Neuer Mobilfunkstandard Gefährdet 5G die Gesundheit?

Nächste Woche beginnt die Auktion der 5G-Funkfrequenzen - manche Kritiker lehnen den neuen Mobilfunkstandard ab, aus Gesundheitsgründen. Wie schätzen Wissenschaftler das ein?

Proteste gegen 5G (Bild aus der Schweiz)
DPA

Proteste gegen 5G (Bild aus der Schweiz)


In der Tech-Welt gibt es kaum ein zukunftsträchtigeres Thema als 5G (was das genau ist, erklären wir hier in einem "Endlich verständlich"). Kommenden Dienstag soll in Mainz die Versteigerung der 5G-Funkfrequenzen für Deutschland beginnen. Endlich, sagen manche.

Für die deutsche Industrie und Wirtschaft spielt das ultraschnelle Internet eine zentrale Rolle, will sie wettbewerbsfähig bleiben. Und Verbraucher erwarten schnellere und stabilere Verbindungen.

Manchen Menschen jedoch breitet der Umstieg auf 5G Sorgen - auch, wegen oft dubioser und hysterischer Berichte im Netz. Laut Suchtrends von Google gehören "5g gefährlich" oder "5g netz gefährlich" zu den besonders häufigen Anfragen zu 5G.

Hier sind sechs wichtigsten Fragen und Antworten:

1. Welche Strahlung wird bei 5G verwendet und welche Auswirkungen hat sie auf den Körper?

Bei der Mobilfunkstrahlung, wie sie auch bei 5G genutzt wird, handelt es sich um elektromagnetische Strahlung. Viele Studien haben sich bereits mit den Auswirkungen beschäftigt. "Eindeutig nachgewiesen ist bislang lediglich, dass die hochfrequenten Felder eine thermische, also wärmende Wirkung haben. Das kennt man ja auch aus der Mikrowelle", sagt Sarah Drießen vom Forschungszentrum für elektromagnetische Umweltverträglichkeit an der RWTH Aachen. Allerdings fällt dieser Effekt beim Mobilfunk viel geringer aus.

Zum Ausschließen schädlicher Wirkungen etwa von Smartphones gibt es Grenzwerte, wie den sogenannten SAR-Wert, dessen empfohlener Höchstwert von zwei Watt pro Kilogramm am Kopf/Ohr nicht überschritten werden sollte.

2. Wo finde ich den SAR-Wert meines Geräts?

Bei jedem Smartphone - also auch bei künftigen 5G-Modellen - muss der Wert aus zwei Messungen angegeben werden: beim Telefonieren am Ohr und beim Tragen des Geräts am Körper. Die Werte findet man in der Betriebsanleitung des Geräts und online in einer Datenbank des Bundesamts, die regelmäßig aktualisiert wird. Bei einem Wert von unter 0,6 sprechen die Experten von einem strahlungsarmen Gerät.

3. Immer wieder wird die Nutzung von Smartphones mit einem erhöhten Krebsrisiko in Verbindung gebracht. Gilt Mobilfunkstrahlung als krebserregend?

Die Antwort auf diese Frage ist umstritten. "Nein", sagt Gunde Ziegelberger vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS). "Wir haben keinen Nachweis, dass die Smartphone-Nutzung bei Einhaltung der internationalen Grenzwerte Krebs verursachen könnte." Zwar seien die Studien noch nicht in der Lage, völlige Sicherheit zu geben, weil sich Tumore über lange Zeit entwickelten. "Aber mit jedem Jahr, in dem wir keinen Anstieg an Erkrankungen sehen, erhalten wir mehr Gewissheit."

Sarah Drießen verweist derweil auf eine Expertengruppe der WHO, die 2011 alle bis dato veröffentlichten Studien zusammenfassend bewertete. "Die IARC kam zur Einschätzung, dass Mobilfunkstrahlung 'möglicherweise krebserregend' ist." Das bedeute aber noch nicht, dass Mobilfunkstrahlung tatsächlich krebserregend sei, betont sie. "Dennoch sollten wir die Studien hierzu grundsätzlich ernst nehmen." Endgültig kann die Frage wohl nicht beantwortet werden.

