Nach Zehntausenden Beschwerden Bundesnetzagentur geht gegen Abzock-Anrufe vor

Das Handy zeigt einen Anruf in Abwesenheit an - doch wer die fremde Nummer zurückruft, muss überteuerte Minutenpreise zahlen. Nun geht die Bundesnetzagentur gegen diese derzeit verbreitete Masche vor.

Mann mit Smartphone
DPA

Mann mit Smartphone


Die Bundesnetzagentur will eine derzeit sehr verbreitete Betrügermasche erschweren und nimmt dazu die Mobilfunkanbieter in die Pflicht: Sie sollen künftig durch Preisansagen verhindern, dass nichtsahnende Kunden auf sogenannte Ping-Anrufe von Betrügern hereinfallen und dadurch auf hohen Gesprächskosten sitzen bleiben.

Das Prinzip hinter den Ping-Anrufen: Das Smartphone klingelt so kurz, dass das Opfer kaum Gelegenheit hat, abzuheben - dann wird ein Anruf in Abwesenheit von einer fremden Nummer angezeigt. Der Kunde soll so dazu animiert werden, einfach mal kurz zurückzurufen, vermeintlich bei einer deutschen Rufnummer. Tatsächlich löst der Rückruf aber hohe Gesprächskosten von mehreren Euro pro Minute aus.

Die Netzagentur verzeichnete bei dieser Masche ein Beschwerdehoch im Herbst: Im Oktober hatte es 30.000 Beschwerden wegen solcher Lockanrufe gegeben, im November waren es nach dem letzten Stand der Zählung 20.000. Im Jahr 2017 bis einschließlich September sind insgesamt 15.000 Beschwerden eingegangen.

Verwechslungsgefahr mit deutschen Vorwahlnummern

Die falschen Anrufer setzen laut Netzagentur darauf, dass Nutzer ortsübliche Vorwahlen mit den Vorwahlen für afrikanische Länder verwechseln - weil die Ziffernfolgen ähnlich lauten. Ein Ping-Anruf aus Madagaskar mit der Vorwahl 00261 werde demnach von vielen Nutzern fälschlicherweise für einen Anruf aus Koblenz gehalten - die Stadt hat nämlich die Vorwahl 0261. Das gleiche Prinzip greift bei Anrufen aus Liberia (00231) und Dortmund (0231).

Ruft ein Nutzer tatsächlich die internationale Nummer zurück, wird er in der Regel möglichst lange in der Leitung gehalten. Häufig wird eine Bandansage abgespielt, mit schlecht verständlichen Ansagen zu Gewinnspielen oder angeblichen Paketzustellungen. Die Verursacher streichen dann die Kosten für den Anruf ein.

Die komplette Liste der Länder, für die Mobilfunkanbieter spätestens ab dem 15. Januar 2018 Warnansagen schalten müssen, steht auf der Webseite der Bundesnetzagentur.

gru

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insgesamt 55 Beiträge
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villefranche 04.12.2017
1. Lächerlich....
einfach nicht zurück rufen, wenn man die Nr. nicht kennt und auch nicht ran gehen. Typisch Deutsch..alles wird geregelt, damit der ohnehin unmündige Bürger noch unmündiger wird. Wie wäre es mit Lautspechern an jeder Hauseingangstür: Durchsage: " Achtung: Sie verlassen den geschützen Bereich Ihres Zuhause".
angst+money 04.12.2017
2.
Kein Wunder, dass alle immer verdruckster und misstrauischer werden. Ich käme mittlerweile auch nie auf den Gedanken, einen unbekannten Anrufer zurückzurufen, bzw. überhaupt ranzugehen, wenn ich die Nummer nicht kenne. Das hat schon Auswirkungen auf das Kommunikationsverhalten - manche Bekannte haben ihre Nummer unterdrückt, so dass es schwierig wird, überhaupt miteinander in Kontakt zu kommen ohne Mittel anzuwenden, die man aus Agentenfilmen kennt. Gegen solche Machenschaften hilft wohl nur, die Beweislast komplett auf den umzulegen, der die Beträge fordert; alles andere ist Kosmetik und wird bei der nächsten Gelegenheit unterlaufen.
Jominator 04.12.2017
3. Ansage
Wieso werden nicht grundsätzlich bei allen Gesprächen die nicht von der Flatrate abgedeckt sind die Kosten angesagt? Damit wäre das Thema doch erledigt. Bei gewollten Auslandsgesprächen weiß ich dann auch gleich was sie kosten.
grabenkaempfer 04.12.2017
4.
Wenn das Smartphone nicht uralt ist, dann wird die Nummer mit der Vorwahl richtig zugeordnet und teilweise auch das Land/die Ortschaft angezeigt von wo der Anruf kam. Andererseits: unbekannte Nummern sind entweder Werbung oder Betrüger, also komplett ignorieren
zensurgegner2017 04.12.2017
5.
Klar gibt es die Übermenschen und die Superschlauen, die viel zu intelligent, zu heldenhaft sind, um auf so dumme und plumpe Versuche hereinzufallen. Aber jenseits dieser auch so unfehlbahren, nahezu gottgleichen Truppe gibt es Menschen, die nun mal drauf reinfallen. Und in Summe verursachen diese Abzocker eben Schäden im Multimillionenbereich, Geld was dem Wirtschaftskreislauf fehlt, was ganz zweifellos Arbeitsplätze kostet, und deren Fehl dann der Steuerzahler subventioniert/bezahlt Ganz am Ende zahlt also die gottgleiche Heldentruppe, die niemals auf diese Anrufe reinfallen würde, durch höhere Steuern die eingebrockte Suppe. Und zwar vor allem deswegen, weil diese gottgleiche Heldentruppe ganz zweifelsfrei auch den Löwenanteil des Steueraufkommens bestreitet. Ich frage mich nur, wieso diese Halbgötter nicht die Schwachen schützen, und es gut finden, wenn man dagegen vorgeht. Spart allen Geld
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