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77.000 Bilder: Knipsorgie quer durch Europa

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Erstaunlich, was mancher mit seiner Digitalkamera so alles anstellt. Zwei Münchner Fotografen montierten eine Kamera aufs Autodach und fuhren im "Foto-Dauerfeuer" von Italien bis nach Norwegen. Heraus kam dabei 50-minütiges Daumenkino für die Leinwand.

Einer von 77.000 Momenten: Rasende Wolken irgendwo in Skandinavien
Heinz von Heydenaber

Einer von 77.000 Momenten: Rasende Wolken irgendwo in Skandinavien

Was treibt einen Menschen dazu, mehr als 77.000 Bilder mit einer Digitalkamera zu schießen, diese 77.000 Bilder in anderthalb Jahren mit Photoshop zu bearbeiten und anschließend daraus einen 50-minütigen Film zu schneiden?

Es gehört schon eine gehörige Portion Besessenheit dazu, um einen Film wie "The Road to Fokstugu" zu machen. Der Münchner Fotograf Heinz von Heydenaber hat es sich nicht leicht gemacht. Er hätte auch mit einer Videokamera auf dem Autodach quer durch Europa fahren und hinterher die Aufnahmen mit der Zeitrafferfunktion bearbeiten können.

Doch das wäre zu einfach gewesen und auch nicht wirklich neu. Heydenaber griff stattdessen zu einer Digitalkamera - einer Canon EOS-D60. Die galt zumindest im Herbst 2002, als die Aufnahmen entstanden, als bessere digitale Spiegelreflex. Damit die Kamera "filmt", klebte Heydenaber einen Stein mit Tesafilm auf den Auslöser, so dass dieser permanent gedrückt wurde. Die Kamera schoss somit Bilder im Dauerfeuer - und zwar zufälligerweise genau im Sekundentakt. So lange dauerte nämlich das Abspeichern eines Fotos.

Fotostrecke

6  Bilder
Digitalfotografie: Daumenkino von Italien bis nach Skandinavien

Auf die Idee mit dem Dauerauslöser war Jan Prerovsky gekommen, der als Assistent bei Heydenaber jobbte. Prerovsky hatte mit einer Fotokamera bereits Slapstick-Trickfilme gedreht - Darsteller waren Plastelina-Figuren. Irgendwann nahmen die beiden eine Kamera mit ins Auto - und Heydenaber kam auf die Idee, ein Roadmovie zu drehen, genauer gesagt zu fotografieren.

Die beiden Fotoenthusiasten starteten im Oktober 2002 in Rom und fuhren binnen zwei Wochen über Genua, Zürich, Hamburg, Kopenhagen, Malmö bis nach Fokstugu - ein kleines norwegisches Kaff auf einer Hochebene in der Nähe von Trondheim.

Die Kamera knipste ein Mal pro Sekunde - im Film werden 25 Bilder je Sekunde gezeigt. Aus 100 Stundenkilometern werden so 2500 km/h. Der Zuschauer rast in Jet-Geschwindigkeit über regennasse Fahrbahnen, durch Alpentunnel und über die neue Öresund-Brücke.

Filmplakat: "Ich musste praktisch jedes Bild anfassen"

Filmplakat: "Ich musste praktisch jedes Bild anfassen"

"Ich wollte keinen zweiten 'Koyaanisqatsi' machen", bekennt Heydenaber im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Doch die Bilder ähneln schon ein bisschen dem 1983 entstandenen Kinofilm, der unter anderem Autos zeigt, die in Manhattan im Sekundentakt von einer roten Ampel zu nächsten hüpfen. Untermalt wird das Ganze durch minimalistische Musik von Philip Glass.

Der "Dreh" dauerte knapp zwei Wochen. Die beiden Fotografen mussten auf der Fahrt laufend stoppen, um die volle Speicherkarte der Kamera zu leeren und um die Blende manuell einzustellen. Der Zielort Fokstugu in Norwegen ergab sich mehr zufällig. "Ich wollte die nordische Einsamkeit zeigen", erklärt Heydenaber. So habe man spontan beschlossen, die Tour in Fokstugu zu beenden.

Die Nachbearbeitung der 77.500 Fotos wurde zu Sysiphusarbeit. "In Italien sind die Straßen ziemlich rumpelig, da musste ich praktisch jedes Bild anfassen." Anfassen heißt in Photoshop öffnen und nachbearbeiten, bis die Qualität stimmt. Anderthalb Jahre dauerten Bildbearbeitung und Videoschnitt. Die Film hat eine Auflösung von 1024 mal 768 Pixeln und ist somit deutlich schärfer als eine Video-DVD mit 768 mal 576 Pixel Bildpunkten.

Vor einer Woche feierte die Mammut-Diashow Premiere in München. Seitdem läuft der Film im Kino "Forum am Deutschen Museum". Vielleicht schafft es "The Road to Fokstugu" ja auch in das eine oder andere Programmkino - das hofft zumindest sein Schöpfer.

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