4. Wie kann ich mich als Handynutzer vor zu viel Strahlung schützen?

Experten empfehlen, das Handy möglichst selten direkt an den Kopf zu halten. Beim Telefonieren sollte man also lieber ein Headset oder die Lautsprecherfunktion nutzen - oder gleich aufs Festnetztelefon ausweichen. Ist das Smartphone ungenutzt, sollte man es nicht am Körper tragen. Nachts empfiehlt es sich, den Flugmodus zu aktivieren.

Bei schlechtem Empfang erreichen Mobiltelefone die maximale Strahlungsleistung. Somit wird die Nutzung in schlecht ausgebauten Gegenden, im Auto oder während einer Zugfahrt nicht empfohlen. Besonders Kinder sollten vor hochfrequenter elektromagnetischer Strahlung geschützt werden.

5. Was bedeutet das alles nun für den 5G-Ausbau?

"Es ist zu erwarten, dass 5G zu einer massiven Zunahme der Zwangsexposition durch Funkstrahlung führt", warnt der Bund für Umwelt und Naturschutz BUND. So will allein die Telekom die Zahl ihrer Mobilfunkstandorte verdoppeln.

Das BfS fordert einen "umsichtigen Ausbau". Die 5G-Frequenzen, die Ende März versteigert werden, liegen bei 2,0 und 3,6 und 3,7 Gigahertz. "Also weitestgehend in den Frequenzbereichen, die wir vom jetzigen Mobilfunk kennen und die bereits gut erforscht sind", sagt BfS-Sprecherin Nicole Meßmer. "Perspektivisch sollen aber höhere Frequenzen im Bereich um 26 Gigahertz genutzt werden und die sind zum jetzigen Zeitpunkt wenig erforscht."

Offene Fragen sieht das Bundesamt auch bei der Installation neuer Mobilfunkanlagen: "Hier gibt es mehrere gegenläufige Effekte." Einerseits würden zwar mehr Sender installiert werden, aber mit geringerer Sendeleistung. Diese würden dann näher an Orten betrieben, an denen sich tatsächlich Menschen aufhalten. "Wie sich das dann auswirkt, wie hoch die Strahlung sein wird, der jeder Einzelne ausgesetzt ist, ist im Moment schwierig abzusehen."

6. Was sagen Kritiker des Ausbaus über gesundheitliche Schäden?

Einige Ärzte haben sich im Oktober 2018 in einem offenen Brief an den Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur Andreas Scheuer gewandt. Sie warnen vor den Auswirkungen für elektrosensible Patienten. Zudem finden sich im Internet mehrere Petitionen gegen den Netzausbau.

Laut dem BfS geben knapp zwei Prozent der Deutschen an, dass sie aufgrund von elektrischen und magnetischen Feldern in ihrer Umwelt unter Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Müdigkeit und Konzentrationsstörungen leiden.

Das BfS verwies Ende vergangenen Jahres auf eine SPIEGEL-Anfrage zum Thema Elektrosensibilität auf bisherige Forschungsergebnisse. Damals hieß es: "Fazit der zahlreichen bisher durchgeführten Studien ist, dass ein ursächlicher Zusammenhang zwischen elektrischen und magnetischen Feldern und den Beschwerden elektrosensibler Personen mit hoher Wahrscheinlichkeit auszuschließen ist."

Drießen empfiehlt Menschen, die sich für die Wirkungen elektromagnetischer Felder interessieren, einen Besuch des EMF-Portals ihrer Hochschule. Das Portal recherchiert wissenschaftliche Forschungsergebnisse zum Thema und fasst sie systematisch zusammen.

