Ripple, Litecoin und Co. Die wichtigsten und wertvollsten Bitcoin-Alternativen

Spitzenkurse und mächtige Probleme haben Bitcoin weltbekannt gemacht. Doch es gibt schon mehr als hundert Alternativen zur bekanntesten aller Kryptowährungen. Gemeinsam bilden auch sie Milliardenwerte ab.

Dogecoin: Ursprünglich eine Parodie auf Bitcoin
Dogecoin

Dogecoin: Ursprünglich eine Parodie auf Bitcoin

Von Stefan Mey


Die Digitalwährung Bitcoin hat derzeit immer wieder mit großen Problemen zu kämpfen. Eine der wichtigsten Handelsplattformen, Mt. Gox, ist derzeit geschlossen, US-Ermittler interessieren sich für den Vorgang. Für den Wechselkurs der Internetwährung ist das nicht gut, Bitcoins verbilligen sich derzeit, von den Spitzenkursen von über tausend Dollar pro Stück ist der Kurs weit entfernt. Doch Bitcoin hat längst eine ganze Welle von Alternativen, Kopien oder sogar Weiterentwicklungen inspiriert.

Knapp 120 alternative Kryptowährungen zählt etwa die Seite Coinmarketcap.com auf. Wieso es sie gibt? Andreas Antonopoulos, Fachmann für IT-Sicherheit, Berater und langjähriger Beobachter der Szene, hat eine überraschende Antwort: "Weil es so einfach ist, eine Coin zu kreieren." Auf Seiten wie Coingen.io geht das mit wenigen Klicks - bezahlt werden muss der Service allerdings in Bitcoin. Deswegen stehe die wirkliche Flut erst noch bevor: "Ich gehe davon aus, dass schon bald ein 7 Jahre altes Kind einen ,Joey-Coin' kreiert, der gegen ,Maria-Coin' auf dem Schulhof antritt." Viele werden kaum Beachtung finden, einige aber vermutlich schon.

Andreas Antonopoulos sieht in den Alternativwährungen nicht zuletzt Testlabore: Sie probieren neue Ideen aus, die Bitcoin dann unter Umständen integriert, ob den Machern der Coins das gefällt oder nicht. Deswegen glaubt Antonopoulos, dass Bitcoin noch lange die dominierende Kryptowährung sein wird. Dennoch erwartet er in der nächsten Zeit Tausende neuer Coins: "Viele von denen werden nicht mehr sein als ein Internet-Trend. Aber einige werden viele Nutzer finden und finanziell relevant werden. Das Interessante ist, dass man nie wissen kann, welche Coins das Rennen machen."

Die wichtigsten Bitcoin-Alternativen, sortiert nach Marktkapitalisierung:

Kryptowährungen: Diese Alternativen gibt es zu Bitcoin
Ripple

Ripple (Marktkapitalisierung etwa 1,5 Mrd. Dollar)
Ripple (XRP) ist zwar eine eigene Digitalwährung, vor allem aber ein währungsneutrales Tauschnetzwerk, über das diverse Arten von Zahlungsmitteln getauscht werden können. Deswegen taucht Ripple in einigen Listen gar nicht als eigenes Digitalgeld auf.
Chris Larsen von Ripple Labs: "Über das Ripple-Netzwerk können Einzelpersonen und Institutionen klassische Währungen tauschen, Kryptowährungen, Mobilfunkminuten, Bonuspunkte und vieles mehr."

Litecoin

Litecoin (Marktkapitalisierung 370 Mio. Dollar)
Während Bitcoin-Transaktionen alle zehn Minuten vom Netzwerk bestätigt werden, geschieht das bei Litecoin alle 2,5 Minuten. Ein anderer Unterschied: Beim "Mining", der Schöpfung neuer Münzen, soll es gerechter zugehen als bei Bitcoin. Gemäß des "Proof-of-Work"-Konzepts, das von Bitcoin übernommen wurde, kann jeder Nutzer selbst Coins errechnen, im Wettstreit mit anderen. Anders als bei Bitcoin bringt teure Spezial-Hardware bei Litecoin dabei jedoch kaum Vorteile gegenüber handelsüblicher Computertechnik. Der Algorithmus verhindert, dass es beim Mining der Coins durch Nutzer ein Wettrüsten der eingesetzten Hardware gibt. Die Gründer halten Litecoin deswegen für demokratischer.

Peercoin

Peercoin (Marktkapitalisierung 80 Mio. Dollar)
Peercoin kombiniert den „Proof-of-Work“-Ansatz von Bitcoin mit einem eigenen „Proof-of-Stake“-Ansatz. Dabei legt das Netzwerk fest, welcher Nutzer im Zuge des Minings die jeweils nächsten Coins schöpft. Anders als beim Bitcoin gibt es deswegen keine Um-die-Wette-Rechnen, so dass weniger Energie verbraucht wird. Sunny King, einer der Väter von Peercoin und Schöpfer der Digitalwährung Primecoin, gesteht, dass der Spieltrieb sein wichtigstes Motiv war. "Für mich ist es hauptsächlich eine intellektuelle Spielerei. Ich hab mich dann aber sehr gefreut, dass meine Ideen tatsächlich Anhänger finden."

