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Umstrittener Werbefilter: Landgericht Hamburg weist Klage gegen Adblock Plus ab

Adblock Plus: Der Richterspruch könnte als Präzedenzfall große Bedeutung besitzen Zur Großansicht
DPA

Adblock Plus: Der Richterspruch könnte als Präzedenzfall große Bedeutung besitzen

Medienunternehmen erleben einen Rückschlag im Kampf gegen Adblock Plus: Das Hamburger Landgericht hat eine Klage gegen den verbreiteten Werbeblocker abgewiesen. Für die Firma dürfte das aber nur ein Etappensieg sein.

Wer beim Surfen im Netz keine Lust auf Werbebildchen hat, kann sich einen Reklamefilter namens Adblock Plus installieren. Gegen die Geschäftspraktiken des Herstellers hatten "Zeit Online" und das "Handelsblatt" geklagt. Die Klage wurde nun vom Landgericht Hamburg abgewiesen.

Die Kläger hatten angeführt, der Werbefilter greife in unzulässiger Weise in ihr Geschäft ein. Schließlich würden sich journalistische Online-Angebote in der Regel aus Werbeeinnahmen finanzieren. Der Adblock-Plus-Anbieter Eyeo GmbH zeigte sich mit der jetzt ergangenen Entscheidung zufrieden.

Wie "Heise" berichtet, war vor allem das "Acceptable-Ads"-Programm von Eyeo umstritten. Es gestattet Unternehmen, sich durch die Browser-Erweiterung von den Blockaden freizukaufen. Klägeranwalt Matthies van Eendenburg wurde mit der Einschätzung zitiert, dabei handele es sich um "Wegelagerei" oder gar Schutzgelderpressung.

Gegen Bezahlung auf die Whitelist

Die kostenpflichtige Aufnahme in die sogenannte Whitelist stelle Eyeos Haupteinnahmequelle dar. Laut "Heise" hatten die Beklagten dieses Erlösmodell auch nicht bestritten. Eyeo-Anwältin Heike Blank erklärte, in 90 Prozent der Fälle würden Websites jedoch ohne zusätzliche Kosten auf die Whitelist gesetzt. Nur bei den restlichen zehn Prozent gebe es Vereinbarungen zur Zahlung, wegen der Unternehmenswerbung trotz aktivierter Adblock-Plus-Standardeinstellungen angezeigt werde.

Erst im Februar hatten Berichte über entsprechende Abkommen von Google, Microsoft und Amazon mit Eyeo die Runde gemacht. Die Verträge wurden geheimgehalten, Unternehmenssprecher hatten sich in der Angelegenheit äußerst schmallippig gezeigt.

Nicht das einzige Verfahren seiner Art

Für die Hamburger Richter waren "Heise" zufolge zwei Punkte wichtig: Zum einen habe der vorsitzende Richter auf die steigende Anzahl werbefreier Bezahlangebote vieler Medien hingewiesen. Längst also sei Werbung nicht mehr die einzige Einnahmequelle für Medien im Netz. Außerdem nehme letztlich der jeweilige Anwender über die Einstellungen selbst die Filterung unerwünschter Werbung vor, nicht Eyeo.

Das Verfahren vor dem Landgericht Hamburg ist allerdings längst nicht das einzige seiner Art. Eine Reihe von Verlagen und Medienunternehmen hat auch vor anderen Gerichten gegen Eyeo Klage eingereicht, zu einer endgültigen Entscheidung wird es wohl vor dem Bundesgerichtshof kommen. Am Landgericht München läuft derzeit ein Verfahren, das ProSiebenSat.1 sowie die RTL-Tochtergesellschaften IP Deutschland und RTL Interactive angestrengt haben.

Dort dürfte der Hamburger Spruch für einiges Aufsehen sorgen, ebenso wie in Köln. In der Stadt am Rhein ist nicht nur die Eyeo GmbH beheimatet, sondern vor dem Landgericht Köln ist auch ein Verfahren anhängig, das von der Axel Springer AG mit anderen Medien- und Werbeunternehmen gegen den Adblock-Plus-Anbieter in die Wege geleitet wurde. Auch SPIEGEL ONLINE überlegt, gerichtlich gegen das Unternehmen vorzugehen.

meu

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1. Mein Bildschirm gehört mir!
gaeltacht 22.04.2015
und da entscheide ich was ich angezeigt bekommen will. Will ich Werbung ja oder nein. Diese Frage muss jeder Nutzer für sich entscheiden. Und wenn ein Unternehmen sich dann entscheidet nur noch kostenpflichtigen Content anzubieten, dann ist das eine mögliche Konsequenz. Im Sinne der Freiheit der Nutzer, entscheiden zu können, ob oder ob nicht, ist das ein gutes Urteil.
2.
brooklyner 22.04.2015
Seit der Installation von Ghostery ist alles so viel besser. Vor allem die schlecht eingebetteten Werbungen auf der SPON Startseite waren die Pest, da sich die anklickbare Fläche auch auf den Scrollbalken legte und man so jedes Mal, wenn man auf diesen klickte, ein Link zu irgendeinem Dreck aufging. Mal ehrlich SPON, wer klickt denn eigentlich auf Werbebanner? So was machen doch nur Omas oder irgendwelche seichten Gemüter.
3. Merkwürdig
hektor2 22.04.2015
Sollte SPON tatsächlich ebenfalls klagen, dann bin ich hier weg - versprochen! Von mir aus kann gerne eine Bezahlversion von SPON kommen, kein Thema, aber ich möchte mir nicht diese 3.-Klassige Werbung von irgendwelchen Firmen unterjubeln lassen. Dann sind wir ruckzuck auf RTL II Niveau (obwohl SAT 1 mit Newtopia wirklich aufholt), also hirnfrei.
4.
garfield 22.04.2015
---Zitat von sysop--- Klägeranwalt Matthies van Eendenburg wurde mit der Einschätzung zitiert, dabei handele es sich um "Wegelagerei" oder gar Schutzgelderpressung. ---Zitatende--- Damit ich das jetzt richtig verstanden habe: Ein Weg, der vorher völlig versperrt war und nun als Entgegenkommen geöffnet wurde - gegen Gebühr - diese Gebühr ist Wegelagerei? Na, dem kann man doch leicht abhelfen. Ich mache dem Klägeranwalt einen Vorschlag: Wir schließen diesen Weg wieder (der mich als Nutzer eh stört, weil ich die Whitelist nun erst mal von Hand abschalten muss) und es gilt wieder: absolut NO Werbung. Dürfte eh im Sinne der meisten User sein, die dieses Addon benutzen.
5.
arno.crypto.nymous 22.04.2015
Zitat von gaeltachtund da entscheide ich was ich angezeigt bekommen will. Will ich Werbung ja oder nein. Diese Frage muss jeder Nutzer für sich entscheiden. Und wenn ein Unternehmen sich dann entscheidet nur noch kostenpflichtigen Content anzubieten, dann ist das eine mögliche Konsequenz. Im Sinne der Freiheit der Nutzer, entscheiden zu können, ob oder ob nicht, ist das ein gutes Urteil.
Das sehe ich genau so … und wenn se jetzt alle Geld für Ihren Content haben wollen … sollen sie versuchen, viele Auftritte werden daran scheitern und eingehen. Außerdem ist das blockieren von Werbung auch ein gewisser Sicherheitsgewinn, denn 99,9999% aller Viren und Würmer und was es da noch alles gibt, wird über Werbung eingeschleust. Ich bin gespannt, was jetzt passiert, … die Veränderungen werden nicht lange auf sich warten lassen.
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