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Ärger um .xxx: Einführung von Porno-Domains verzögert sich

Sie sollen der Rotlichtbezirk fürs Netz werden, ein Porno-Reservat im Domaindschungel. Weltweit wird jedoch die Kritik an den geplanten .xxx-Domains lauter - die Einführung des neuen Netz-Bezirks verzögert sich weiter.

Nackte im Netz: "Sehr besorgt über Entscheidungsprozess"

Nackte im Netz: "Sehr besorgt über Entscheidungsprozess"

"Das Handelsministerium hat beinahe 6000 Briefe und E-Mails von Individuen erhalten, die sich besorgt über den Einfluss von Pornografie auf Familien und Kinder äußern", schrieb Michael Gallagher, ein Staatsekretär in der US-Behörde laut CNet.com an Icann, die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers. Icann ist für die Vergabe der sogenannten Top Level Domains (TLDs) wie .com, .org oder .net zuständig. Mit der neuen TLD .xxx sollte im Internet eine Pornozone geschaffen werden - und gleichzeitig denen, die Erwachsenen-Inhalte lieber ausfiltern wollen, die Arbeit erleichtert.

Nun aber laufen offenbar nicht nur sittenstrenge US-Bürger, sondern auch die Vertreter verschiedener Staaten Sturm gegen die geplante neue Domain, die eigentlich heute freigegeben werden sollte. Konservative Organisationen wie das "Family Research Council" warnen davor, dass "Heime, Bibliotheken und Gesellschaft" mit Pornografie "überflutet" werden könnten. Und auch die Repräsentanten verschiedener Staaten protestierten bei einer Uno-Konferenz über die Zukunft des Internets im Juli gegen die geplante Einführung.

Der Vertreter Brasiliens etwa machte deutlich, was er von den .xxx-Domains hält: "Sie reden da von Pornografie. Das sind Dinge, die die Werte in vielen unserer Länder tief treffen. In meinem Land, Brasilien, sind wir sehr besorgt über diese Art Entscheidungsprozess, bei dem einfach darüber entschieden wird, solche neuen Top Level Domainnamen zu schaffen."

Die Kritik, nicht nur die brasilianische, deutet auch auf ein größeres und allgemeineres Problem im Zusammenhang mit der Verwaltung des Netzes hin: Die Uno zeigt in letzter Zeit verstärktes Interesse an den verschiedenen, teils halbstaatlichen, teils ehrenamtlichen, teils kommerziellen Organisationen, die für verschiedene Aspekte dieser Verwaltung zuständig sind. Während die US-Regierung, nicht zuletzt mit Hilfe von Icann, die Privatisierung der Domainvergabe vorantreiben will, mehren sich bei der Uno die Stimmen derer, die das Netz unter internationaler Aufsicht sehen wollen.

Die Einführung von .xxx jedenfalls wird sich wohl noch eine Weile verzögern. Mohamed Sharil Tarmizi, Vorsitzender des "Government Advisory Committee" von Icann, schrieb am Montag an die Direktoren der Domainverwaltung: "Ich glaube, das Board [of Directors] sollte Zeit dafür einräumen, dass weitere Bedenken von Regierungen und Bedenken hinsichtlich der öffentlichen Ordnung geäußert werden können, bevor eine endgültige Entscheidung gefällt wird."

Laut CNet.com hat sich ICM Registry, die Firma, die für die Vergabe der .xxx-Domains zuständig wäre, bereit erklärt, einen weiteren Monat mit der Einführung zu warten, um "auf die Bedenken einzugehen".

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