposten. Bestimmt kannst du dich vor PMs kaum retten.

Kazoo: Es geht. Ich bin neu hier, und wollte mich eigentlich nur umschauen und der Musik zuhören.

XMrBlueIceX: Verstehe ich. Kann ich dir irgendwie helfen?

Kazoo: Hast du Tipps?

XMrBlueIceX: Sei ehrlich, aber gibt nicht zu viel von dir preis. Und achte darauf, mit welchen Leuten du dich umgibst. Die meisten wollen dich einfach nur rumkriegen.

Kazoo: Naja, es IST ein Sexspiel. Ich war eher überrascht, wie viel davon Reden und Kennenlernen ist.

XMrBlueIceX: Ich würde sagen, 80:20.

Kazoo: 80:20?

XMrBlueIceX: Oder 30:50:20.

Und dann, wie ein Teenager, der es nicht abwarten kann, will ich es auch: endlich Sex haben. Beziehungsweise Kazoo dazu verhelfen. Und genau wie ein Teenager, der es nicht abwarten kann, weiß ich auch nicht ganz genau, wieso. Je länger ich Kazoo mit ihrem eleganten Gang durch die Welten von "3DXChat" geschickt habe, je mehr private Chatfenster mit den immer gleichen Einstiegssätzen ich weggeklickt habe, desto egaler sind mir die Avatare geworden, die sich in vielfältigen Stellungen überall tummeln.

Kazoo blickt zwar immer wieder interessiert zu ihnen hin, aber das muss sie tun, sie ist darauf programmiert und kann nicht anders, als den anderen Avataren hinterherzuschauen. Spielt es eine Rolle, mit wem es dann passiert? Mit welchem dieser aufreizend und dauergeil gebauten Avatare? Die Hautfarbe, das Geschlecht? Spielt es eine Rolle, welche Geschlechtsteile involviert sind?

Jemand lädt Kazoo in die Wohnung ein. Kazoo geht mit, und ich bin tatsächlich aufgeregt. Die Wohnung ist die Standard-Strandwohneinheit, die jeder Nutzer bekommt. Auch die kann im Spiel umgebaut werden, die, in der wir sitzen, ist es nicht. Die Sonne steht tief, die Wohnung ist komplett verglast und von Meer umgeben. Wir sitzen in rot-weiß gestreiften Liegestühlen auf der Terrasse, blicken aufs Wasser und betreiben ein wenig awkward Konversation.

Und der Rest beginnt ganz einfach mit einem Kuss. Wir gehen noch nicht einmal ins Bett, wir bleiben direkt auf der Terrasse. Die Avatare lehnen sich zueinander, stehen für den Kuss auf, und dann beginnen wir damit, uns die Kleidung vom Körper zu klicken. Die nackten Avatare liegen auf der Terrasse und verhaken sich in unterschiedlichen Stellungen ineinander.

Wir klicken uns - keine Ahnung, wie lange - durch das Angebot an Animationen. Dazu ploppt von Zeit zu Zeit mein Chatfenster auf, ich lese, mit geradezu wissenschaftlichem Interesse, irgendwas zwischen Dirty Talk und Groschenroman, und versuche, etwas Adäquates zu antworten, während ich durchprobiere, auf welche Weise wir uns noch ineinander verkanten können.

Macht es Spaß? Kazoo offenbar schon. Ich bin mir nicht sicher. Geil ist das jedenfalls nicht.

Podcast "The Future of Sex", Janet Liebermann, Ingenieurin und Co-Founderin des Sextoy-Herstellers Dame Products

"Ich glaube, dass viel der Innovation rund um Sex auf Ersatz oder Entfernung fokussiert ist und nicht dem Rechnung trägt, dass wir als sexuelle Wesen den Kontakt brauchen. Nicht immer geht es beim Sex um Orgasmen und Zahlen. Das beste Produkt ist nicht unbedingt das, mit dem man am schnellsten kommt. Was wir von Sex wollen, sind Beziehungen, Intimität. Diese Dinge sind immer noch wichtig."

Alles, was über die Zukunft des Sex geschrieben und gesagt wird, ist Blödsinn, wie alle Prophezeiungen. Allerdings: Pornografie war schon immer ein effektiver Durchlauferhitzer für neue Technologien, von Druckmaschinen über Digitalkameras bis Bitcoin. Und auch ein sehr lukrativer. Deshalb gibt es das Rennen um den ersten Sexroboter mit vernünftiger künstlicher Intelligenz. Deshalb gibt es smarte Sextoys in immer eigenartigeren Varianten, die sich auch miteinander oder einer App koppeln lassen - "Teledildonics" ist die schöne Bezeichnung für diesen Technologiezweig.

Und je realistischer die Animationen, die Virtual Reality, die Sextoys, die Roboter, die Was-auch-Immers werden, desto eher müssen in (Liebes-)Beziehungen zwischen Menschen - vielleicht in jeder individuell - bestimmte Dinge neu verhandelt, neue Begriffe gefunden und neue Vorstellungen ins tägliche Leben integriert werden.

