Amazon gegen Apple Wer am Bezahl-Web mitverdient

Wer wird zum Google des Bezahl-Webs? Während Verlage und Medienhäuser über Googles Dominanz und Kostenlos-Kultur schimpfen, haben zwei Firmen den Markt für digitalisierte Musik und Literatur aufgeteilt. Je mehr Menschen unterwegs am Bildschirm hängen, desto mächtiger werden Amazon und Apple.

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Microsoft-Boss: Steve Ballmer wirbt für einen Tablet PC - und Amazons Digitalbuchladen
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Microsoft-Boss: Steve Ballmer wirbt für einen Tablet PC - und Amazons Digitalbuchladen


Steve Ballmer trug wieder einmal einen roten Pullover, zeigte wieder mal einen Grabschcomputer und lenkte damit das Publikum vom spannendsten Detail seiner Eröffnungsrede bei der Hightech-Show CES in Las Vegas ab: Wer genau hinsah, konnte erahnen, wer in Zukunft am Vertrieb von digitalen Medien mitverdient und welche Probleme auf Verlagshäuser, Fernsehsender, Buchhändler, Zeitungskioske und jedes Unternehmern in den Vertriebsketten von Analog-Medien zukommen.

Ballmer blätterte auf seiner digitalen Schiefertafel, einem neuen Tablet-PC von HP, in einer Digitalausgabe von Stephanie Meyers Bestseller "Bis(s) zum Morgengrauen". Die Digitalausgabe hatte zuvor jemand bei Amazon gekauft, sie war in Amazons Kindle-Lesesoftware für PC zu sehen.

Für sich genommen ist das keine große Überraschung: Amazon weitet seine Vertriebsplattform seit Monaten mit Hochdruck auf alle erdenklichen digitalen Endgeräte aus: Amazons Digitalbücher kann man dank spezieller Software am PC, auf dem iPhone und den Kindle-Lesegeräten des Herstellers lesen und kaufen.

In fünf Jahren gucken, lesen und hören Menschen Digitales

Dass Amazon mit seiner Plattform auf neue digitale Endgeräte drängt und, wenn nötig, sogar eigene Geräte baut, ist Teil einer größeren Entwicklung: Auch wenn der von Microsoft und HP nun gezeigte Tablet PC kein Erfolg wird, auch wenn heute nur eine Minderheit der Konsumenten ein mit dem iPhone vergleichbares Smartphone immer dabei hat, auch wenn die bei der CES zu sehende Schwemme an neuen Online-Bildschirmen für unterwegs in diesem Jahr nur ein paar Millionen Käufer findet - klar ist, dass in fünf Jahren ein großer Teil der Kundschaft von Buchverlagen, Medienunternehmen und TV-Sendern immer ein Gerät dabei haben wird, mit dem man lesen, gucken, hören und vor allem einkaufen kann.

Wenn die Entwicklung bei Suchmaschinen und Online-Musikhändlern in den vergangenen Jahren eins gezeigt, dann das: Das Web führt dazu, dass sehr wenige Anbieter enorm viel Aufmerksamkeit bekommen (Google, iTunes, Amazon, eBay, Facebook) und enorm viele Nischenangebote vergleichsweise wenig, was aber dank geringerer Kosten oft ausreicht, um ein Geschäft daraus zu machen.

Je präsenter digitale Endgeräte werden, desto stärker wächst die Marktmacht der Vertriebsplattformen. Denn anders als beim Dotcom-Boom vor zehn Jahren will diesmal nicht jeder Hardware-Hersteller und Inhalteanbieter eigene Bezahlangebote und Vertriebsplattformen aufbauen. Die gibt es längst. Und an der Markmacht von Amazon kann nicht einmal Microsoft vorbei und präsentiert statt eines eigenen Downloadshops auf der wichtigsten Messe des Jahres Amazon-Software.

100 Millionen zahlungswillige Kunden weltweit

Es gibt derzeit einige globale Bezahldienstleister, aber nur zwei internationale Vertriebsplattformen. Ein Überblick:

  • Amazon hat weltweit 98 Millionen aktive Kundenkonten (also Konto mit Transaktionen in den vergangen zwölf Monaten) samt Name, Adresse, Bankverbindung oder Kreditkartennummer.
  • Apple Downloadshop iTunes hatte im September 2009 weltweit 100 Millionen Kundenkonten mit aktuellen Kreditkartendaten - die Zahl dürfte seitdem erheblich gestiegen sein.