Dogecoin

Dogecoin (Marktkapitalisierung 70 Mio. Dollar
Dogecoin begann als Spaßwährung, die mit dem populären Internet-Mem Doge spielt, in dem es zentral um das falsch geschriebene englische Wort für Hund geht. "In Dogecoin investieren, das ist definitiv die nächste, ganz große Nummer", twitterte Jackson Palmer im November 2013 ironisch. Der Programmierer Billy Markus setzte das Zahlungsmittel dann tatsächlich um: "Ich hatte gerade erst gelernt, wie man eine Kryptowährung startet. Ich habe Jackson kontaktiert, und wir haben Dogecoin innerhalb weniger Tage in die Welt gesetzt." Die Kryptowährung mit dem Hunde-Logo hat vor allem junge Fans gefunden, die das Ganze unter humoristischen Gesichtspunkten betreibt. Die Dogecoin-Community veranstaltete unter anderem eine Crowdfunding-Aktion für die Olympiateilnahme der Bob-Mannschaft von Jamaika.

Nxt

Nxt (Marktkapitalisierung 60 Mio. Dollar
Anders als viele anderen Krypto-Währungen variiert Nxt nicht die Bitcoin-Technologie, sondern nutzt ein eigenes Protokoll. Ein Unterschied zu vielen Bitcoin-Klonen ist auch, dass die "Coins" nicht erst von Nutzern selbst per Rechenleistung generiert werden, sondern schon fertig produziert sind. Nxt sieht sich selbstbewusst als Krypto-Währung der zweiten Generation.
"Nxt ist kein Klon, bei dem nur ein paar Parameter des Algorithmus verändert wurden, es ist ein direkter Wettbewerber für Bitcoin," findet John Manglaviti von der Firma Cointropolis. Beim Nxt-Algorithmus sind alle Coins bereits produziert, er ist schlanker und läuft deswegen sogar auf einem Smartphone.

Mastercoin

Mastercoin (Marktkapitalisierung 40 Mio. Dollar)
Mastercoin wird zwar als eigene Währung gehandelt, sieht sich aber nicht als Konkurrenz zu Bitcoin. Es baut auf der Bitcoin-Technologie auf und erweitert diese um neue Funktionen, die andere Krypto-Währungen dann integrieren können.
Laut Nikos Bentenitis, einem der Gründerväter, geht es bei Mastercoin vor allem darum, neue Features zu erarbeiten. "Das Bitcoin-Protokoll ist zu wichtig, um damit zu experimentieren, und es ist auch zu träge dafür. Mastercoin kann neue Lösungen sehr viel schneller finden und umsetzen." Mastercoin ermöglicht der großen Kryptowährung so neue Funktionen.

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 26 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
mm71 27.02.2014
1.
Zitat von sysopDogecoinKursrazzien und mächtige Probleme haben Bitcoin weltbekannt gemacht. Doch es gibt schon mehr als 100 Alternativen zur bekanntesten aller Kryptowährungen. Gemeinsam bilden auch sie Milliardenwerte ab. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/alternativen-zu-bitcoin-kryptowaehrungen-boomen-a-955763.html
Wenn schon Bitcoins sich in Luft auflösen, ob dann umschichten in noch obskurere "Währungen" wirklich die richtige Strategie ist?
TobiR 27.02.2014
2. Iso 4217
http://de.wikipedia.org/wiki/ISO_4217 Und das sind nur die "offiziellen" Währungen ;)
hman2 27.02.2014
3. Razzia
Zitat von sysopDogecoinKursrazzien und mächtige Probleme haben Bitcoin weltbekannt gemacht. Doch es gibt schon mehr als 100 Alternativen zur bekanntesten aller Kryptowährungen. Gemeinsam bilden auch sie Milliardenwerte ab. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/alternativen-zu-bitcoin-kryptowaehrungen-boomen-a-955763.html
Was bitte ist eine "Kursrazzia"? Eine Kursrallye kenne ich, aber Kursrazzia? Außerdem: Inwiefern bilden diese Bitcoin-Alternativen "Milliardenwerte" ab? Nur weil da einige Firmen Marktkapitalisierungen im Milliardenbereich haben? Marktkapitalisierung hat nichts mit Wert zu tun. Das ist nur ein Preis, ein Fantasie von Börsenteilnehmern. Noch dazu einer, von dem jeder weiß, dass er sie nie realisieren läßt...
BettyB. 27.02.2014
4. Endlich Mittelalter
Mittelalter Käse ist ja lecker, doch frühzeitliche Geldsysteme, in denen jeder "Hausherr" seine Währung hat, sind wohl nur für "Sektierer" etwas. Wer aber zu viel Kohle hat, sollte ruhig mal in staatlich nicht anerkannten Währungen spekulieren. Und wenn schon, dann möglichst in allen. Dann kommt wenigstens Sammlerfreude auf...
Gott 27.02.2014
5.
Mit ein wenig Glück kann man mit Altcoins einen Haufen Geld verdienen wenn man früh genug mined wenn die Schwierigkeit noch gering ist. Es ist wohl jedem klar, dass sich keines von denen auf lange Sicht durchsetzen wird, aber um mal kurz was nebenbei zu verdienen sind sie ganz praktisch :P
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.