Von Frank Patalong
Amazon, wurde am Mittwoch bekannt, hat den Bestsellerautoren Timothy Ferriss unter Vertrag genommen, dessen nächstes Buch von Amazon verlegt wird. Bemerkenswert ist das, weil Ferriss ein echter Mega-Seller ist und Amazon bisher als Buchladen galt, nicht als Verlag.
Bisher liefen Amazons Verlagsaktivitäten weitgehend unter dem Radar der Öffentlichkeit. Von Amazon verlegte Autoren waren weniger prominent, und ihre Amazon-Bücher landeten auch noch nicht im regulären Buchhandel. Ab Herbst 2011 soll sich das ändern.
Für viele Konkurrenten der Firma wird damit ein Alptraum wahr. In den USA ist Amazon bereits seit 2007 umsatzstärkster Buchhändler, viele stationäre Händler sehen sich in einem Überlebenskampf. Borders, die mit 399 Filialen zweitgrößte US-Buchladenkette der USA, wird bis September geschlossen.
Es mag sein, dass Hauptkonkurrent Barnes & Noble (B&N) versuchen wird, sich die besten Läden unter den Nagel zu reißen. Zwischen dem und Amazon wird wohl der große Showdown um den US-Markt stattfinden - dazwischen mögen Nischen für Klein-Buchhändler entstehen, weil alles Große zwischen den Markt-Titanen zerrieben wird.
Ein Buchhändler? Eine Marktmacht!
An Amazon vorbei kommt kaum noch jemand. Zahlreiche Verlage nutzen Amazons Druckservice, um per Print on Demand ihre nicht mehr regulär gedruckten Bücher verfügbar zu halten ("Powered by Amazon"). Ein Service, den Amazon auch für Film- und Plattenfirmen anbietet, deren Klassiker auf Wunsch auf Scheibe brennt. Breiter als Amazon ist in den USA kein Dienstleister aufgestellt - Bezos Ambition ist ganz offensichtlich, alle Stationen der Verwertungskette medialer Güter abzudecken. Und ab 2011 eben auch forciert als Verleger.
Viele unabhängige Buchhandlungen wollen Amazons Bücher boykottieren, die meisten großen Ketten werden sie ins Programm aufnehmen. Auch Barnes & Noble will Amazons Schmöker anbieten - allerdings nur, wenn man auch das Recht bekäme, die E-Book-Versionen zu verkaufen. Als Bedrohung dürfte Amazon das kaum auffassen. Gegen den Konzern, der in den USA 2010 allein im Buchgeschäft über sechs Milliarden Dollar umsetzte, dürfte Widerstand ziemlich zwecklos sein. Im Zweifel könnte er es sich leisten, seine Konkurrenten einfach aufzukaufen.
Doch mit dem stationären Handel konkurriert Amazon viel lieber online. Primäres Ziel der aktuellen Initiative ist die Verlagsbranche. Die hat bisher weitgehend verpennt, dass ihnen gerade ein mächtiger Konkurrent auf die Pelle rückt. Amazons Verlagsversuche nahm in der Branche bisher kaum jemand ernst (siehe: "Amazons Weg ins Verlagsgeschäft", linke Spalte).
Sie wirkten ja auch wie kleine, bescheidene Versuchsballons. AmazonEncore veröffentlichte seit 2009 rund 140 Bücher, aktuell sind 67 Titel im Programm. Bei AmazonCrossing sind es bescheidene 17, beim Editionsprogramm "Domino Effekt", das Amazon zusammen mit dem Bestsellerautoren Seth Godin betreibt, gerade einmal sechs. Klingt wie Hobby, nicht wie Geschäft - doch der Eindruck täuscht: Es ist nur der Vorgeschmack auf das, was da noch kommen dürfte.
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Netzwelt | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Web | RSS |
| alles zum Thema Amazon | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH