Knapp elf Jahre Haft Niederländer wegen Online-Erpressung verurteilt

Ein Niederländer ist zu knapp elf Jahren Haft verurteilt worden. Er soll seine Opfer über das Internet zu sexuellen Handlungen gezwungen und dann erpresst haben. Ein mutmaßliches Opfer, Amanda Todd, beging Suizid.


Höchststrafe für einen Online-Erpresser: Am Donnerstag hat ein Strafgericht in den Niederlanden einen Mann zu zehn Jahren und acht Monaten Haft verurteilt wegen Online-Betrugs und Erpressung.

Der 38-Jährige soll 34 Mädchen und fünf Männer über das Internet angelockt und jahrelang mit Bildern und Videos erpresst haben. Zu seinen Opfern soll auch die Schülerin Amanda Todd aus Kanada zählen. Sie hatte im Oktober 2012 mit 15 Jahren aus Verzweiflung über den Cyberstalker und wegen Mobbings Suizid begangen.

Laut Gericht habe der Mann die Opfer unter einer falschen Identität angelockt und dazu überredet, vor der Webcam sexuelle Handlungen vorzunehmen. Der Angeklagte habe daraufhin immer mehr gefordert und den Opfern damit gedroht, die Bilder zu auf Pornoseiten zu veröffentlichen oder an die Eltern zu senden, sollten sie sich weigern. Im Jahr 2014 nahm die niederländische Polizei den Mann fest.

Die Richter haben nun die Höchststrafe gegen den 38-Jährigen verhängt aufgrund "der verheerenden Konsequenzen, die sein Verhalten auf das Leben der jungen Mädchen hatte", wie es in dem Urteil heißt. Außerdem habe auch die Angst eine Rolle gespielt, dass es nach seiner Freilassung neue Verstöße geben könnte. Das Gericht nannte das Verhalten des Angeklagten "hart und gnadenlos".

Große Anteilnahme nach YouTube-Video

Auch Amandas Mutter nahm an dem Prozess in den Niederlanden teil. Sie zeigte sich gegenüber der niederländischen Nachrichtenagentur ANP erleichtert über das Urteil. Sie hoffe, dass es den Opfern helfen werde, über ihre Verletzungen hinwegzukommen. Der Fall ihrer Tochter wurde allerdings dort nicht konkret verhandelt. Das soll nun in Kanada passieren. Ob der Verurteilte dazu ausgeliefert werden darf, muss noch der Oberste Gerichtshof in Den Haag entscheiden. In Kanada müsste sich der Mann wegen Erpressung, Besitzes von Kinderpornografie und dem Versuch, ein Kind über das Internet angelockt zu haben, vor Gericht verantworten.

Amanda Todd hatte ihre Geschichte in einem YouTube-Video öffentlich gemacht und damit weltweit für Aufsehen und Anteilnahme gesorgt. In dem Video hält Amanda Todd selbst beschriftete Schilder in die Kamera und erzählt von Belästigungen und Erpressungsversuchen eines anonymen Nutzers, der schließlich ihre Fotos bei Facebook verbreitet und gezielt an ihre Klassenkameraden verschickt hatte. Wenige Wochen, nachdem sie das Video veröffentlicht hatte, beging Amanda Todd Suizid.

jbr/AP/AFP/dpa



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