Umstrittene Werbefilter Gericht erklärt Internet-Werbeblocker für zulässig

Rückschlag für Medienunternehmen: Das Oberlandesgericht München hat eine Klage gegen den Werbeblocker AdBlock Plus abgewiesen. Der Streit um derartige Programme dürfte damit aber nicht vom Tisch sein.

App-Symbole auf Smartphone
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Das Kölner Unternehmen Eyeo darf seinen Werbeblocker AdBlock Plus weiter anbieten. Das hat das Münchner Oberlandesgericht am Donnerstag entschieden.

Geklagt hatten mehrere Medienunternehmen: die "Süddeutsche Zeitung", ProSiebenSat.1 und die RTL-Tochter IP Deutschland. Sie warfen Eyeo einen Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht vor und verlangten Schadenersatz. Denn die Firmen bieten Nutzern kostenfreie journalistische Inhalte im Netz an, die durch Werbung auf den Seiten finanziert wird. Adblocker sind ein Problem für dieses Geschäftsmodell.

Das Gericht entschied nun aber gegen die Kläger. Dem Hersteller Eyeo ist demnach auch die Geschäftspraxis erlaubt, Geld von Firmen zu verlangen, um als Ausnahme in dem Adblocker-Programm geführt zu werden. Gegen die Zahlung können Firmen sich dabei bei AdBlock Plus in eine sogenannte Whitelist einkaufen. Unternehmenswerbung auf einer Webseite wird dann auch bei Nutzern angezeigt, die den Werbeblocker aktiviert haben.

In einer Pressemitteilung des Gerichts heißt es, man folge einem vorausgegangenen Urteil des Landgerichts, dass die umstrittene Software das Geschäftsmodell der Kläger nicht gezielt behindert. Der Ad-Blocker verstoße weder gegen das Wettbewerbsrecht, noch gegen das Kartell- oder Urheberrecht.

Weil das Oberlandesgericht Köln im Bezug auf mögliche wettbewerbsrechtliche Ansprüche der Unternehmen ein Urteil gefällt hat, das dem Münchner Spruch widerspricht, hat das bayerische Gericht in diesem Punkt eine Revision zugelassen.

In eigener Sache

Auch SPIEGEL ONLINE bittet seine Leser, auf den Einsatz eines Adblockers zu verzichten. Seit Mitte August erhalten die Nutzer von Adblockern und ähnlichen Tools eine Aufforderung, SPIEGEL ONLINE in eine sogenannte Whitelist aufzunehmen und somit Werbung innerhalb des Nachrichtenangebots zu akzeptieren. SPIEGEL ONLINE war jedoch keiner der Kläger in dem Verfahren. Hintergründe zur Finanzierung von SPIEGEL ONLINE und Einblicke in die Arbeit der Redaktion finden Leser auf der neuen Seite SPON-Backstage.

gru/che/dpa

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