Zustelldienst Amazon will Pakete angeblich selbst ausliefern

Nach den Lieferengpässen im Weihnachtsgeschäft will sich das Online-Kaufhaus Amazon offenbar von den großen Paketzustellern abnabeln: Einem Medienbericht zufolge testet der Online-Händler in den USA und Europa bereits eigene Lieferwagen.

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Amazon-Paket: Schnellere und zuverlässigere Lieferung geplant
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Amazon-Paket: Schnellere und zuverlässigere Lieferung geplant


Das "Wall Street Journal" berichtet, dass der Internetkonzern Amazon in den USA einen eigenen Lieferservice testet. Das Unternehmen setzt demnach bereits seit mehreren Monaten eigene Fahrer und Transportfahrzeuge ein, die Bestellungen von den Logistikzentren bis zur Haustür des Kunden transportieren. Zunächst will Amazon die eigene Auslieferung in den Ballungsräumen von San Francisco, Los Angeles und New York ausprobieren.

Aber auch in Europa sollen schon Lieferwagen im Auftrag von Amazon unterwegs sein. In einem Brief hat Amazon-Chef Jeff Bezos die Aktionäre des Unternehmens im April darüber informiert, dass man seit einiger Zeit auch in Europa ein eigenes Liefernetzwerk betreibe. "Wir haben in Großbritannien unsere eigenen schnellen Zustelldienste auf den letzten Kilometern zum Kunden getestet, wo die privaten Transportunternehmen zu Stoßzeiten nicht mehr hinterherkommen."

Der Online-Händler reagiert damit offenbar auf Lieferengpässe, die vor allem in der Weihnachtszeit immer wieder für Ärger sorgen. So musste Amazon manche Kunden im vergangenen Dezember mit 20-Dollar-Gutscheinen besänftigen, weil deren Pakete nicht rechtzeitig unterm Weihnachtsbaum gelandet waren. Dabei waren hauptsächlich die Paketzusteller für die Verspätungen verantwortlich: schlechte Wetterbedingungen und unerwartet viele Online-Bestellungen hatten dafür gesorgt, dass einige Bestellungen nicht rechtzeitig zum Fest ausgeliefert werden konnten.

Mit einem eigenen Paketdienst könnte Amazon auch das Bonusprogramm "Prime" besser kontrollieren. Bestellungen könnten noch am selben Tag an den Kunden geliefert werden, unabhängig von externen Zustellern. Doch Wirtschaftsexperten zweifeln am Erfolg des Unternehmens. Es sei schwer, so effizient zu werden wie UPS oder FedEx, die ihr Netzwerk jahrzehntelang ausgebaut haben, heißt es in einem Bericht. Und bis die geplanten Drohnen eingesetzt werden, wird es wohl auch noch eine Weile dauern, wenn es überhaupt dazu kommt.

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insgesamt 28 Beiträge
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swald22 25.04.2014
1. zu spät
Ich habe gerade letzte Woche für mich entschieden in Zukunft, immer wenn möglich anderen Plattformen den Vorzug zu geben. Der Versand von lieferbaren Artikel dauert derzeit bis zu 5 Werktagen und dann wird es "nur" mit Hermes geliefert. Ich vermute dahinter steckt Absicht um den Hauseigenen Prime Service zu stärken. Dieser Schuss geht zumindest bei mir nach hinten los, da fahre ich in Zukunft eher zu Karstadt, bevor ich mich auf diese Art gängeln lasse.
wurmfortsatz 25.04.2014
2. optional
Ich werde nicht noch einem Lieferservice erklären, wo er die Pakete ablegen darf, wenn keiner zuhause ist. Zumal die Amazon-Preise auch nicht mehr so günstig sind, dann bietet sich auch mal ein anderer Händler an. Vor allem, wo viele Händler inzwischen exakt um den Preis günstiger sind, der dann mit Versandkosten drauf kommt. Bzw. Amazon ist exakt um den Preis teurer.
DMenakker 25.04.2014
3.
Wir würden als Online Verkäufer auf der Amazon Plattform gerne die Logistik von Amazon erledigen lassen. Diese ist jedoch derart zementiert und unflexibel, dass es für uns - leider - nicht in Frage kommt. Wie man unter diesen Voraussetzungen einen eigenen und auch erfolgreichen Lieferservice aufbauen wil, bleibt mir ein Rätsel. Zumal man auch nicht vergessen darf, dass Amazon in der Anfangsphase keinerlei Chancen hat, diesen Service tatsächlich flächendeckend anzubieten. Bleiben also nur die Ballungszentren. Mal sehen, was die bisher beauftragten Paketdienste dazu meinen, dass sie nur noch die unattraktiven Destinationen beliefern sollen. Die Preise werden deutlich in die Höhe gehen, was sich wiederum entweder auf den Gewinn oder auf die Fähigkeit zur "frei Haus" Lieferung auswirkt. Die Risiken sind m.E. derart groß, dass ein Scheitern des Versuches an die Existenz gehen kann. Man sollte sich das mehrfach und sehr gut überlegen.
Aguilar 25.04.2014
4.
Zitat von sysopREUTERSNach den Liefer-Engpässen im Weihnachtsgeschäft will sich das Online-Kaufhaus Amazon offenbar von den großen Paketzustellern abnabeln: Einem Medienbericht zufolge testet der Online-Händler in den USA und Europa bereits eigene Lieferwagen. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/amazon-baut-eigenen-paketdienst-a-966117.html
Wahrscheinlich ein Versuch, um irgendwo (EU, Arbeitsagentur) Subventionen abzugraben, um Billigarbeitsplätze zu schaffen! Ich bestelle dort nichts!
joehos 25.04.2014
5. Sollen Sie doch
Wie bereits in der ARD im März (war es glaube ich) in einem Spezial erläutert, kommt die DHL mit der Deckung der Kosten bei einem Amazonpaket schon nicht hin. Da soll es sich um mind. einen Euro pro Paket handeln. Bei geschätsten 1Mio. Paketen am Tag sind das: genau mind. eine Millionen Euro. Dieses müssen die Bundesbürger mit höheren Briefporto und weniger Abgaben der DHL an den Staat auffangen. Wollen wir das - nein. Ohne Pakete läuft bei Amazon nichts. Ohne DHL ist die schnelle Auslieferung in den nächsten Monaten nicht machbar und das Geschäft wäre flach. Eigentlich ein guter Grund zum Handeln. Aber, das ist scheinbar nicht gewollt (der Bürger fängt es ja unbemerkt auf). Dazu noch, dass Amazon ja auch keinen Taler an Steuern in unserem Land lässt aber gerne Subventionen abgreift. Ich mag das online-Geschäft, aber nicht wenn die Bürger des Landes die günstigen Preise subventionieren und das noch nicht mal verstehen. Dann bitte auch nicht ärgern, wenn in der Fußgängerzone ein netter Einzelhändler schließt. Dieser kann nicht die Steuer einbehalten und muss die Waren logischer Weise höher anbieten als Amazon. Also, was ist zu tun....
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