Es gibt auf diesem Gebiet keinen Wettbewerber mit einem vergleichbaren Angebot. Google vergrößert gerade mit jedem verkauften Android-Mobiltelefon die Ladenfläche seines App Store ein wenig - als Bezahlverfahren ist hier Googles eigener Dienst Checkout Standard. Aber hier gibt es nur Anwendungen für Mobiltelefone - ob Google je Medieninhalte verkaufen wird, ist fraglich, aber durchaus möglich. Als reiner Zahlungsdienstleister ohne Vertriebsplattform für digitalisierte Inhalte ist außerdem noch die Ebay-Tochter Paypal weltweit aktiv. Der Dienst hat derzeit 78 Million aktive Kundenkonten, die in 19 verschiedenen Währungen abgerechnet werden.

Wie eng mit der Hardware verbundene Vertriebsplattformen für Digitales ganze Branchen durcheinander wirbeln können, hat Apple in den vergangenen Jahren demonstriert. Erst mischte der einstige Computerhersteller mit iPod und iTunes Store die Musikindustrie auf, dann den Softwarevertrieb mit der Verknüpfung von iPhone und App Store. Beim Serien- und Filmvertrieb mischt Apple mit, aber iTunes ist hier noch lange nicht so groß wie beim Musikgeschäft. Das könnte sich in den Vereinigten Staaten in diesem Jahr ändern: Gerüchten zufolge plant Apple eine Art Bezahlfernsehen für iTunes-Kunden (das Unternehmen verkauft heute schon Serien-Abos). Womöglich geht das Unternehmen aber auch den Medienvertrieb mit einem neuen Tablet an, das angeblich Ende Januar vorgestellt werden soll.

iTunes im Browser?

Vergleicht man die großen Vertriebsplattformen für Digitales, fällt auf, dass Amazon derzeit offener ist als Apple: Der E-Commerce-Riese setzt allein beim Kindle-Lesegerät auf eigene Hardware, öffnet seine Plattform an anderen Stellen aber, um neue Kunden zu gewinnen: In den Vereinigten Staaten können Online-Anbieter ihre Waren und Dienstleistungen über Amazon bezahlen lassen oder eigene Amazon-Shops für nicht-digitale Güter basteln.

Apple ist da viel verschlossener: Per iTunes bezahlt man nur von Apple geprüfte und zugelassene Angebote aus dem iTunes-Store. Das Angebot ist nur über Apple-eigene Software verfügbar, aber das könnte sich vielleicht ändern. Im Dezember hat Apple den Musikdienst Lala gekauft - ein aufs Streaming von Musik im Browser spezialisierter Dienst. Ob das nun ein Hinweis auf eine mögliche Öffnung der iTunes-Vertriebsplattform ist, kann man so lange deuten, bis Apple tatsächlich etwas tut.

Das hängt sicher davon ab, wie wichtig in Zukunft die Browser-Nutzung an normalen Büro-PC überhaupt sein wird: Analysten in den Vereinigten Staaten prophezeien auf mittlere Sicht, dass Menschen mit Unterwegs-Geräten mehr Zeit auf Online-Angeboten verbringen werden als am Heim- oder Arbeitsplatzrechner. Vielleicht konzentriert sich Apple lieber auf diesen Mobilmarkt, als eine eigene, Browser-basierte Vertriebsplattform für Musik, Videos und Texte aufzubauen.