Jenny Tobien, dpa/mbö



insgesamt 39 Beiträge
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josef2018 11.03.2019
1. Seit
über 25 Jahren stehen in Deutschland und der ganzen Welt Mobilfunk Masten. Gibt es irgendwelche Studien die einen Zusammenhang mit neu auftretenden Erkrankungen und den Sendemasten zeigen?
Wurxel 11.03.2019
2. wer wenig weiss, muss halt vieles glauben
Auch Wasser ist gefährlich, wenn es den ganzen Kopf bedeckt. und zuviel Schokolade auch. Und WLan. Und Fernsehen. Es gibt KEINE Erkenntnisse über strahleninduzierte Krebsarten, aber viele viele Dumme Menschen, die einfach alles ablehnen, was neu ist. Oder mit "Strahlung" zu tun hat. Das sind die gleichen, die dann mehrfach im Jahr fliegen, CO2 in Massen erzeugen (aber zu Hause wird mit Elektroauto gefahren!!!) und dabei echter Radioaktivität ausgesetzt sind. Zum Glück rottet sich Dummheit dann aus.
Charles100 11.03.2019
3. Mobilfunk ist nicht schädlich (auch nicht ein ganz kleines bisschen)
Da ist sie wieder. Die reißerische Überschrift (hier als Frage formuliert). Und die ambivalente "Antwort", in der sich alle technikfeindlichen, besorgten Wohlstandsbürger wiederfinden können. Fakt ist: Es gibt fast nichts, was so gut erforscht ist, wie die Schädlichkeit von Mobilfunk. Es gibt nicht den geringsten Hinweis auf irgendeine Schädlichkeit. Aber es gibt natürlich keinen BEWEIS, weil die Nicht-Existenz eben schwer beweisbar ist. Genauso wie die Nicht-Existenz von Einhörnern. Aber fragt mal den BUND. Der wird's wissen.
hansulrich47 11.03.2019
4. Wer keine Probleme hat, macht sich welche!
Ionisierende Strahlung ist gefährlich. Das ist zweifelsfrei. Wenn Wärme entwickelnde Strahlung gefährlich sein sollte, dann müsste jeder lieber im eiskalten Zimmer sitzen, statt die Heizung anzumachen. (Stirbt dann nach ein paar Tagen an Lungenentzündung!) Leider ist unser Wohlstand so ausgeprägt, dass jeder sich gerne Gedanken über die Gefahren von etwas Neuem macht. Bitte immer in Erinnerung rufen: Bevor die erste Eisenbahn von Fürth nach Nürnberg fuhr, gab es Ärzte, die erklärten, dass dem Lokführer durch den Fahrtwind die Lunge platzt und dass Pferde schlicht verrrückt würden, wenn sie die rauchende, schnaufende Lok sehen!
anton.baur 11.03.2019
5.
Zitat von josef2018über 25 Jahren stehen in Deutschland und der ganzen Welt Mobilfunk Masten. Gibt es irgendwelche Studien die einen Zusammenhang mit neu auftretenden Erkrankungen und den Sendemasten zeigen?
Seit über 100 Jahren funkt(/morst) der Mensch wild durch den Äther, und dabei sind die elektromagnetischen Felder, welche z.B. Blitze seit Milliarden Jahren verursachen, noch gar nicht mitgerechnet. Ebenso strahlt es seit Milliarden von Jahren in so gut wie allen Gebirgen dieser Welt, und auch die UV-Strahlung der Sonne war bereits deutlich höher als heute - und dennoch haben wir es geschafft, seit der Einführung des Funksignals uns weltweit fast zu verfünffachen - in 110 Jahren von 1,65 auf 7,55 Milliarden. Ich würde nun rein statistisch davon ausgehen, das trotz Waldsterben, Ozonloch oder Weltkriege nur die Funkwellen uns so alt und auch so fruchtbar werden ließen - anders kann ich mir das beim besten Willen nicht erklären.... Mein Motto : nicht lesen bildet, sondern man muss auch den Text/den Inhalt verstehen können >und wollen< ... Meiner Meinung nach tötet nicht die "Handystrahlung ", sondern der damit verbundene Kommunikations-Overhead. Wer den ganzen Tag das "Händü" vor bzw. an der Birne hat, verhält sich im Allgemeinen unbewusst ungesünder in seiner Lebensweise als jemand, der auch länger ohne "den Sehschlitz zur restlichen Welt" auskommt - da helfen dann auch die Vitaminpillen zu den Pommes rot/weiß oder in den Filterkaffee nichts mehr ...
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