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Alternative Auktionshäuser: Auf fallende Preise setzen

Jeder kennt eBay - weniger bekannt sind die zahlreichen kleineren Handelsplattformen im Netz, deren Verfahren und Konditionen sich deutlich voneinander unterscheiden. In letzter Zeit entstehen immer mehr Online-Marktplätze mit alternativen Versteigerungs- oder Verkaufsverfahren.

Bei Azubo wird das übliche Versteigerungsprinzip einfach umgekehrt. Während sich in einer klassischen Auktion die Interessenten überbieten, fällt hier der Preis, bis ein Käufer zuschlägt und den Artikel erwirbt. Der Verkäufer legt einen Mindestbetrag fest, den der Preis nicht unterschreiten darf. Je länger man als Interessent sein Angebot hinauszögert, desto günstiger wird der Artikel, desto größer aber andererseits auch das Risiko, dass ein anderer schneller ist und den Zuschlag erhält.

In letzter Zeit entstehen immer mehr Online-Marktplätze mit alternativen Versteigerungs- oder Verkaufsverfahren
DPA

In letzter Zeit entstehen immer mehr Online-Marktplätze mit alternativen Versteigerungs- oder Verkaufsverfahren

Alternativ kann der Interessent auch seinen Wunschpreis angeben. Liegt dieser über dem Mindestbetrag, kann der Verkäufer seinen Mindestpreis bis zum höchsten vorliegenden Wunschpreis erhöhen.

Liegt der Wunschpreis unter dem Mindestbetrag, hat der Verkäufer die Möglichkeit, ihn zu löschen. Er kann ihn aber auch akzeptieren, wenn niemand einen höheren Preis bietet.

Die Idee, ein solches umgekehrtes Versteigerungsprinzip einzuführen, kam den Gründern, weil sie häufiger das Auktionsende bei klassischen Versteigerungen verpasst hatten und aus diesem Grund von einem Konkurrenten überboten worden waren - eine Erfahrung, die den meisten eBay-Nutzern vertraut sein dürfte. Neben dem Verfahren der fallenden Preise gibt es bei Azubo auch die Möglichkeit, Artikel zum Fixpreis zu erwerben oder anzubieten. Insgesamt werden zur Zeit rund 50.000 Artikel bei Azubo angeboten.

Top-Down-Versteigerungen - die Preise fallen

Atrada ist ein Portal für gewerbliche und private Anbieter und Käufer und gehört zu T-Online. Es bietet derzeit etwa 30.000 Artikel an und zählt damit zu den kleineren Handelsportalen, zeichnet sich aber durch ein relativ gutes Angebot an Technik-Produkten aus. Neue und gebrauchte Waren können über verschiedene Handelswege erworben und verkauft werden. Auch hier gibt es die bereits beschriebenen Top-Down-Auktionen, bei denen der Preis in regelmäßigen Zeitabständen um eine vom Verkäufer festgelegte Spanne fällt, bis der Mindestpreis erreicht ist oder bis ein Interessent auf den Kaufen-Button klickt.

Daneben gibt es die klassische Auktion, bei der sich der Verkaufspreis nach dem Höchstgebot eines Interessenten innerhalb der vom Verkäufer festgelegten Laufzeit richtet. Auf dem Online-Marktplatz finden sich aber auch Festpreis-Angebote mit vorgegebener Laufzeit und schließlich sogenannte Power-Buying-Angebote. Letztere können von Verkäufern gewählt werden, die größere Stückzahlen eines bestimmten Artikels anzubieten haben. Es gilt das Prinzip: Je mehr Interessenten zusammenkommen, desto günstiger wird der Preis. Der Interessent kann seine Bestellung an eine bestimmte Preis-Stufe binden: Seine Vormerkung wird erst dann wirksam, wenn sich genügend Interessenten gemeldet haben und der gewünschte Preis erreicht ist.

Das Internet wird zunehmend auch für den gewerblichen Handel mit Neuwaren benutzt. Das bekannteste aktuelle Beispiel hierfür ist eBay Express: Ebay hat Ende August den neuen Online-Marktplatz eröffnet, auf dem ausschließlich originalverpackte Neuware von gewerblichen Anbietern zum Festpreis angeboten werden.

Seit etwa einem Jahr gibt es ElectronicScout24, einen T-Online-Marktplatz ausschließlich für Unterhaltungselektronik, Telekommunikation, Computer und Haushaltsgeräte. Hier werden sowohl neuwertige als auch gebrauchte Artikel angeboten, und zwar von privaten und gewerblichen Anbietern. Derzeit gibt es mehr als 250.000 Angebote. Da die Einstell- und Zahlungsgebühren wie auch der Zeitaufwand für die Erstellung eines Angebots gering sind, ist ElectronicScout24 insbesondere für kleinere Händler interessant.

Alle Waren, die man von unterschiedlichen Anbietern kauft, landen in einem einzigen Warenkorb. Ebenso wie eBay Express übernimmt ElectronicScout24 die Kauf- und Zahlungsabwicklung für die Käufer.

Feilschen statt steigern

Ganz neu und mit gut 30.000 Artikeln noch relativ klein ist das Handelsportal Gimahhot, das sich als einzige Produktbörse im Internet versteht: Das Verkaufsverfahren ist dem Börsengeschehen nachgebildet, das heißt Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis.

Dabei kann man auch feilschen. Der Verkäufer macht einen Preisvorschlag und erhält dann Angebote von Interessenten. Je nach Nachfrage passt er den Preis seines Artikels an so lange, bis es zu einer Übereinstimmung kommt. Bei Gimahhot werden ausschließlich fabrikneue Markenartikel verkauft, darunter Unterhaltungselektronik, Uhren, Kinderspielzeug und Computerzubehör. Für jedes Produkt gibt es nur ein Handelsfenster, auch wenn es von mehreren Händlern angeboten wird. Somit konkurrieren nicht nur die Käufer, sondern auch die Händler untereinander.

Die Abwicklung läuft bei Gimahhot über ein verbraucherfreundliches und sicheres Treuhandkonto. Allerdings benötigt der Geldtransfer vom Käuferkonto auf das Treuhandkonto mehr Zeit als die üblichen Bezahlwege, so dass von der Bezahlung bis zum Erhalt der Ware leicht sechs Werktage verstreichen können. Zusätzlich zu den Handelsfenstern gibt es bei Gimahhot Übersichten über die am stärksten gefallenen oder gestiegenen Preise, die billigsten Artikel und die beliebtesten Produkte.

Die Frage nach der idealen Versteigerungs- oder Verkaufsform ist letztlich eine Geschmacksfrage. Die klassische Auktion, die Top-Down-Auktion und das Feilschen bieten sicherlich mehr Nervenkitzel als der Kauf zu Festpreisen. Es lohnt sich auf jeden Fall, verschiedene Verfahren auszuprobieren und Alternativen zu eBay kennenzulernen. Die kleinen und weniger bekannten Portale haben ein weitaus schmaleres Angebot als eBay, verlangen aber auch niedrigere Gebühren. Die Konkurrenz durch andere Interessenten ist geringer, und in der Regel sind auch die Waren deutlich billiger.

Wer sich also die Zeit nimmt, mehrere Online-Marktplätze nach einem gesuchten Produkt zu durchforsten, kann viel Geld sparen.

Von Mona Clerico, AP

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