Betrüge ich meine(n) Partner(in), wenn ich mit einem Sexroboter schlafe, der mit künstlicher Intelligenz ausgestattet ist? Wie intelligent darf diese künstliche Intelligenz sein, bis sie kein Sextoy mehr ist? Ist es Betrügen, wenn ich das Geschlechtsteil meines Partners per 3D-Drucker ausdrucke, das aber wiederum von jemand anderem fernsteuern lasse? Lässt sich mit Virtual Reality irgendeine Art von Intimität herstellen, die es vorher vielleicht gar nicht gab? Und wenn ja, darf ich darauf eifersüchtig sein?

Was, wenn ich virtuelle Welten mit einem auf Aktionen in dieser Welt reagierenden Sextoy koppele? Fällt das noch unter Masturbation, oder ist das schon was anderes? Betrüge ich - cheate ich im Sinne eines digitalen Spieles - wenn mein weiblicher Avatar mit einem weiblichen Avatar einer lesbischen Nutzerin Sexanimationen durchspielt, die nicht weiß, dass hinter meinem weiblichen Avatar ein Mann steckt, oder umgekehrt, oder in irgendeiner anderen Konstellation? Oder verbuchen wir das unter "Erkundung von Sexualität"? Willing suspension of disbelief vielleicht?

Die Techniken für alles das haben wir schon, die Produkte teilweise auch. Richtig interessant wird natürlich erst, wenn Bioengineering und Neurowissenschaften auch noch anfangen mitzuspielen.

Aber gut. Zukunftsmusik. Prophezeiungen. Wer weiß. Dennoch: Fragen zu Identität und virtueller Intimität, zu Beziehungsmodellen, wie sie vielleicht nur online funktionieren, und eben auch neuen Möglichkeiten, damit oder darin zu betrügen einfach schon mal zu verhandeln, schadet sicher nicht.

Und das passiert tatsächlich in den Foren und den Orgien von "3DXChat". Denn, das ist ja das Problem mit Orgien: Es gibt immer auch ein Danach, so sehr man sich auch wünschen möge, es gäbe das nicht. Und früher oder später muss man sich eben auch fragen: Was war das gerade? Wie sprechen wir jetzt über das, was da gerade passiert ist? In die Orgie eintauchen heißt immer auch, ihr angemessene Worte zu finden.

"3DXChat", Futa Sanctuary

xXMaryxX: Hi Kazoo! Was machst du gerade?

Kazoo: Ich bin nur mal schnell hier, bevor es wieder ins Real Life geht.

xXMaryXx: Du Arme.

XXMaryXx umarmt Kazoo und geht dann einfach weiter. Und ich bin seltsam gerührt von der leicht hakeligen Animation.



insgesamt 10 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Nonvaio01 02.12.2018
1. warum
muss er sich als Frau anmelden? Verstehe ich nicht. Wenn andere das machen ist es fake.
rainerwäscher 02.12.2018
2.
Zitat von Nonvaio01muss er sich als Frau anmelden? Verstehe ich nicht. Wenn andere das machen ist es fake.
Wenn das kein Mann macht, kommen in dem Spiel gar keine Frauen vor.
tallinn1960 02.12.2018
3. Ist es Betrügen?
Meine Ex-Frau hat sich schon davor gefürchtet, dass ich Porno-Seiten im Internet anschauen würde. Nach dem Maßstab ist schon Masturbation Betrug. Ich denke, der Wunsch nach Treue in einer Beziehung ist so tief in uns verwurzelt, dass er kein kultureller Affekt sein kann, sondern Ausdruck eines natürlchen Bedürfnisses ist - wie der Wunsch nach Sex selbst. Wenn wir wirklich Beziehungen leben und nicht nur vorübergehend einen Partner für leicht erreichbaren regelmäßigen Sex haben wollen, müssen wir das respektieren. Es geht vermutlich darum, dass wir unserem Partner maximal vertrauen können wollen, und dazu gehört, dass der Partner nicht noch mit jemand anderen so intim ist, dass er dem womöglich etwas über einen selbst verrät, was man nur dem Partner offenbart wissen will. Und wir wollen uns sicher sein, dass wir die Zuneigung des anderen ohne jeden Zweifel haben - und die Zweifel kommen, wenn der Partner Sex (auch) noch woanders sucht.
tallinn1960 02.12.2018
4.
Zitat von Nonvaio01muss er sich als Frau anmelden? Verstehe ich nicht. Wenn andere das machen ist es fake.
Ich glaube, würden da nicht auch Männer als Frauen herumlaufen, dann würden da nur Männer herumlaufen.
dasfred 02.12.2018
5. Naturgetreuer als man denkt
Wer mal auf einer Fetisch-Party war, kennt die Situation. Dort verpacken sich die Teilnehmer als ihre eigenen Avatare, schleichen erstmal durch die Hallen und führen belanglose Gespräche. Zwischendrin gibt es für den einen oder die andere belanglosen Sex, gerne auch vor Zuschauern, aber das wahre Leben ist das ebenso wenig, wie dieses Spiel.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.