Noch mehr Dienste: Amazon entwickelt Spiele und verleiht Bücher

Amazon steigt ins Online-Spielegeschäft ein. Der Internetkonzern hat ein eigenes Entwicklungsstudio gegründet, die Amazon Game Studios. Und Amazon stellt sich noch breiter auf: Über Text Book Rental sollen Studenten künftig Lehrbücher ausleihen können.

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Amazon-Spiel Living Classics: Der Online-Händler mischt im Spielemarkt mit

Warum Amazon jetzt auch noch am Spielemarkt mitmischen will, fragen sich einige Spiele- und Techblogger. Das Unternehmen hat angekündigt, eigene "Social Games" entwickeln zu wollen. Eine Antwort: Mit diesem Zug zeigt Amazon noch einmal, wie wichtig dem Unternehmen der Spielemarkt ist. In den letzten Monaten erweiterte Amazon das Shop-Portfolio um Spieledienste und öffnete das Kindle-Fire-Betriebssystem für Spieleentwickler.

Die Firma selbst schreibt zwar, dass ihre Kunden "gerne spielen, darunter auch kostenlose "Social Games" und dass Amazon "ein großartiges, leicht zugängliches Spielerlebnis" bieten könne. Doch die wahren Beweggründe dürften tiefer liegen.

Futurezone.at etwa glaubt, dass sich Amazon-Chef Jeff Bezos damit "um den lukrativen Online-Spielemarkt kümmern" wolle. Doch der Markt für Online-Spiele ist hart umkämpft. "Paid Content" vermutet einen Angriff auf die angeschlagene Spielefirma Zynga - bleibt aber eine Erklärung schuldig, welches Interesse Amazon daran haben könnte. Zynga ist zumindest kein direkter Konkurrent Amazons. "Venture Beat" spekuliert: "Spiele sind eine tolle Methode, um Kunden bei der Stange zu halten." Amazon habe "große Pläne, zum Beispiel mit dem eigenen App Store und dem Kindle Tablet." Und selbst dem Spieleentwickler-Blog Gamasutra.com bleibt nichts anderes übrig, als auf die schon längere Geschichte von Amazon Games und die Verbindung zum Kindle Fire hinzuweisen.

Kurz: Niemand weiß, was Amazon wirklich will. Gerätselt wird unter den Blog-Einträgen trotzdem: "Warum gibt Amazon den Status einer neutralen Plattform für Inhalte anderer Leute auf?" fragt ein Kommentator. Ein anderer: "Warum stellt sich Amazon derzeit so dermaßen breit auf?"

Amazon verleiht gedruckte Schulbücher

Tatsächlich veröffentlicht das Unternehmen alle paar Tage eine neue Pressemitteilung mit der Ankündigung eines neuen Dienstes, einer neuen Plattform, einer neuen Superkooperation. Erst am Dienstag präsentierte sich Amazon als neue Online-Bibliothek zum Verleih von gedruckten Schulbüchern. College-Studenten werden Bücher künftig für bis zu 30 Prozent des Neupreises ein Semester lang ausleihen und kostenlos an Amazon zurückschicken können. Keine schlechte Idee: Schulbücher sind teuer, selbst wenn sie gebraucht sind, und im Vergleich zu anderen Bibliotheken nimmt Amazon recht hohe Verleihgebühren. Den Studenten bringt es also Lernmittel-Sicherheit, Amazon erhebliche Extra-Umsätze bei geringem Risiko.

Vielleicht steckt hinter solchen Neuerungen einfach nur Schaffenskraft - und Veränderungsdruck: Amazon muss sich weiterentwickeln. Google entwickelt mit Google Places seit Jahren, vor aller Augen und doch verdeckt, eine Infrastruktur für den Online-Verkauf von stofflichen Waren. Facebook könnte schon seit Monaten den Markt für virtuelle Waren aufrollen - und schaffte es offenbar bislang nur noch nicht. Apple dominiert mit App Store und iTunes den Markt Musik, Software und vielleicht bald auch Film und Fernsehserien. Und längst haben die Supermarktketten und Elektronikhändler der Welt damit angefangen, eigene Versandshops aufzubauen - um mit günstigen Preisen und Konditionen Amazons Versandhandel klein zu machen.

Amazons Ausflug in die Welt der Spiele könnte also einfach ein Puzzlestück des breit angelegten Versuchs sein, relevant zu bleiben.

fkn

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1. Leider hatte diese Idee nicht Amazon,
hdudeck 07.08.2012
"College-Studenten werden Bücher künftig für bis zu 30 Prozent des Neupreises ein Semester lang ausleihen und kostenlos an Amazon zurückschicken können. Keine schlechte Idee:" sondern Barnes & Noble. Die bieten diesen Service schon seit einem Jahr an, so hat Amazon (wie schon das Fire vom Nook Color) bei denen Abgekupfert.Auf das Nook Glowlight habe die bis heute keine Antwort. In letzter Zeit reagiert Amazon nur noch auf die Konkurenz, und agiert nicht mehr (durch eigene neue Ideen). Bonzo verzettelt sich mehr und mehr, sieht man ja auch am Gewinn, der trotz wachsenden Umsatz stehtig kleiner wird.
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Zum Autor
  • Felix Knoke schreibt von Berlin aus über elektronische Lebensaspekte und versucht sich vergeblich als Hitproduzent in seinem Wohnzimmerstudio.

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