Online-Versandhändler Amazon will ins Kino

Nach dem Golden Globe für eine eigene Serie will Amazon mehr: Jetzt legt sich der Versandhändler mit Hollywood an, will selbst Kinofilme drehen - und diese schon nach wenigen Wochen seinen Premium-Kunden online anbieten.

Amazon Fire TV: Der Versandhändler entwickelt sich zum Medienkonzern
DPA

Amazon Fire TV: Der Versandhändler entwickelt sich zum Medienkonzern


Seattle - Der US-Onlinehändler Amazon wandelt sich immer mehr zu einem Medienkonzern. Das Unternehmen kündigte am Montag an, künftig Kinofilme selbst zu drehen oder die Rechte zu kaufen. Zahlende Abokunden sollen die Streifen im Netz vergleichsweise früh sehen können: Während sie nach einer Leinwandpremiere bisher bis zu einem Jahr warten mussten, sollen die Amazon-eigenen Filme mit einer Verzögerung von nur ein bis zwei Monaten gezeigt werden.

Die Produktion soll den Angaben zufolge in diesem Jahr beginnen. "Wir haben uns zum Ziel gesetzt, knapp zwölf Filme im Jahr zu machen", sagte Amazon-Manager Roy Price.

Amazon hat bereits viel Geld in digitale Medien investiert, um etwa dem iTunes Store von Apple Konkurrenz zu machen und von der wachsenden Nachfrage nach On-Demand-Angeboten zu profitieren. Amazon dreht bereits eigene Fernsehsendungen, vor wenigen Tagen gewann die Serie "Transparent" einen Golden Globe. Auch der Streaming-Dienst Netflix setzt auf Eigenproduktionen und wird unter anderem vier Filme mit Adam Sandler sowie eine Fortsetzung des Kampfkunst-Streifens "Tiger & Dragon" drehen. Beim Streaming werden Videos direkt aus dem Netz abgespielt. Dienste wie Netflix und Amazon lassen sich den Zugang mit einer Gebühr vergüten.

Bei den Filmen, die Amazon drehen lassen will, gab sich der Onlinehändler am Montag eher bescheiden. Sie würden voraussichtlich zwischen 5 Millionen und 25 Millionen Dollar kosten. Zum Vergleich: Hollywood-Kassenschlager können leicht über 100 Millionen Dollar kosten.

mia/dpa/Reuters

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michibln 20.01.2015
1. War wohl nur eine Frage der Zeit...
...dass Amazon auch das Filmgeschäft aufmischt. Wenn sich das beschriebene Modell durchsetzt, dann kommen harte Zeiten auf Filmindustrie und Kinos zu. Denn wieviele Leute werden einen Film noch im Kino anschauen, wenn sie die Aussicht haben ihn nach vier Wochen schon zu Hause auf dem Fernseher zu sehen? Es gibt zwar immer noch einen Unterschied zwischen Kino und Heimkino aber ob der überzeugend genug ist, den Kinos die Existenz zu sichern?
mario4974 20.01.2015
2. Prime aber nicht zur Primetime
Amazon sollte erst einmal sein Primetime Problem in den Griff bekommen. Seit Monaten ist es bei Amazon bekannt, dass besonders zur Primetime (ab ca. 20:15) das streamen von Filmen und Serien problematisch ist. Die Amazonserver knicken unter dem Ansturm ein und Filme und Serien bleiben hängen. Ich z. B. habe eine 100 MBit Internetverbindung und zur Primetime bekomme ich von Amazon eine Verbindung von gerade mal 1 - 4 MBit geboten. Das gibt's bei der Konkurrenz wie Maxdome und Netflix nicht. Also, statt Millionen in irgendwelche Billigfilme zu pumpen, sollte sich Amazon lieber leistungsstarke Server anschaffen.
eulenspiegel1979 20.01.2015
3. Dieses Problem ...
Zitat von mario4974Amazon sollte erst einmal sein Primetime Problem in den Griff bekommen. Seit Monaten ist es bei Amazon bekannt, dass besonders zur Primetime (ab ca. 20:15) das streamen von Filmen und Serien problematisch ist. Die Amazonserver knicken unter dem Ansturm ein und Filme und Serien bleiben hängen. Ich z. B. habe eine 100 MBit Internetverbindung und zur Primetime bekomme ich von Amazon eine Verbindung von gerade mal 1 - 4 MBit geboten. Das gibt's bei der Konkurrenz wie Maxdome und Netflix nicht. Also, statt Millionen in irgendwelche Billigfilme zu pumpen, sollte sich Amazon lieber leistungsstarke Server anschaffen.
... kenne ich gar nicht und ich schaue sehr viel über amazonprime. Zur Not einfach auf Netflix oder Watchever ausweiche ;-) Was das eigentliche Thema angeht. Es war ohnehin nur eine Frage der Zeit, bis sich Größen wie amazon und Netflix aufmachen, um die Kinoleinwand zu erobern. Allerdings werden dadurch die Kinos nicht aussterben. Mich würde es nicht stören. Grundsätzlich gehe ich sehr gern ins Kino. Jedoch haben sich die Eintrittspreise jenseits von Gut und Böse entwickelt und das liegt nicht an illegalen Streams - wie so gern behauptet wird. Hinzu kommt, dass sich die Kultur der Kinogänger arg ins Negative entwickelt hat. Es wird gequatscht, laut geraschelt, geknuspert, gestunken, gedrängelt, genervt. Es ist nichts Entspannendes mehr am Kinogang zu finden. Zumal ich nicht verstehe, wieso Menschen 25 Euro für zwei Kinokarten ausgeben, um sich dann den ganzen Film lang zu unterhalten und an den Smartphones rumzuspielen. Gern zu beobachten an jugendlichen Gruppen, die sich gern so aufspielen, als gehöre das ganze Kino ihnen. Auf die ethnische Durchmischung dieser Gruppen will ich aus aktuellem Anlass nicht eingehen. Fazit: Kino ist teuer, Kino ist laut, Kino ist nervig geworden. Da spare ich mir die 25 Tacken, warte bis der Film für 4,99 Euro in HD bei amazon erscheint und wenn er mir richtig gut gefällt, dann kaufe ich den Streifen für 17 Euro auf Blu-ray und habe am Ende Geld gespart, den Film so oft ich will, ein Top Bild, Ruhe vor nervigen Sitznachbarn und falls der Film ein Reinfall ist, hat es mich 4,99 Euro und nicht 25 Euro gekostet. Ich sehe auch nicht, dass amazon unf andere Anbieter eine echte Konkurrenz gegen traditionelle Produktionshäuser wie WB, Universal oder Fox darstellen werden.
TRicKeY 20.01.2015
4. ach.. kino
ich war in den letzten drei jahren öfter nicht in filmen, die ich eigentlich sehr gerne sehen wollte, da die hier vor ort (cinemaxx) ja grundsätzlich nur noch in 3d gezeigt werden. 30-50km fahrt bis ins nächste in 2d zeigende kino sind mir dafür auch zu schade. leider hieß das jedes mal über ein jahr warten, bis der film auf dvd rauskam - warum auch immer diese zeit so lang ist! und was den betreibern da allein wegen ihrer gier (3d -> +5?) an Einnahmen flöten gegangen ist? wird zeit, dass Amazon da ein wenig aufräumt, ich hör schon wieder das gejammer und gekreische und das flehen nach dem staat ;-)
Alex Miller 20.01.2015
5. Toll, was sich Amazon dank Luxemburger
Steuerbeihilfen alles leisten kann.
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