Doch ganz gleich, welche Vertriebsplattform nun welche Endgeräte dominieren wird, für Buchverlage und Medienhäuser, die heute über die Kostenlos-Kultur und Google schimpfen, zeichnet sich ein neuer Online-Riese ab, der an Inhalten mitverdienen will und wird: So wie Google die Monetarisierung von kostenlos verfügbaren Inhalten im Web konzentriert hat, sind die Vertriebplattformen von Apple und Amazon gerade dabei, das Bezahl-Web zu übernehmen.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 43 Beiträge
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Seite 1
Crom 07.01.2010
1. Wer bezahlt schon ...
Also in den Staaten funktioniert das vielleicht, dort funktioniert auch PayTV, hier in Europa, vornehmlich in Deutschland ist der Markt für Bezahlinhalte eher klein, kaum jemand ist bereits Geld für so etwas auszugeben. Darüber hinaus gibt es auf regionalen Märkten auch noch "kleine Könige". In Deutschland ist Musicload z.B. Marktführer vor Appels iTunes, am häufigsten werden CDs aber noch im Laden gekauft.
ahol 07.01.2010
2. Bezahl-www wird kommen
Zitat von sysopWer wird zum Google des Bezahl-Webs? Während Verlage und Medienhäuser über Googles Dominanz und Kostenlos-Kultur schimpfen, haben zwei Firmen den Markt für digitalisierte Musik und Literatur aufgeteilt. Je mehr Menschen unterwegs am Bildschirm hängen, desto mächtiger werden Amazon und Apple. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,670559,00.html
Man mag heute jammern wie man will,das "Bezahl- www" mit all den verbundenen Angeboten wird kommen. Vergleiche ich mal das Internetangebot an News-Diensten mit dem Sammelsurium in einer Tageszeitung, dann entschliesse ich mich heute schon für den (noch) kostenlosen News-Diensten. Die gleiche Aussage würde ich auch für die TV-Welt treffen wollen.Mit der GEZ-Gebühr werde ich pauschal abgezockt, obwohl in nur Arte, 3-sat und N-tv gucke. Mir wäre es viel lieber, wenn ich nur für das bezahlen müsste, was ich auch konsumiere.Dann sollen so Gestalten wie Harald Schmidt und Bohlen sehen, woher sie die Noch-Traumeinnahmen bekommen.
Ako, 07.01.2010
3. ...
Zitat von CromAlso in den Staaten funktioniert das vielleicht, dort funktioniert auch PayTV, hier in Europa, vornehmlich in Deutschland ist der Markt für Bezahlinhalte eher klein, kaum jemand ist bereits Geld für so etwas auszugeben. Darüber hinaus gibt es auf regionalen Märkten auch noch "kleine Könige". In Deutschland ist Musicload z.B. Marktführer vor Appels iTunes, am häufigsten werden CDs aber noch im Laden gekauft.
Aber mal anders gefragt - was währe denn Heutzutage in TV/Film/Musik so wertvoll, das dafür Geld ausgegeben werden könnte? DSDS? :) F1? :) Werbung? ;) Kann man auch ohne leben.
mobileresident 07.01.2010
4. .
Zitat von CromAlso in den Staaten funktioniert das vielleicht, dort funktioniert auch PayTV, hier in Europa, vornehmlich in Deutschland ist der Markt für Bezahlinhalte eher klein, kaum jemand ist bereits Geld für so etwas auszugeben. Darüber hinaus gibt es auf regionalen Märkten auch noch "kleine Könige". In Deutschland ist Musicload z.B. Marktführer vor Appels iTunes, am häufigsten werden CDs aber noch im Laden gekauft.
Gerade in Deutschland funktioniert der Pay Markt aber sehr gut.JEDER gibt dafuer Geld aus. TV kostet in Deutschland fast 20Euros im Monat, minimum, das sind fast $30, dafuer bekomme ich in Florida aber schon eine sehr grosse Auswahl im Kabel und die Digitalen Kanaele ueber Antenne sind ganz umsonst. Beides falsch. Selbst der Vizepresident von Musicload, Joachim Franz, sagt im Interview, das man auf Platz 2 steht. Hinter wem wohl? "Musicload is the best known music download portal in Germany, with 79% brand awareness. With respect to sales figures, Musicload is in a good position at #2 in the German market." http://www.musicdish.com/mag/index.php3?id=12412 Und schon seit 2008 werden mehr Songs runtergeladen als im Laden verkauft. mr
semper fi, 07.01.2010
5. -
Zitat von sysopWer wird zum Google des Bezahl-Webs? Während Verlage und Medienhäuser über Googles Dominanz und Kostenlos-Kultur schimpfen, haben zwei Firmen den Markt für digitalisierte Musik und Literatur aufgeteilt. Je mehr Menschen unterwegs am Bildschirm hängen, desto mächtiger werden Amazon und Apple. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,670559,00.html
Am *derzeitigen* Zustand habe ich nicht auszusetzen - mit der Betonung auf dem unterstrichenen Wort. Wenn das allerdings ein Dauerzustand werden sollte, dann ist das nicht in Ordnung und wird Probleme bereiten. Wobei allerdings hinzugefügt werden sollte, dass Amazon - clever, clever - auch als Vermittler für Angebote Dritter fungiert, mit steigender Tendenz. In einem Punkt darf ich den Artikel bitte korrigieren/ergänzen: Die Musik, die über iTunes angeboten wird, kann - via Transformation ein eine normale MP3-Datei - auf jedem x-beliebigen MP3-Player ohne Einschränkung abgespielt werden. Ganz so schlimm ist es nicht mehr, nachdem Apple - wohl aufgrund des Drucks durch Amazon - das DRM-Management gelockert hat.
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